„Kurve kriegen“ gegen Jugendkriminalität

16. August 2011 | Themenbereich: Kriminalität, Nordrhein Westfalen | Drucken

Innenminister Ralf Jäger startete heute (16. August) in Dortmund das Projekt „Kurve kriegen“, mit dem die NRW-Polizei nachhaltig gegen Jugendkriminalität vorgeht. „Wir wollen verhindern, dass gefährdete Kinder und Jugendliche zu Intensivstraftätern werden. Sie sollen möglichst früh Hilfe und Unterstützung bekommen“, sagte Innenminister Ralf Jäger.

„Polizei und Kommunen arbeiten in diesem bundesweit einmaligen Projekt eng zusammen. Der Innenminister informierte über die Kooperation zwischen der Polizei und den Städten Dortmund und Lünen. Neben Dortmund wird die NRW-Initiative in den Modellregionen Aachen, Bielefeld, Hagen, Duisburg, Köln sowie im Rhein-Erft-Kreis und dem Kreis Wesel umgesetzt.

„Wir wollen die Arbeit der Jugendämter ergänzen. Bei den Gesprächen mit den Verantwortlichen hat es eine breite Zustimmung zur Zusammenarbeit mit der Polizei bei ‚Kurve kriegen‘ gegeben“, erklärte Jäger. Erfahrungen zeigen, dass Intensivtäter häufig bereits vor dem 14. Lebensjahr durch Gewalt- und Eigentumsdelikte auffallen.

„Hier müssen wir frühzeitig mit einem individuellen und konzentrierten Programm ansetzen. Im Kindesalter können Entwicklungen mit guter Aussicht auf Erfolg beeinflusst werden“, erläuterte Jäger. Das Konzept basiert auf den Erkenntnissen der Enquetekommission „Prävention“, die im vergangenen Jahr dem Landtag NRW ihren Abschlussbericht vorgelegt hat.

Die Polizei erfährt als erstes davon, wenn Kinder Straftaten begehen. Deshalb soll den Modellbehörden ermöglicht werden, gezielt und umsichtig zu helfen, damit Kinder und Jugendliche noch die „Kurve kriegen“. Ab September werden pädagogische Fachkräfte in die Teams der Polizei eingebunden werden. Diese kümmern sich um strafunmündige Kinder, die zum Beispiel innerhalb der letzten zwölf Monate durch eine Gewalttat oder drei schwere Eigentumsdelikte aufgefallen sind. Auf jede Straftat soll unverzüglich eine pädagogische Maßnahme folgen. Dafür gibt es in Absprache mit den Jugendämtern maßgeschneiderte Angebote; vom sozialen Training bis hin zur intensiv pädagogischen Betreuung in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe.

Sind die Lebensumstände eines Kindes von Gewalt geprägt, spiegelt sich dies in seinem Verhalten. Es schlägt beim kleinsten Anlass zu. Hier soll ein Coolness-Training helfen, in dem ein Kind durch Rollenspiele lernt, sich nicht provozieren zu lassen, sondern mit Konflikten besser umzugehen. Ohne Unterstützung läuft für viele dieser Kinder die Spirale immer weiter nach unten. Aus diesem Grund sind auch präventive Maßnahmen wie beispielsweise Lernhilfen, Sprach- oder Sportkurse vorgesehen, die zu einer dauerhaften sozialen Integration führen.

Die Teams aus Polizei und pädagogischen Fachkräften stimmen sich eng  mit den Jugendämtern ab und beziehen die Eltern der betroffenen Kinder und Jugendlichen in das Konzept mit ein. Die intensive Betreuung soll mindestens zwei Jahre dauern. Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe sowie therapeutische Hilfen erfolgen wie bisher über das zuständige Jugendamt.

Im vergangenen Jahr gab es in NRW 3.969 mehrfachtatverdächtige Kinder und Jugendliche, die rund 30.000 Straftaten begangen haben. Damit verübten sechs Prozent der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen fast ein Drittel aller Straftaten ihrer Altersgruppe. „Diese Zahlen belegen: Es ist fünf vor zwölf. Wir setzen mit unserer NRW-Initiative den Hebel früher und damit effektiver an. Nachhaltig und dauerhaft,“ erklärte Jäger. „Jedes Kind, das mit unserer Hilfe die Kurve kriegt, ist ein Gewinn. Ein Gewinn für den persönlichen Lebensweg und ein Gewinn für unsere Gesellschaft.“

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