Wettmanipulationen und die Grenzen des Strafrechts

30. September 2011 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Das Thema Korruption im Zusammenhang mit sportlichen Wettkampfveranstaltungen ist eines der Probleme aus dem Bereich der Korruptionsbekämpfung, das der BDK seit langer Zeit mit Sorge beobachtet und bei dem wir wiederholt dringenden Handlungsbedarf des Bundesgesetzgebers angemahnt haben.

Der Kollege Sebastian Fiedler vom BDK-Landesvorstand Nordrhein-Westfalen, ein anerkannter Experte auf diesem Gebiet, der u.a. an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW zum Thema Wirtschafts- und Korruptionskriminalität doziert, hat die Problemfelder mehrfach medial deutlich aufgezeigt.

Das ZDF (Frontal21) hat am 26.9. mit seinem Beitrag „1:0 für die Mafia – Wie mit Wettmanipulationen Milliarden kassiert werden“ ganz aktuell auf die hohe Brisanz sowie die Tragweite dieses Kriminalitätsbereiches hingewiesen.

Leider lässt das deutsche Strafrecht bis heute eine Sanktion der klassischen Bestechungshandlungen bei sogenannten Wettmanipulationen nicht zu. Die Bestechung eines Spielers, Schiedsrichters o. ä. kann nur dann strafrechtlich sanktioniert werden, wenn die Bestechungshandlungen beweisfest in einen kausalen Zusammenhang zur eigentlichen Betrugshandlung des „Wettmanipulierers“ gebracht werden können. Das Rechtsgut eines fairen sportlichen Wettkampfes, das auch in Anbetracht der großen wirtschaftlichen Tragweite kommerzieller Sportereignisse von großer Bedeutung für die Zuschauer, die Athleten, die ausrichtenden und beteiligten Verbände, Vereine und Organisationen sowie viele abhängig Beschäftigte ist, ist in der Bundesrepublik Deutschland strafrechtlich vollkommen ungeschützt. Die eigentliche Tat, die erst eine Wettmanipulation ermöglicht, nämlich die Bestechung von Schiedsrichtern oder Spielern, bleibt ungesühnt. Eine generalpräventive Abschreckungswirkung bei den Hauptakteuren gibt es damit nicht.

Selbstregulierungsmechanismen sowie Präventionsbemühungen der Sportverbände sind unseres Erachtens zwingende aber keine hinreichenden Notwendigkeiten. Ebenso wenig wie Interne Revisionen oder Compliance-Abteilungen von Wirtschaftsunternehmen über das Ermittlungsinstrumentarium der Strafverfolgungsbehörden verfügen, sind Sportvereine oder -verbände in der Lage, Ermittlungen durchzuführen, die zur Aufdeckung und Zerschlagung von in der Regel internationalen Korruptionsstrukturen führen. Gerade das Kriminalitätsphänomen Korruption zeichnet sich dadurch aus, dass es kein Opfer im klassischen Sinne gibt. Sowohl der „Geber“ als auch der „Nehmer“ profitieren von ihrem Tun und legen ihr gesamtes Handeln auf Verschleierung aus. Derartige Straftaten können grundsätzlich nur mit ebenso konspirativ geführten Ermittlungen aufgedeckt werden. Ohne Verdeckte Ermittlungen, wie zum Beispiel Observationen, Telefonüberwachungen o.ä., ist eine strafrechtliche Überführung i. d. R. aussichtslos. Die Strafverfolger benötigen daher zwingend die rechtlichen Eingriffsvoraussetzungen, um auf dieses Ermittlungsinstrumentarium zurückgreifen zu können.

In Einklang mit namhaften Kriminologen (Universität Gießen u.a.) begrüßt der BDK daher ausdrücklich die Gesetzesinitiative der Bayerischen Justizministerin Merk zur Verabschiedung eines sogenannten Sportschutzgesetzes.

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.