Tatort Wohnung – Wer schlägt, muss gehen

25. November 2011 | Themenbereich: Kriminalität, Sachsen | Drucken

»Gewalt in der Familie in ihren vielfältigen Erscheinungsformen – ob als physische, psychische oder sexualisierte Gewalt – stellt eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit und Gesundheit von Frauen und Kindern dar«, erinnert Sozial- und Familienministerin Christine Clauß anlässlich des Internationalen Tages der Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen (25.11.2011).

»Häusliche Gewalt an Frauen und Kindern ist nicht nur das Problem Einzelner, sondern eine Erscheinung, die in unserer Gesellschaft noch viel zu häufig schlicht »übersehen« wird. Besonders für Kinder ist das Aufwachsen in einem gewaltgeprägten Klima verhängnisvoll. Ein solches gewaltgeprägtes Klima in der Kindheit erhöht die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches, später selbst Täter oder Opfer von Gewalt zu werden«, so die Ministerin.

Die sächsische Polizei registrierte 2010 im Freistaat 2.711 Fälle von häuslicher Gewalt, von den 2.249 Opfern waren 1.735 Frauen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die polizeilich festgestellte Fallzahl um rund 22 Prozent zu. Als Hintergründe für diese Entwicklung sind neben der allgemeinen Sensibilisierung der Öffentlichkeit insbesondere die gestiegene Anzeigebereitschaft der Opfer sowie der versierte Umgang der Polizei mit der Zuordnung und Erfassung der verschiedenen Delikte zum Bereich der häuslichen Gewalt zu nennen.

Die sächsische Polizei ist seit der Änderung des Polizeigesetzes vom 04.10.2011 befugt, die gewalttätige Person für bis zu zwei Wochen aus der gemeinsam genutzten Wohnung zu verweisen. »Mit der Erhöhung der Wegweisungsfrist von 7 Tagen auf zwei Wochen konnte die Situation der Opfer weiter verbessert werden. Ihnen steht nun mehr Zeit zur Verfügung, um gemeinsam mit einer Beratungseinrichtung ihre Lage zu überdenken und weitere Schritte zu planen«, stellt Ministerin Clauß fest.

Die Hilfs- und Beratungsangebote nutzen jährlich mehr Frauen, aber auch Männer, die von häuslicher Gewalt oder Stalking betroffen sind. Waren dies in Sachsen 2006 nur 1.384 Personen, so suchten 2010 bereits 2.467 Personen Hilfe in Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen, Interventions- und Koordinierungsstellen und Täterberatungsstellen. Deren Personal- und Sachkosten förderte das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz 2010 mit 1.048,5 T€.

»Allerdings kann uns das bisher Erreichte noch nicht zufriedenstellen«, so Ministerin Clauß. »Noch längst nicht alle Opfer kommen in unsere Beratungsstellen oder zur Polizei. Scham, Angst und Not hindern die Betroffenen, über die erlebte Gewalt zu sprechen. Daher ist es besonders notwendig, umfassende Aufklärungsarbeit zum Thema häusliche Gewalt zu betreiben und an die breite Öffentlichkeit zu appellieren.«

 

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz stellt über den Internetauftritt des www.familienfreundliches.sachsen.de Kontaktdaten von Schutz- und Beratungseinrichtungen für Betroffene von häuslicher Gewalt zur Verfügung.

 

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