Statistik verrät nur halbe Wahrheit

29. August 2011 | Themenbereich: Innenminister, Rheinland-Pfalz | Drucken

Als „realitätsverzerrend“ hat der Hessische Innenminister eine Statistik bezeichnet, wonach Frankfurt im Jahre 2010 angeblich Hauptstadt des Verbrechens gewesen sein soll.
Innenminister Boris Rhein: „Die Statistik spiegelt nicht die reale Situation wieder, weil die Besonderheiten der Stadt nicht berücksichtigt werden. Frankfurt ist eine der sichersten Großstädte in Deutschland; dies zeigt die hohe Aufklärungsquote der Frankfurter Polizei.“

Einer der Hauptkritikpunkte an der Kriminalstatistik des BKA ist, dass sie auch für das Jahr 2010 all die Straftaten enthält, die Täter am Frankfurter Flughafen verübt haben. Dies sind alleine mehr als 12.000 Delikte. In München beispielsweise werden die Flughafendelikte nicht in der Statistik mitgezählt, weil sich der Münchner Flughafen – im Gegensatz zum Frankfurter Flughafen – außerhalb des Stadtgebiets befindet.

Das aber mache die Vergleichbarkeit und damit ein Ranking unter den deutschen Großstädten schwierig, so Rhein. Darüber hinaus zieht es tagsüber zusätzlich ca. 260.000 Pendler in die Stadt. Gemeinsam mit den täglich rund 300.000 Ein- und Durchreisenden über den Hauptbahnhof mache das Frankfurt am Tage zu einer Millionenstadt. Diese besondere 2 regionale Struktur der Stadt Frankfurt sei im Städtevergleich einmalig und führe zwangsläufig zu einer Verzerrung der Vergleichbarkeit.

„Auch deswegen ist die Statistik des BKA fraglich, weil die nur mit den offiziellen Einwohnerzahlen rechnet und die täglich die Stadt bevölkernden Pendler unberücksichtigt lässt“, so Innenminister Boris Rhein.

Aufgrund der hohen Reise- und Pendlerbewegungen müsste anstelle der Einwohnerzahl eine Größenordnung von rund 1,1 Millionen Personen mit täglichem Aufenthalt in der Stadt zugrunde gelegt werden, bei der die Gesamtzahl der Straftaten dann eine Quote von 9.760 pro 100.000 Personen ergäbe. Damit würde die Stadt Frankfurt im bundesdeutschen Vergleich einen unteren Mittelplatz belegen.

„Insofern ist der Titel Hauptstadt des Verbrechens für Frankfurt nicht zutreffend“, so der Hessische Innenminister.

Rhein erläuterte weiter, dass in der polizeilichen Kriminalstatistik in einer Anmerkung zu einer Vergleichbarkeit der Länder- und Städtedaten explizit auf die Pendlerproblematik hingewiesen werde. Zudem sei beim Vergleich der Städte zu beachten, dass sich das Anzeigeverhalten und die Deliktstruktur auch durch polizeiliche Schwerpunktsetzung örtlich unterscheiden können. Darüber hinaus seien Bevölkerungs- und Gelegenheitsstrukturen, sowie die Tätermobilität unterschiedlich.
Der Hessische Innenminister werde Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich deshalb bitten, bei der Veröffentlichung der nächsten polizeilichen Kriminalstatistik, explizit auf die Frankfurter Besonderheiten hinzuweisen, damit in Zukunft die Zahlen des BKA in den richtigen Kontext eingeordnet werden können.

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