Auffinden der Tatwaffe bei Döner-Morden

11. November 2011 | Themenbereich: Bayern, Innere Sicherheit | Drucken

Bei der Durchsuchung eines Wohnanwesens in Zwickau, in dem es vor einer Woche zu einer Explosion gekommen war, wurden verschiedene Schusswaffen aufgefunden. Darunter befand sich auch die Waffe, mit der die sogenannten „Döner-Morde“ verübt wurden. Joachim Herrmann: „Ich bin mir sicher, dass diese Erkenntnisse für unsere bayerischen Ermittlungsverfahren von großer Bedeutung sind und die Ermittlungen dadurch erheblich vorangebracht werden können. Unsere Ermittler arbeiten jetzt mit Hochdruck weiter.“ Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat wegen eines möglichen rechtsextremistischen Hintergrunds die Ermittlungen übernommen.

Bei den kriminaltechnischen Untersuchungen der Schusswaffe konnte laut Bundeskriminalamt eindeutig festgestellt werden, dass es sich bei einer der aufgefundenen Pistolen der Marke „Ceska“, Modell 83, Kal. 7,65 mm „Browning“, um die Tatwaffe der bundesweiten Mordserie, die als „Döner-Morde“ bekannt geworden ist, handelt. Bei der bundesweiten Mordserie wurden zwischen 9. September 2000 und 6. April 2006 in Nürnberg, München, Hamburg, Rostock, Dortmund und Kassel insgesamt acht türkische beziehungsweise türkischstämmige deutsche und ein griechischer Staatsangehöriger von bislang unbekannten Tätern erschossen.

Alle Opfer waren Kleinunternehmer und wurden in ihren Ladengeschäften mit derselben Waffe erschossen: einer Pistole der Marke „Ceska“, Kaliber 7,65 mm, Typ 83. In keinem der insgesamt 9 Mordfälle war bislang ein Motiv erkennbar, ebenso konnten bei keinem der Opfer Verbindungen zu den anderen Getöteten hergestellt werden.

In fünf Fällen der Mordserie lag der Tatort in Bayern:

– Am 9. September 2000 wurde der türkische Blumenhändler Enver S. an seinem Blumenstand in Nürnberg getötet.

– Am 13. Juni 2001 wurde Aburrahim Ö. in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg erschossen.

– Am 29. August 2001 wurde in München-Ramersdorf Herr Habil K. in seinem Obst- und Gemüsegeschäft ermordet

– Am 9. Juni 2005 war der Dönerbudenbesitzer Ismail Y. in Nürnberg erschossen worden.

– Am 15. Juni 2005 wurde Theodorus B. in München im Laden seines Schlüsseldienstes getötet.

Zur Aufklärung der Mordfälle waren unter Beteiligung des Bundeskriminalamts in Deutschland in allen beteiligten Bundesländern (Bayern – Nürnberg und München, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Nordrhein-Westfalen) insgesamt sechs Sonderkommissionen eingesetzt. Die umfangreichen Ermittlungsmaßnahmen unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Nürnberg/Fürth wurden durch die Ermittlungsgruppe „Bosporus“ im Polizeipräsidium Mittelfranken koordiniert.

Sollte sich der Verdacht auf rechtsextremistische Motive für die grausamen Morde bestätigen, wäre dies aus Sicht von Innenminister Herrmann eine neue Dimension in der Brutalität von Neonazis. Diese Hintergründe müssten so schnell wie möglich und restlos aufgeklärt werden.

 

 

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