Richtfest für die JVA Heidering im brandenburgischen Großbeeren

19. August 2011 | Themenbereich: Berlin, Strafvollzug | Drucken

Gasterm hat das Richtfest für die Justizvollzugsanstalt Heidering im brandenburgischen Großbeeren im Beisein der Justizsenatorin Gisela von der Aue und der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher stattgefunden

Hier entsteht auf ehemaligen Rieselfeldern der Berliner Stadtgüter mit einer Geländefläche von 155.000 m2 eine moderne Anstalt mit 648 Haftplätzen nach dem Entwurf des österreichischen Architekten Josef Hohensinn aus Graz, der als Sieger aus einem Realisierungswettbewerb mit 15 Teilnehmern hervorging.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher: „Das Richtfest ist ein schöner Brauch, mit dem der Bauherr seinen Dank an die Handwerker und alle am Bau Beteiligten ausdrückt. Mit dem Richtfest wird seit jeher die erste große Etappe beim Bau eines Gebäudes beendet – Grund genug also, zu feiern. Am Bau der JVA Heidering werden am Ende ca. 20 Planungs- und Ingenieurbüros, über 50 Firmen und etwa 1.000 beteiligte Personen mitgewirkt haben. Und auch das Ergebnis der bisherigen Baumaßnahmen kann sich sehen lassen: 75% der Arbeiten für den Rohbau sind abgeschlossen. Die Architektur der JVA Heidering gibt dem Zweck des Gebäudes Spielraum: Qualifizierung, sinnvolle Freizeitgestaltung, Wohnqualität und selbst ein Ausblick der Insassen in die ländliche Umgebung ermöglichen auch im Strafvollzug ein men-schenwürdiges Dasein.“

Justizsenatorin Gisela von der Aue: „Ein zeitgemäßer Justizvollzug, so wie ich ihn verstehe, ist auf die Eingliederung bzw. Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft und auf den Schutz der Bevölkerung vor wiederholter Straftatbegehung ausgerichtet. Für diese Aufgaben ist die JVA Heidering bestens gerüstet. Jeder Gefangene wird seinen eigenen Haftraum haben. Er kann in der Anstalt einer Arbeit nachgehen, die sich nicht nur auf einfachste Hilfstätigkeiten beschränkt, sondern am Arbeitsmarkt tatsächlich nachgefragt wird. Arbeit und Qualifikation sind Schlüsselelemente des Resozialisierungsprozesses, die nach der Haftentlassung den Schritt in ein verantwortungsvolles Leben erleichtern. Daher soll in der JVA Heidering jeder Gefangene, der arbeitsfähig ist, eine Beschäftigung und eine berufliche Perspektive erhalten. Zusammen mit den umfangreichen Betreuungs- und Behandlungsangeboten, die die JVA Heidering vorhalten wird, ist dies der einzig dauerhafte Schutz der Bevölkerung vor Straftaten. Nur so können wir eine Veränderung beim Gefangenen bewirken und ihm lohnenswerte Alternativen zu einer erneuten Straffälligkeit aufzeigen.“

Der Gebäudekomplex mit 28.000 m2 Nutzfläche beinhaltet drei Teilanstalten in X-Form mit je 216 Haftplätzen, Verwaltungsgebäude, Zentralküche, Mehrzweckhalle sowie Schul- und Andachtsbereich. Darüber hinaus bieten Werkbetriebe ca. 400 Arbeitsplätze in zwei eingeschossigen und einer zweigeschossigen Halle mit je ca. 3.000 m² Nutzfläche und einem Logistikcenter. Den Gefangenen wird so die Möglichkeit geboten, sich einerseits durch eine Berufs- oder Schulausbildung zu qualifizieren und andererseits ihre Freizeit mit sinnvoller Beschäftigung zu gestalten.

Damit genügt die Anstalt allen Ansprüchen an einen modernen und sicheren Strafvollzug, in dem menschliche Aspekte Berücksichtigung finden.

Architektonisches Merkmal ist eine kompakte Bauform mit Konzentrierung der Gebäudekomplexe um eine zentrale Vollzugsmagistrale, um damit sowohl die Wege innerhalb der Anstalt als auch die Außensicherheitslinie möglichst kurz zu halten.

Durch die Einbeziehung der natürlichen Topografie des Baugrundstückes folgt der Entwurf einer etwa sechs Meter betragenden Höhendifferenz des Geländes von Norden nach Süden mit dem Übergang von einer drei- in eine viergeschossige Bauweise. Damit werden auch die beim Bau erforderlichen Erdbewe-gungen möglichst gering gehalten. Ein weiteres Merkmal ist die gesteigerte Wohnqualität der Hafträume durch großzügige Belichtung in Form von abgesenkten Fensterbrüstungen.

Durch eine getrennte Wegeführung von unterschiedlichen Personengruppen innerhalb der Anstalt ergeben sich keine Überschneidungen bei den Bewegungen der Gefangenen, der Besucher und der Lieferanten in den Gebäuden und Freianlagen.

Anstatt einer Mauer wird erstmals bei einer Haftanstalt des Landes Berlin das Gelände durch eine umgebende Doppelzaunanlage mit Videoüberwachung und elektronischer Bewegungsdetektion gesichert. Dadurch ergeben sich sowohl Einblicke in den Justizvollzug als auch Ausblicke der Insassen in die ländliche Umgebung.

Seit dem ersten Spatenstich im Juli 2009 wurden von der Gesamtinvestition in Höhe von 117,9 Mio. € bereits über 90 Mio. € beauftragt.

Die bauliche Fertigstellung erfolgt bis Ende 2012.

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