„Gefällt mir“-Button ist laut Datenschützer rechtswidrig

22. August 2011 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Es scheint mittlerweile ein Hobby in Deutschland zu sein, Facebook, Google und Co. anzugreifen und zu diffamieren. Nach dem Kleinkrieg von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, die zu guter Letzt theatralisch ihren Facebook-Account löschte, was die Facebook-Betreiber und weltweit über 750 Millionen Mitglieder allerdings nicht weiter kratzte, greift nun auch Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert Facebook massiv an.

„Bei Nutzung der Facebook-Dienste erfolgt eine Datenweitergabe von Verkehrs- und Inhaltsdaten in die USA und eine qualifizierte Rückmeldung an den Betreiber hinsichtlich der Nutzung des Angebots, die sog. Reichweitenanalyse. Diese Daten nutze Facebook dann zu Werbezwecken, so Thilo Weichert. Weichert fordert, den inkriminierten „Gefällt mir“-Button umgehend von allen Webseiten zu entfernen und droht bei Weigerung mit Bußgeldern. Facebook wies die Anschuldigungen zurück: Die „Social Plugins“ würden in vollständigem Einklang mit den europäischen Datenschutzbestimmungen verwendet.

Halb Deutschland betätigt sich laut einer aktuellen Studie von BITKOM in sozialen Netzwerken. Diese werden hauptsächlich dazu genutzt, bestehende Freundschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Eine Situation, die für manche Menschen – wie Thilo Weichert und Ilse Aigner – vielleicht nur schwer nachzuvollziehen und daher eher geheimnisvoll, bedrohlich und angsteinflößend ist.

Die Zugehörigkeit zu sozialen Netzwerken, wie Facebook oder Schüler-VZ, ist heute praktisch ein Muss für eine „erfolgreiche“ Sozialisation junger Menschen (ca. 40 Millionen Nutzer in Deutschland, davon 3,4 Millionen Minderjährige alleine auf Facebook). Sie wollen dazu gehören, ohne Teilnahme an einem sozialen Netzwerk steht man „außerhalb der Gesellschaft“. Einschränkungen und Verbote des Staates werden auch gerade aufgrund der Bedeutung dieses Kommunikationsmittels insbesondere für junge Menschen kaum Akzeptanz bei den Nutzern finden.

Facebook erhält mit dem „Gefällt mir“-Button einige wenige technische Daten, die sie für Werbezwecke auswerten und nach 90 Tagen wieder löschen. Was für ein Verbrechen! Sie „sammeln“ diese Daten nicht mal wirklich geheim und jeder User muss zusätzlich auch aktiv werden und den Button anklicken, wozu niemand gezwungen wird. Bei jedem Einkauf bei einem Online-Shop hinterlässt man mehr Spuren und Informationen über sich im Internet zurück – und das gänzlich unabsichtlich und unbemerkt.

Panikmache ist nicht angesagt und wenig hilfreich. Stattdessen könnte sich gerade staatlicherseits mehr Mühe damit gemacht werden, dem Internetnutzer einen kompetenten Umgang mit dem Medium Internet zu vermitteln. In der Vergangenheit wurde dem deutschen Verkehrsteilnehmer über die Fernsehkampagne „Der 7. Sinn“ sicheres Verhalten im Straßenverkehr vermittelt. Mit der vom BDK initiierten Kampagne „Der 8. Sinn“ könnte z.B. in ähnlicher Art und Weise Medienkompetenz der Internetnutzer gebildet und gefördert werden. Der konstruktive und ehrliche Dialog zwischen allen Beteiligten ist dabei eine absolute Notwendigkeit. Aus Sicht des Daten- und Jugendschutzes besteht bei Facebook, Google und Co zweifelsfrei noch Optimierungsbedarf und die Betreiber von sozialen Netzwerken müssen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Verbote bringen uns aber nicht weiter, Aufklärung ist angesagt!

Quelle: BDK

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