Geht der Kripo der Führungsnachwuchs aus?

14. Oktober 2011 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

„Frischgebackene“ Polizeiräte als Absolventen der Deutschen Hochschule für Polizei sollen Führungsaufgaben bei der Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität und anderer Formen der Schwerkriminalität übernehmen.• 

Seit längerem hat die Kriminalpolizei vielerorts zunehmend damit zu kämpfen, geeigneten Nachwuchs für Aufgaben der ihr obliegenden Bekämpfung der Schwerkriminalität und Wirtschaftskriminalität zu finden.

Das Problem ist dabei nach Überzeugung der Kriminalisten hausgemacht und seit langem absehbar, da seit Jahren die Besonderheiten und Anforderungen einer kriminalpolizeilichen Tätigkeit zunehmend negiert und die Identität der Kripo dem Wunsch nach Generalisten, die universal einsetzbar sein sollen, geopfert wurden.

Hinzu kommt, dass durchaus berechtigte Strukturverbesserungen aber nahezu wirkungslos an der Kriminalpolizei vorbei gingen. Damit ging auch ein Anreizelement verloren, sich nach einem Studium an der Hochschule für Polizei Villingen-Schwenningen – anstatt einer Führungskarriere in schutzpolizeilichen Aufgabenfeldern – als Sachbearbeiter bei der Kriminalpolizei neuen Herausforderungen zustellen, sich für eine kriminalpolizeiliche Tätigkeit zusätzlich grundsätzlich sowie deliktsbezogen intensiv fortzubilden und dabei nur schwer planbare Dienstzeiten in Kauf zu nehmen.

„Hier ist eine Trendwende überfällig.“ so der baden-württembergische BDK-Vorsitzende Manfred Klumpp. „Die besonderen Anforderungen an die kriminalpolizeiliche Sachbearbeitung in der Wirtschaftskriminalität und anderer Formen der Schwerkriminalität müssen sich auch in der Besoldung wiederfinden.“

Stattdessen sehen sich Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamte immer weiteren, als Kürzungen empfundenen Einschnitten gegenüber. So muss seit diesem Jahr eine bereits seit vielen Jahren für Aufwendungen bei Fahndungen und Ermittlungen gewährte Pauschale von rund 20 Euro erst wieder über sechs Monate penibel neu nachgewiesen werden. Diese Zusammenstellung von regelmäßig Kleinstbeträgen stellt sich als zusätzlicher Aufwand dar, den viele scheuen und sich auf ihre Ermittlungsarbeit konzentrieren.

„Auch solche Entwicklungen, die natürlich auch von jungen Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen werden, sind sicherlich nicht geeignet, für eine kriminalpolizeiliche Tätigkeit zu werben.“ stellt Manfred Klumpp.

Wenn nunmehr für kriminalpolizeiliche Führungsaufgaben augenscheinlich keine ausgebildeten Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamte mehr zur Verfügung stehen, so liegt es nahe, dass sich die Nachwuchsproblematik zeitlich versetzt nun auch auf die Ausbildung für den höheren Dienst auswirkt.

Die Konsequenz ist, dass junge Polizeiräte, die selbst keine Erfahrung in der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung haben oder gar mit der Bearbeitung von komplexen Umfangsverfahren der Wirtschaftskriminalität, der organisierten Kriminalität oder des Rauschgifthandels betraut waren, als Führungskräfte nun genau in diesen Aufgabenfeldern ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen, anleiten und ihnen die Richtung vorgeben sollen.

Der BDK wünscht diesen jungen Polizeirätinnen und -räte, die diese Entwicklung nicht selbst zu verantworten haben, viel Glück und eine glückliche Hand.

Der BDK ist aber auch überzeugt, dass eine professionelle Kriminalitätsbekämpfung keine Experimente verträgt und es auf der Führungsebene, auf denen dieser Führungsnachwuchs eingesetzt werden soll, zwingend einschlägiger fachlicher Kompetenz bedarf.

Die aktuelle Entwicklung läuft dem entgegen und bedarf dringend einer Korrektur.

 

 

 

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