Etablierung eines Risikomanagementkonzepts

11. August 2011 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Im Juli haben Experten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) an zwei chinesischen Pilotstandorten Workshops zu den Themenbereichen „Risikoanalyse – Risikobewertung – Anpassung der Notfallplanung“ durchgeführt.

Gemeinsam mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Technischen Hilfswerk (THW) ist das BBK Projektpartner der Volksrepublik China. Ziel ist die effizientere Gestaltung des chinesischen Krisen- und Katastrophenmanagements. Ein Fokus der Zusammenarbeit der beiden Staaten im Bereich des Risikomanagements liegt auf der Anpassung der Nofallplanung, die in der Volksrepublik China auf verschiedenen administrativen Ebenen durchgeführt wird. Basierend auf den Erkenntnissen aus den Risikoanalysen und der anschließenden Bewertung der Risiken, soll der Planungsprozess nachvollziehbar gestaltet werden.

Die Veranstaltungen knüpften unmittelbar an Workshops an, die das BBK im Januar 2011 im Bezirk Jiulongpo der Stadt Chongqing in Zentralchina sowie in den Städten Shenzhen und Heyuan der Provinz Guangdong (Südchina) durchgeführt hat.

In einem ersten Schritt wurde den chinesischen Partnern damals die vom BBK entwickelte Methode für die Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz vorgestellt [ Wissenschaftsforum Band 8 ] und ihre Anwendung praktisch geübt. Die Anwendung einer Risikoanalyse verfolgt das Ziel, das gesamte Spektrum für ein Gebiet bestehender Gefahren auf ihre negativen Auswirkungen hin vergleichbar zu untersuchen und zu quantifizieren. Die Ergebnisse werden anschließend bewertet. Auf dieser Grundlage können Risiken nachvollziehbar behandelt werden indem beispielsweise bestehende Notfallplanungen optimiert werden.

Nach der Veranstaltung im Januar arbeiteten die Experten der Gefahrenabwehrbehörden aus den Pilotregionen zusammen mit Vertretern des National Institute for Emergency Management (NIEM) in Peking an einer Anpassung der deutschen Methode für die Risikoanalyse auf die Belange des chinesischen Bevölkerungsschutzsystems.

Parallel wurden in den Pilotregionen in Arbeitsgruppen die notwendigen Voraussetzungen für die Durchführung der Risikoanalysen geschaffen. Hierzu zählt beispielsweise die Auswahl von jeweils drei Gefahren, für die in den Pilotstandorten Szenarien in drei verschiedenen Ausprägungen entwickelt wurden. Außerdem wurden Schwellenwerte festgelegt für die Klassifizierung von Schäden an Schutzgütern, die durch die in den Szenarien beschriebenen Ereignisse eintreten würden. Für die Erprobung des Verfahrens wurden die Szenarien anschließend einer Analyse unterzogen, so dass für jeden Pilotstandort neun verschiedene Ergebnisse für Risikoanalysen vorlagen.

Die Experten des BBK bewerteten die Anpassung der Methode sowie die Durchführung der Risikoanalysen sehr positiv. Besonders beeindruckte die zielgerichtete Vorgehensweise, die es den chinesischen Partnern erlaubte, innerhalb eines vergleichsweise sehr kurzen Zeitraums die Anpassung der Methode, die Festlegung der Rahmenbedingungen, die Erstellung von Szenarien sowie die eigentlichen Risikoanalysen durchzuführen.

Die deutschen Experten sprachen wesentliche Fragen der Risikobewertung an. Dabei wurden Beispiele aus Deutschland vorgestellt und insbesondere die Rolle der für die Gefahrenabwehr zuständigen Behörden mit den chinesischen Partnern diskutiert. In Arbeitsgruppen übten Vertreter der chinesischen Pilotstandorte die Vorgehensweise bei der Risikobewertung für beispielhafte Szenarien. Es zeigte sich auch hier, dass die theoretisch vorgestellte deutsche Vorgehensweise rasch aufgenommen und auf die chinesischen Verhältnisse angepasst werden konnte.

Schließlich gaben die Vertreter des BBK einen Ausblick auf das weite Themenfeld der Notfallplanung in Deutschland. Zum Abschluss des Workshops in Heyuan konnten die deutschen Experten an einer Exkursion zu der bedeutendsten Wasserkraftanlage der Provinz Guangdong teilnehmen. Der Wasserspeicher dient zugleich als wichtiges Trinkwasserreservoir für die gesamte Provinz.

In einem letzten Schritt des Teilprojektes werden Experten aus Behörden und von Betreibern kritischer Infrastrukturen konkret die Planungsprozesse für ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich vorstellen und mit den chinesischen Partnern über Verbesserungsmöglichkeiten im Risikomanagementprozess diskutieren. Wünschenswert aus Sicht der Partner ist die Etablierung eines standardisierten Verfahrens, welches die Erstellung und Aktualisierung von Notfallplänen erleichtert und die Anwendbarkeit optimiert. Auch bei dieser Veranstaltung wird sich das BBK wieder mit seiner Expertise einbringen.

Quelle: BBK

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