Amtswechsel beim Polizeipräsidium Mannheim

12. August 2011 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Polizei | Drucken

„Es ist höchste Zeit, dass die Polizeichefs weibliche Verstärkung bekommen. Caren Denner ist eine solche Verstärkung, denn Polizeibeamtinnen und -beamte, die täglich mit den Realitäten dieses Berufs konfrontiert sind, brauchen kompetente Führungskräfte.“ Das sagte Innenminister Reinhold Gall gestern, 11. August 2011, beim Festakt anlässlich des Wechsels an der Spitze des Polizeipräsidiums Mannheim.

Als im April 1990 Hildegard Gerecke zur ersten Polizeipräsidentin in Baden-Württemberg und zur zweiten bundesweit ernannt worden sei, habe der Medienrummel darauf hingedeutet, dass mit dieser Ernennung wirklich eine Männerbastion eingerissen worden sei. Im Mai 2011 habe es keine vergleichbaren Reaktionen auf Caren Denner gegeben, der nun zweiten Frau in Spitzenposition der Polizei im Land. Zwar sei es eine Besonderheit, wenn erst nach über 20 Jahren die zweite Polizeipräsidentin in Baden-Württemberg ihr Amt antrete. Er sei sich aber sicher, so der Minister, dass das künftig zunehmend Normalität werde.

Die Polizei befasse sich mit Kriminalitätsbekämpfung und Verkehrssicherheitsarbeit, die von Betrug bis Terrorismus, Senioren im Straßenverkehr, Kinderschutz, Internet- und Rauschgiftkriminalität bis zur Internationalisierung der Kriminalität reiche. Neben diesen originären Aufgaben würden viele Entwicklungen auf sie einströmen, die zwar unspektakulär schienen, aber enorme Auswirkungen auf den Dienstalltag hätten. Er denke dabei an rechtliche Entwicklungen hin zu höherem Aufwand beispielsweise bei der Telefonüberwachung, an die Überwachung aus der Haft entlassener Sexualstraftäter oder die Komplexität der Spurensicherung. „Ich denke an ausufernde Alkoholgelage junger Menschen, die teilweise in Gewalt enden. Daneben an den Trend zu einer ausufernden Eventkultur, wodurch die Polizei meist außerhalb der Regelarbeitszeit personal- und zeitintensiv gebunden wird“, sagte der Innenminister.

Es lege in der Natur der Sache, dass Großstädte wie Mannheim von diesen Phänomenen besonders betroffen seien. Eine Stadt mit rund 372.000 Einwohnern bringe eine höhere Kriminalitätsbelastung und erhebliche Sonderbelastungen mit sich. Dabei verbinde alle Dienststellen im Land, dass sich „echte“ Polizeiarbeit hinter der großen Bühne abspiele. Der hohe Aufwand polizeilicher Kleinarbeit werde in der Öffentlichkeit allerdings kaum wahrgenommen. „Wir können in Stuttgart nicht alles sehen, was hinter den Kulissen gearbeitet und geleistet wird, aber ich weiß sehr genau, dass die beständige Kleinarbeit vor Ort mit und für unsere Bürger der Herzschlag der Polizei ist“, so Innenminister Gall.

Er übersehe nicht die Sonderbelastungen und den Einsatz, den die Polizisten, Angestellten und Verwaltungsbeamten täglich erbringen würden. Gall: „Ich habe deshalb versprochen, die Polizei personell zu stärken. Das halten wir ein.“ Im nächsten Jahr stelle das Land 1.200 Nachwuchskräfte ein. Das sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Er nehme die Belastungen der Polizei ernst, daher werde die Polizei Schritt für Schritt personell, strukturell und technisch fit für die Zukunft gemacht. Als Sofortmaßnahme zur Technikmodernisierung erhalte sie schon in diesem Nachtragshaushalt 6,3 Millionen Euro. Zur Entlastung zählten aber auch strukturelle Maßnahmen wie flexible Arbeitsbedingungen, die Balance von Familie und Beruf sowie ein umfassendes Gesundheitsmanagement.

Gerhard Klotter habe wohl selbst niemals damit gerechnet, dass seine Schaffensphase als Präsident in Mannheim so schnell enden würde. Es ließen sich nun viele Erfolgsbeispiele, Zahlen und Fakten seines Wirkens aufzählen, aber er greife den größten Erfolg heraus. Diesen habe man erreicht, wenn man spüre, dass Menschen einen ungern gehen ließen. „In Mannheim spürt man, da geht ein hoch geschätzter Chef. Einer, der viel erreicht hat, vor allem eines, die Menschen. Ich freue mich deshalb außerordentlich, dass wir Sie als Inspekteur der Polizei gewonnen haben“, betonte Gall.

Zusatzinformationen:

Gerhard Klotter (56)
1974: nach dem Abitur zur Polizei
1979: Aufstieg in den gehobenen Dienst
1989: Aufstieg in den höheren Dienst
1991 – 1992: Aufbau und Leitung der Landespolizeischule Sachsen
1995 – 1996: Führungsakademie Baden-Württemberg
1997 – 1998: Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Innenministerium
2000: Leiter der Wasserschutzpolizei Baden-Württemberg, Gesamtprojektverantwortlicher für die Modernisierung der Polizeilichen Informations- und Kommunikationssysteme
2007: Nachfolger von Polizeipräsident Knut Feldmann
2011: Inspekteur der Polizei Baden-Württemberg

Caren Denner (49)
1981 – 1987: Studium der Rechtswissenschaften in Mannheim und Freiburg
1990 – 1992: Regierungspräsidium Karlsruhe
1992: Innenministerium Baden-Württemberg
2002 – 2008: Regierungspräsidium Stuttgart, Referatsleiterin Öffentliche Sicherheit, Stellvertreterin des Polizeipräsidenten
2007 – 2010: Führungsakademie Baden-Württemberg
2009 – 2010: Regierungspräsidium Karlsruhe, Abt. 4 (Verkehr)
Dez. 2010: Abt. 8 – Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge

Quelle: Innenministerium Baden-Württemberg

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