JVA Ronsdorf macht sich fit für den Vollbetrieb

17. November 2011 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Strafvollzug | Drucken

Die JVA Wuppertal-Ronsdorf bietet beispielhafte Möglichkeiten zur schulischen und beruflichen Förderung junger Straftäter, aber auch einen hohen Sicherheitsstandard zum Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.

Bis zum März 2012 hat die neue Jugendanstalt Schonfrist, bis sie die annähernd volle Auslastung ihrer Kapazität zu bewältigen haben wird. Ursächlich für ihre Errichtung war die Einführung des Prinzips der Einzelunterbringung im Jugendstrafvollzug. Nach dem Siegburger Foltermord im Jahre 2006 hatte sich die Landesregierung entschlossen, dieses Prinzip gesetzlich im Jugendstrafvollzugsgesetz zu verankern. In Wuppertal-Ronsdorf ist zwischenzeitlich wohl eine der modernsten Vollzugseinrichtungen der Bundesrepublik entstanden, die eine angemessene Infrastruktur für die Gestaltung eines effizienten Jugendvollzuges zur Verfügung stellt.

Die BSBD-Landesleitung hatte jetzt Gelegenheit, sich persönlich ein Bild von den örtlichen Gegebenheiten zu machen. Beeindruckt zeigten sich die Gewerkschafter von der Weitläufigkeit und klaren funktionalen Gliederung der Einrichtung. Sie bietet gute Möglichkeiten zu einer anstaltsinternen Differenzierung der Gefangenengruppen, ermöglicht gleichzeitig aber auch die Durchführung größerer Veranstaltungen. Nicht ohne Stolz präsentierte der Leiter der Einrichtung, LRD Rupert Koch, die nahezu optimalen Möglichkeiten, die in Ronsdorf für die Gestaltung eines effektiven Jugendvollzuges geschaffen worden sind.

Gleichzeitig verschwieg er nicht jene Probleme, die zwangsläufig mit der Inbetriebnahme einer völlig neuen Einrichtung verbunden sind. Zunächst müssen sich die Kolleginnen und Kollegen kennenlernen und zu einer Einheit zusammenwachsen, damit sie nicht durch die Gefangenen gegen einander ausgespielt werden können. Ein solcher Prozess benötigt Zeit, Verständnis und Engagement, der aber wohl nicht ganz ohne „Reibungsverluste“ abgehen wird. Durch die tägliche Zusammenarbeit der einzelnen Kolleginnen und Kollegen sowie der unterschiedlichen Berufsgruppen wird dieser Mangel jedoch von Tag zu Tag kleiner.

Neben diesen allgemeinen Schwierigkeiten sprach der Leiter das Problem an, dass der Einrichtung erfahrene Vollzugskräfte in den Laufbahnen des allgemeinen Vollzugsdienstes und Werkdienst in nicht ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. Lediglich 25 Prozent könnten als „alte Hasen“ bezeichnet werden, während die restlichen 75 Prozent in der Regel über nicht mehr als vier Dienstjahre verfügten. Viele dieser Kräfte hätten gerade einmal ihre Laufbahnprüfung erfolgreich bestanden.

Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, erklärte Koch, seien alle hoch motiviert und stellten sich ihren neuen Aufgaben mit großem Optimismus und bewundernswertem Engagement. Trotzdem wäre es mehr als wünschenswert, wenn speziell die Nachwuchskräfte während der ersten Monate ihres Einsatzes im Jugendvollzug durch erfahrene Kräfte aus den Jugendvollzugsanstalten des Landes begleitet werden könnten. Die erfahrenen Kräfte des eigenen Personals würden dringend benötigt, um ein auf die Ronsdorfer Verhältnisse abgestimmtes Organisationsstatut zu erarbeiten.

Bislang sei er mit seinen Versuchen gescheitert, Freiwillige für diese Aufgabe zu finden. Er hoffe nun auf die Unterstützung der Administration und der bestehenden Jugendanstalten. Es dürfe nicht sein, dass Berufsanfänger mit kaum zu bewältigenden Problemen konfrontiert würden. Hier sei zeitlich befristeter fachlicher Beistand unumgänglich. BSBD-Chef Peter Brock sicherte dem Leiter der Ronsdorfer Jugendanstalt seine Unterstützung zu. Im Interesse des Vollzuges und der Kolleginnen und Kollegen, stellte der Gewerkschafter klar, müssten alle Verantwortlichen es als ihre Verpflichtung empfinden, bestmögliche Rahmenbedingungen für die neue Einrichtung zu schaffen und sie nicht mit den unvermeidlichen Anlaufproblemen allein zu lassen.

 

 

1 Kommentar
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  1. Warum hat denn der Leiter nicht erfahrene Kräfte aus dem Jugenvollzug genommen, die im Wege der Abordnung nach Ronsdorf wollten ?

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