Reform der Hochschule der Polizei

19. August 2011 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Zurzeit werden in der Projektgruppe zur Neustrukturierung der Aus- und Fortbildung in der Polizei Hamburg (ProNAF) die derzeitigen Strukturen in der Aus- und Fortbildung der Polizei Hamburg in Bezug auf Effektivität und Effizienz geprüft.

Dabei findet die Ausbildung zum Laufbahnabschnitt II an der HdP besondere Berücksichtigung. Aktuell werden in der Projektgruppe verschiedene Modelle diskutiert. Bereits Anfang September, so das ambitionierte Ziel, soll die Projektgruppe Innensenator Neumann ein Ergebnis präsentieren.

Im Rahmen der Innenausschusssitzung am 15.08.2011 erfüllte Senator Neumann auf einen Schlag zwei der wichtigsten langjährigen Forderungen des BDK zum Thema Hochschulausbildung:

Der gemeinsame Studiengang mit dem privaten Sicherheitsgewerbe ist ausgesetzt und damit beginnt am 01.10.2011 auch kein neuer Studiengang „SIMA“ an der Hochschule der Polizei. Dazu ergänzte der Leiter der Projektgruppe ProNAF, Herr Lothar Bergmann, für den Senat, dass das Interesse der „Freien Wirtschaft“ an Absolventen des SIMA-Studienganges erheblich rückläufig sei und dass dieser Studiengang eine erhebliche Subventionsbelastung ? sprich Einsatz von Steuergeldern ? darstellte, was so erstmalig in dieser Deutlichkeit öffentlich ausgesprochen wurde.

Senator Neumann beschrieb die Problematik der zunehmenden mangelnden Attraktivität des Polizeiberufes und die daraus resultierenden rückläufigen Bewerberzahlen. Auf diese ? allerdings politisch hausgemachte ? Situation werde man reagieren (müssen) und als erste Maßnahme mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zukünftig wieder die Alimentierung im Grundstudium einführen. Somit dürfte auch einer sofortigen Verbeamtung zukünftiger Seiteneinsteiger an der Polizeihochschule nichts mehr im Wege stehen.

Wieder einmal hat sich gezeigt: Die beharrliche Arbeit des BDK zahlt sich aus!

Ebenso wichtig waren zwei weitere Aussagen von Senator Neumann vor dem Gremium: Er werde keine Qualitätsverluste bei der Polizeiausbildung und keine Absenkung der Anforderungen an die Bewerber akzeptieren.

Wie auch dem Innensenator bekannt ist, sind aus Sicht des BDK ? trotz der bisherigen erfreulichen Entwicklungen ? die Beibehaltung oder Umsetzung weitere Aspekte dringend erforderlich:

Beibehaltung der eigenständigen Studiengänge Kriminalpolizei und Schutz-/Wasserschutzpolizei
Wiedereinführung der freien Heilfürsorge
im Ergebnis eine wissenschaftliche und praxisorientierte Ausbildung.

Gerade der letzte Punkt führt aktuell bei den beteiligten Protagonisten zu intensiven Diskussionen, wo reichlich Ideologien, Vorurteile und gefährliches Halbwissen ausgetauscht werden.

Bei der ? schon seit Jahrzehnten so kolportierten und zum Großteil auf überlieferte Vorurteile basierenden ? Kritik, dass die Qualität der Hochschulabsolventen deutlich rückläufig sei, darf nicht vergessen werden, dass aktuell rund 50% der Studienanteile praktischer Art sind. Hier wird deutlich, dass die Probleme weitergehend und gerade auch in der Ausbildungspraxis innerhalb der Polizei zu suchen sind. Dazu gehört z.B. auch die teilweise merkwürdige Auswahl von ungeeigneten Praktikumsdienststellen.

Eine weitere Möglichkeit stellt auch der verstärkte Einsatz von Polizeikräften im fachtheoretischen Bereich der berufspraktischen Fächer wie Einsatzlehre und Kriminalistik dar, um so auch eine höhere polizeiliche Sozialisation und Integration zu erreichen.

Man muss akzeptieren, dass man nach Beendigung des Hochschulstudiums für den „Erfahrungsberuf Polizist“ berufsfähige und keine berufsfertigen Beamtinnen und Beamten hat. Die von den jungen Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule erworbenen fachlich-theoretischen und auch persönlichen Fähigkeiten werden erst durch die jahrelange Praxis ergänzt. Das macht z.B. auch deutlich, wie wichtig die getrennten Studiengänge für die Schutz- und Kriminalpolizei sind.

Der „freigeistige Charakter“ des Studiums und auch die Schwerpunktsetzung auf sozialwissenschaftliche Studieninhalte sind gerade für die Kriminalpolizei von immenser Bedeutung. Für die Aufklärung von Straftaten bedarf es nämlich außer der theoretischen und der „handwerklichen“ Werkzeuge einem enormen Maß an geistiger Kreativität. Diesem Anspruch muss auch eine „neue“ Polizeihochschule – in welcher Form auch immer – gerecht werden.

Der BDK erwartet von allen Verantwortlichen, in Politik, BIS, Hochschule und Polizeiführung, vorurteils- und ideologiefrei eine Lösung zu finden, die den Anforderungen an die Berufsbilder in der Polizei und den Erwartungen der Auszubildenden für ihren weiteren dienstlichen Werdegang gerecht werden. Ein konstruktives Miteinander ist das Gebot der Stunde.

Der BDK wird ProNAF weiterhin begleiten und die Mitglieder – genau wie die politischen Entscheidungsträger – fachlich beraten.

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