Fachtagung Jugendkriminalität

26. Oktober 2011 | Themenbereich: Deutsche Polizeigewerkschaft, Interessenvertretungen | Drucken

Nicht erst seit dem Medienwirksamen Fall des U-Bahnschlägers von Berlin, der in den vergangenen Monaten heftig diskutiert wurde, ist das Thema „Jugendkriminalität“ ein Zündstoffthema, das es wert ist, von verschiedenen Seiten beleuchtet zu werden.

Zur diesjährigen DPolG Fachtagung waren deshalb auch Referenten eingeladen, die berufsbedingt, das Phänomen Jugendkriminalität aus unterschiedlichen Perspektiven zu erläutern. Professor Dr. Christian Pfeiffer schlug in seinem Vortrag einen großen Bogen von den verschiedenen Ursachen der jugendlichen Kriminalität, ihren sozialen und auch religiösen Hintergründen hin zu Lösungsmöglichkeiten, die alle gesellschaftlichen Gruppen mit einbeziehen. Grundlage seiner Ausführungen bildeten zahlreiche Studien zum Thema, die in den vergangenen Jahren unter seiner Leitung vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen erstellt wurden.

Anschließend beleuchtete Oberstaatsanwalt Rudolf Hausmann aus Berlin, der gleichzeitig Leiter der „Intensivtäterabteilung“ ist, den Umgang mit jugendlichen Delinquenten aus justizieller Sicht. Als neues und zielgerichtetes Verfahren, das sich speziell mit der raschen Aburteilung der Täter befasst, gilt seit 2008 das „Neuköllner Modell“. Das maßgeblich von der Jugendrichterin Kirsten Heisig entwickelte Modell, sieht im Kern ein zeitnahes Urteil für die Straftäter vor. Ein monatelanges Mahlen der Justizmühlen soll damit vermieden werden. Hausmann wertet das inzwischen auf ganz Berlin angewandte Verfahren als ein Erfolg. Dieser Erfolg basiert nicht zuletzt auf dem Willen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Richtern, den jugendlichen Tätern, die Folgen ihrer Taten zu verdeutlichen, ihnen aber auch Hilfen anzubieten.

Thomas Sonnenburg, Sozialarbeiter und Streetworker, der durch die Fernsehsendung „Die Ausreißer“ auch der Öffentlichkeit bekannt wurde, plädierte dafür, Opfern und Tätern immer mit Wertschätzung entgegenzutreten. Es gehe darum, letztlich auch junge Täter zu verstehen und ihnen Wege aufzuzeigen, wieder in die Gesellschaft zurückzukehren. Sonnenburg stellte zudem die Frage, ob die Medien beim Thema „Jugendkriminalität“ immer eine gute Figur abgeben. Seiner Meinung nach, rennen die Medien zu oft der Quote hinterher, die auf Schlagzeilen und Dramatisierung aufbaut und widmen sich leider weniger der Hintergrundberichterstattung und neutralen Darstellung. Dies trage mit zu der zunehmenden Verunsicherung und den steigenden Ängsten in der Bevölkerung bei, die aber nicht mit den tatsächlichen Zahlen der Kriminalität korrespondieren.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, zu der der Bundestagsabgeordnete und Innenausschussvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) hinzukam, wurde über das notwendige Instrumentarium, das zur Bekämpfung von Jugendgewalt vorhanden sein muss, diskutiert. Einig war sich die Runde darin, dass frühzeitig Elternhaus, Schule, Vereine und Jugendämter zusammenarbeiten müssen und Angebote bieten sollten, damit Jugendliche nicht auf die schiefe Bahn geraten. In den vergangenen Jahren habe sich in der Hinsicht sehr viel verbessert. Auch weil die mit Jugendlichen befassten Einrichtungen wie Polizei, Schulen, Sozialarbeiter viel enger kooperieren und untereinander manches Vorurteil abgebaut haben.

Weniger Einigkeit herrschte bei der Frage, ob die Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre gesenkt werden sollte. Bundesvorsitzender Rainer Wendt plädierte dafür. Er argumentierte, dass viele straffällig gewordene Jugendliche, die das 14. Lebensjahr erreichten, bereits eine veritable kriminelle „Karriere“ hinter sich hätten. Dem erst ab dem 14. Lebensjahr justiziell beizukommen sei zu spät. Bosbach, Sonnenburg und Hausmann setzen hingegen auf eine stärkeres Engagement der Jugendämter, der Schulen und Elternhäuser, um auf diese jungen Menschen positiv einzuwirken.

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