Neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld

30. September 2011 | Themenbereich: Strafvollzug, Thüringen | Drucken

Heute wurde die neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld, Oberregierungsrätin Marion Kiese, offiziell von Justizminister Holger Poppenhäger in ihr Amt eingeführt. Im Beisein der Bürgermeister von Untermaßfeld, Albrecht Schmidt, und Meiningen, Reinhard Kupietz, dem Präsidenten des Landgerichts Meiningen, Martin Aulinger, Leitern anderer Vollzugseinrichtungen sowie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der JVA Untermaßfeld überreichte der Minister feierlich Marion Kiese die Ernennungsurkunde. Zugleich ernannte der Minister HubertAbeln zum stellvertretenden Anstaltsleiter. Kiese und Abeln übten ihre Ämter bereits kommissarisch aus.

Minister Poppenhäger wünscht der neuen Anstaltsleiterin in Untermaßfeld viel Erfolg für die kommenden Aufgaben. „Marion Kiese hat über zwei Jahrzehnte Erfahrung in Leitungsfunktionen des Thüringer Strafvollzuges. Ruhig, besonnen und sicher leitet sie seit fast zwei Jahren die Geschicke der JVA Untermaßfeld. Ich bin sicher, dass sie ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen und das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Belange der Gefangenen auch weiter im Blick behalten wird. Bei meinem kurzen Besuch heute hier habe ich selbst viel von der Kollegialität der Mitarbeiter untereinander verspürt, die Untermaßfeld nachgesagt wird. Ein gutes Arbeitsklima ist ein wichtiges Fundament für engagierte und motivierte Mitarbeiter und zeugt nicht zuletzt von Führungskompetenz. Auffällig ist auch das enge und vertrauensvolle Verhältnis zwischen der Haftanstalt und der Gemeinde Untermaßfeld, dass in guter und langer Tradition nun in den Händen von Marion Kiese liegt.“

Justizminister Poppenhäger nutzte die Amtseinführung zugleich, um die JVA Untermaßfeld zu besuchen und mit den Vollzugsbediensteten dort ins Gespräch zu kommen. Neben den täglichen Belangen war der Minister insbesondere an der Meinung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum neuen Musterstrafvollzugsgesetz und zu dem betrieblichen Gesundheits­management interessiert. Letzteres bringt das Justizministerium derzeit zusammen mit den Thüringer Justizvollzugseinrichtungen auf den Weg, um den Krankenstand zu senken.

 Informationen Oberregierungsrätin Marion Kiese

Marion Kiese gehört der Thüringer Justiz seit 1992 an. Anfangs im Justizministerium und zum Erwerb erster Erfahrungen im Justizvollzug in der JVA Köln, wechselte sie im Mai 1992 in die JVA Suhl-Goldlauter. Als stellvertretende Leiterin unterrichtete sie an der dortigen Thüringer Justizvollzugsschule im Rahmen der Aus- & Fortbildung Vollzugsbedienstete. Im März 2001 wurde sie stellvertretende Leiterin der JVA Untermaßfeld, die sie seit Januar 2010 kommissarisch leitet.

Sie wurde 1959 in Köln geboren und erwarb dort 1978 ihre Hochschulreife am Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium. Sie erlernte erst den Beruf der Rechtsanwaltsgehilfin, bevor sie an der Universität Köln Jura studierte. Nach ihrem zweiten Staatsexamen 1990 arbeitete sie bis 1991 in einer  Rechtsanwaltskanzlei und kam 1992 nach Thüringen.

Information zur Geschichte und Gegenwart der JVA Untermaßfeld

Die Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld gehört zu den traditionsreichsten Haftanstalten in Deutschland bezogen auf einen zeitgemäßen und Resozialisierungsgesichtspunkten orientierten Strafvollzug.

Das Gebäude der heutigen JVA Untermaßfeld wird seit 1783 als Gefängnis genutzt. Ab 17.07.1813 war es Zentralhaftanstalt des Herzogtums Sachsen-Meiningen (Arbeits- und Zuchthausanstalt) für anfangs 22 Zuchtshaussträflinge. 1890 gab es 357 Zellen.

Von Beginn an fanden hier Gottesdienste und Schulbildung durch Dorflehrer statt.

Resozialisierung & humaner Strafvollzug lernten laufen: Bereits 1833 – rund 100 Jahre früher als sonst in Deutschland – wurde der erste praktische Versuch eines Stufenvollzuges unternommen –.

„Phänomen Untermaßfeld“- 3-Stufenvollzug: 1922 wurde unter weltweiter Beachtung mit der Haus- und Vollzugsordnung das sog. Progressivsystem als Fortentwicklung des Stufenvollzuges (3 Stufen: Beobachtung, Behandlung, Bewährung) unter Leitung von Lothar Frede eingeführt (Novum in der Praxis des deutschen Strafvollzuges). U-Feld wurde Vorbild für einen progressiven, nicht auf Vergeltung, sondern auf Resozialisierung der Gefangenen abzielenden Strafvollzug.

Unter Otto und Albert Krebs gelangt der Resozialisierungsgedanke zu voller Blüte (Zentrum der Gefängnisreformbewegung in Deutschland). Gefangenenchor, Streichorchester, Blasorchester wurden gegründet, ein Sporthof eingerichtet, Sportgruppen gebildet, Handballmannschaft und Theatergruppe gegründet. Es wurde eine Gesellschaft für Werkarbeit zur Produktion und Vertrieb eigener Produkte gegründet. Die Gewinne aus der Produktion kommen den Gefangenen zugute. Einmalig: Die Gefangenen bekommen Lohn ausgezahlt (Lohnstreifen) Durch Abschlüsse einzelner Lehrverhältnisse werden erste Versuche zur Ausbildung von Gefangenen unternommen.

1928 erscheint hier die erste Gefangenenzeitung Deutschlands „Die Brücke“ unter dem Motto Gedankenaustausch von Gefangenen und Freien.

Der Erziehungsvollzug brachte auch für die Aufsichtsbeamten Veränderungen in Form von Aus- und Fortbildungen (z. B. Geschichte, Gefängniskunde, Rechtsbrecher & Beurteilung, Gesundheitspflege, Schriftverkehr, Erziehungswesen).

1931 wird die erste von Gefangenen betreute und bis heute betriebene Wetterstation in Betrieb genommen.

Die Gemeinde und die Region leben seit zwei Jahrhunderten mit dem Strafvollzug in langer Tradition miteinander. Eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und eine feste Verankerung in der Gesellschaft zeichnen die Kooperation aus.

In U-Feld wurde historisch produziert: Schmiede, Weberei, Schreinerei, Sattlerei, Uhrmacherei, Buchbinderei, Kupferdruckerei, Maschinenspinnerei, Illuminieren von Landkarten, Straßenbau, Zigarrenherstellung, Apotheke, Landwirtschaft zur Selbstversorgung

Bereits seit 1873 gibt es hier keine Körperstrafen mehr, einmalig zu dieser Zeit. Ab 1893 durften die Gefangenen nur noch mit „Sie“ angesprochen werden (Respekt) – einziges deutsches Gefängnis zu dieser Zeit.

 

Heute

Nach dem Thüringer Vollstreckungsplan wird in der JVA Untermaßfeld Regelvollzug an männlichen Gefangenen bis 2 Jahre und 6 Monaten sowie Ersatzfreiheitsstrafen im Anschluss an Freiheitsstrafen und Ordnungs-, Sicherungs-, Zwangs- & Erzwingungshaft bis 2,5 Jahren sowie offener Vollzug vollzogen.

z. Zt. sind 319 Gefangene (156 einzeln, 189 gemeinschaftlich, i. d. R. Viererunterbringung) untergebracht.

Es gibt 12 Plätze im offenen Vollzug.

168 Bedienstete und 4 Anwärter (Auszubildende)

Ein hauptamtlicher Anstaltsarzt

Heute wird in Eigenregie das einzige Thüringer Vollzugsmuseum geführt.

Produkte & Dienstleistungen: Möbelproduktion für alle Thür. Justizbehörden, Neubau LKA, Bereitschaftspolizei, Polizeischule Meiningen, Sportgymnasium Oberhof, Bundeswehr und Kirchen

z. Zt. in Thüringen rund 1.830 Gefangene, 1054 Bedienstete

 

 

 

 

2 Kommentare
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  1. Zur Geschichte dieser Einrichtung gehört auch die Zeit von 1933 bis 1989 ! Warum wurde das hier vergessen ? Zwei unsägliche Diktaturen jeweils unter Hitler, Ulbricht und Honcker haben in diesem Hause gewütet !

  2. Hallo,geehrte Damen und Herren,
    ich wurde von 1975-1978 in dieser Ihrer Einrichtung inhaftiert (DDR-Zeit).Meine Unterbringung
    nannte man verschärfte Absonderung (Besserungsunwillig).Zwecks Vergangenheitsaufarbeitung
    benötige ich Unterlagen aus dieser Zeit.
    Mit freudlichen Grüßen
    A.Anders

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