Brand- und Katastrophenschutzbericht 2010

17. August 2011 | Themenbereich: Feuerwehr - Katastrophenschutz, Thüringen | Drucken

Um 11,7 Prozent kletterten die Einsatzzahlen der Thüringer Feuerwehren im letzten Jahr nach oben. Das berichtete Innenminister Jörg Geibert am 16. August anläßlich der Vorstellung des Brand- und Katastrophenschutzberichts 2010 während der Regierungsmedienkonferenz in der Thüringer Staatskanzlei.

Die Wehren rückten im Jahr 2010 zu insgesamt 27.527 Einsätzen aus, von denen wiederum nur ganze 10 Prozent der Brandbekämpfung dienten. Der größte Teil der Einsätze galt Hilfeleistungen wie bei Sturmschäden, Unfällen oder Ölspurbeseitigungen.

Der Minister musste leider erneut darauf hinweisen, dass 21,2 Prozent der Einsätze auf Fehlalarmierungen beruhten. Thüringenweit konnten aber auch 1.370 Menschen aus akuten Gefahrensituationen oder lebensbedrohenden Situationen gerettet werden.

Zur Personalsituation

Bei den Einsätzen im vergangenen Jahr sind 66 Feuerwehrleute verletzt worden, jedoch glücklicherweise keiner tödlich. Gefahren abwehren heißt leider manchmal auch, Gefahren bis zu einem gewissen Grad in Kauf nehmen zu müssen.

Jörg Geibert dankte daher allen Aktiven der Thüringer Feuerwehren für ihren Einsatz und ihr Engagement. Und er wünschte all jenen, die im Einsatz verletzt wurden, eine schnelle und vollständige Genesung. Denn schließlich kann Thüringen auf seine aktiven Feuerwehrmänner und -frauen kaum verzichten.

Im vergangenen Jahr verringerte sich die Anzahl der aktiven Feuerwehrangehörigen um 2.131, wobei die Anzahl der ehrenamtlichen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren erstmals unter die Marke von 40.000 Mitglieder rutschte. Der bundesweite Rückgang der Mitgliederzahlen liegt an der demographischen Entwicklung, dem geänderten Freizeitverhalten der Bürger und an der Arbeitsmarktsituation. Er wird durch die Abwanderung junger Menschen aus den neuen Ländern weiter verschärft.

Für Thüringen muss man noch berücksichtigen, dass die Einführung der Feuerwehrrente eine reinigende Wirkung auf den Personalbestand hatte. Offensichtlich haben die Gemeinden genauer den Personalbestand angesehen und sich von inaktiven Mitgliedern getrennt.

Erfreulich ist dagegen der erneute Zuwachs bei den 996 Jugendfeuerwehren im Freistaat. Im vergangenen Jahr konnten sie insbesondere in der Altersgruppe der 6- bis 9-jährigen immerhin 1039 Kinder neu aufnehmen. Besonders freut den Minister, dass unter den insgesamt 11.209 Mitgliedern 2.933 Mädchen sind.

Die Jugendarbeit ist die wichtigste Säule der Nachwuchsgewinnung. Die steigenden Zahlen seit 2006 sind Sinnbild des Erfolges bei der Novellierung des Brand- und Katastrophenschutz-Gesetzes. Jörg Geibert hofft, dass der oder die eine später einmal die Einsatzkräfte verstärken kann.

Struktur der Feuerwehren in Thüringen zum 31.12.2010:

Die Thüringer Feuerwehren gliedern sich in

1.715 Gemeinde-, Stadtteil- und Ortsteilfeuerwehren
88 Stützpunktfeuerwehren
8 Berufsfeuerwehren
7 Werksfeuerwehren

14 zentrale Leitstellen koordinieren landesweit die Einsätze zur Brand- und Gefahrenabwehr, um die flächendeckende Versorgung der 942 Gemeinden zu organisieren.

Fazit und Ausblick

„Wie schnell gerät man selbst in eine Situation, in der man auf die Hilfe anderer angewiesen ist“, so der Minister weiter. „Und dann ist es gut, mit den Thüringer Feuerwehren einen verlässlichen Partner an der Seite zu wissen.“

Die ehrenamtlich Aktiven sind neben den Berufsfeuerwehren unverzichtbar für die öffentliche Sicherheit. Jörg Geibert bedankte sich explizit beim Feuerwehrverband Thüringen, bei den vielen Kommunalpolitikern, die Interessen und Anliegen der Feuerwehren stärken, bei den Unternehmern und Institutionen, die Verständnis haben, dass ihre Mitarbeiter als Feuerwehrfrauen oder -männer plötzlich zum Einsatz gerufen werden könnten.

Katastrophenschutz

Zum Thema Katastrophenschutz lautete die wichtigste Aussage des Ministers, dass die Katastrophenschutzhelfer im Jahr 2010 erfreulicherweise zu keiner einzigen Katastrophe ausrücken mussten. Insgesamt haben sich 2.615 Helfer im Katastrophenschutz (Ausbildung, Übung, Wartung) engagiert.

Im Jahr 2010 sind 99 Angehörige der im Katastrophenschutz mitwirkenden Hilfsorganisationen für ihre mindestens 15-jährige aktive, engagierte und ehrenamtliche Tätigkeit mit der Katastrophenschutz-Medaille in Bronze ausgezeichnet worden.

Seit 2008 nehmen die Landkreise und kreisfreien Städte den Katastrophenschutz als Aufgabe im übertragenden Wirkungskreis wahr. Der Freistaat hat seitdem den Landkreisen und kreisfreien Städten über die Auftragskostenpauschale circa 25 Millionen Euro für den Katastrophenschutz (2008 und 2009 je 5,12 Mio., 2010 und 2011 je 7,3 Mio. Euro) zur Verfügung gestellt. Jeder Aufgabenträger hat über die Auftragskostenpauschale Mittel in Höhe von über 1 Million Euro für den Katastrophenschutz erhalten.

Die tatsächliche Verwendung der Mittel unterliegt der Verantwortung der Kommunen, welche die Mittel thüringenweit aber höchst unterschiedlich anwenden. Während Gera im Jahr 2010 zum Beispiel 27 Prozent der Zuweisungen in investive Maßnahmen für den Katastrophenschutz anlegte, waren es in Suhl nur 0,5 Prozent.

Neben einer eigenverantwortlichen Verwendung der Mittel aus der Auftragskostenpauschale können die Landkreise und kreisfreie Städte zusammenarbeiten, sofern dies nicht zur Absenkung des gesamten Schutzniveaus führt. Gemeinsame Planungen, Beschaffungen, Verwaltungen oder Übungen können Synergien schaffen, die den Katastrophenschutz nachhaltig sichern und weiterentwickeln helfen.

Die Kommunalpolitiker haben es in der Hand, Rettungs- und Katastrophenschutzkräften für die ehrenamtlichen Tätigkeiten z.B. durch kostenlosen bzw. ermäßigten Eintritt in Theater, Schwimmbäder, Sporthallen usw. zu danken. Der Kreativität der Kommunalpolitiker sind diesbezüglich keine Grenzen gesetzt.

Die Landesregierung wird weiterhin den Brand- und Katastrophenschutz im Freistaat unterstützen, denn sie ist sich ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl bewusst. Auch die Landkreise, kreisfreien Städte sowie die Gemeinden sollten verantwortungsvoll mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umgehen, forderte der Minister. Denn auch hier gelte: Der kluge Mann baut vor.

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