Sterben und Tod

10. August 2011 | Themenbereich: Aktuell | Drucken

In unserer eher kognitiv ausgerichteten Kultur ist der Umgang mit dem Tod ein Thema, das aus dem alltäglichen Leben ausgeklammert wird. Belastungen und Stress gehören allerdings häufig zum privaten und beruflichen Alltag. Beruflicher Alltag gestaltet sich nicht immer gleich.

Sterben und Tod werden immer körperlich durchlebt – Stress
Gerade Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in helfenden Berufen wie der Feuerwehr, der Polizei, in Krankenhäusern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hospiz- und Palliativeinrichtungen befinden sich im Kontakt mit Menschen, die Grenzsituationen durchleben. Dazu gehören auch und insbesondere Begegnungen mit Sterben und Tod – eine herausragende Erfahrung. Gerade diese besondere Form des Stresses, sich täglich mit dem Leben und dem Sterben auseinanderzusetzen, benötigt in einer Welt, in der der Tod oft ausgeklammert wird, besondere Bewältigungsstrategien, die in den Seminaren des Stressbewältigungstrainings beim LAFP NRW thematisiert werden.

Stressreaktionen
Die auf diesen Stress erfolgenden Reaktionen, die im urzeitlichen Sinn auf Leistungssteigerung zum Zweck der Lebenserhaltung ausgerichtet sind, beinhalten eine Vielzahl biologischer Abläufe:

– Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol,

– Freisetzung von Zucker und Fetten als Energieträger,

– Steigerung des Blutdruckes und der Herzfrequenz,

– Muskelverspannung,

– Erhöhung der Atemfrequenz und verstärkte Schweißsekretion,

– Aktivierung des gesamten sympathischen Nervensystems (Teil des vegetativen Nervensystems),

– Reduzierung der Leistungssteigerung entgegenstehender Körperfunktionen, wie Verdauung, Sexualtrieb und Leistungsfähigkeit des Immunsystems, Eingeschränkte Wahrnehmung auf die Situation.

Folgen von Stress
Gerät dieses natürliche Regulativ durch Überlastung in Unordnung, kann die Folge krankheitsfördernde Komponenten beinhalten. Das an sich motivierende und leistungsfördernde System richtet sich nun gegen den Gesamtorganismus. Die Folgen können vielfältig sein und reichen von Unwohlsein bis hin zu schwersten physischen und psychischen Erkrankungen.

Ein zuverlässiges Messinstrument für unseren Stresspegel haben wir immer dabei: unseren Körper!

Leider hören wir aber oft nicht mehr oder nicht rechtzeitig genug auf ihn. Gerade in einem Beruf, in dem man täglich mit dem schlimmsten zu erwartenden Ereignis, dem Sterben und in Folge dem Tod konfrontiert werden kann, sind solche Überbelastungen vorprogrammiert.

Ansatzpunkte: Das Entspannungsrepertoire
Durch die Beeinflussung der Atmung reguliert sich die Funktion des vegetativen Nervensystems, durch die geringere Ausschüttung von Stresshormonen werden Gedankenblockaden beseitigt und die Leistung steigt, Ängste und Überforderungen werden abgebaut, die Muskulatur wird gelockert und dadurch wird chronischen Verspannungen, akuten Muskelverspannungen und -schmerzen vorgebeugt. Es gibt verschiedene Arten der Entspannung wie Ausgleichsaktivitäten, Meditation, Bewegung und Massage sowie gezielte Entspannungsmethoden. Aus der Vielzahl verschiedener Entspannungsmethoden seien hier einige genannt:

Muskuläres Tiefentraining:
Hier wird durch isometrische Übungen in Form von Kurzsequenzen die Wechselwirkung zwischen An- und Entspannung hervorgehoben.

Progressive Relaxation nach Jacobsen:
Ein Mensch der seelisch angespannt ist, ist auch muskulär angespannt. Durch ein gezieltes An- und Entspannen verschiedener Muskelgruppen, gepaart mit dem Einüben, sich im Lernprozess auf die begleitenden Gefühle von Spannung und Entspannung zu konzentrieren und sie zu unterscheiden, ist ein Abbau fast aller Muskelspannungen möglich.

Konzentrative Entspannung:
Dies ist eine Form der suggestiven Entspannung, in der durch Wahrnehmungslenkung tiefe Entspannungsphänomene in einzelnen Muskelgruppen kognitiv gesteuert werden.

Autogenes Training:
Das autogene Training gehört zu den Techniken konzentrativer Selbstentspannung. In Anlehnung an hypnotische Verfahren wird durch Selbstsuggestion eine direkte Beeinflussung des Vegetativums (vegetative Nervensystem) erreicht. Diese Selbstsuggestion erfolgt durch intensive gefühlsbetonte Vorstellungen, die sich auf die Funktion des vegetativen Nervensystems beziehen und auf eine gesamtorganische Ruhigstellung abzielen. Um die Suggestibilität zu fördern, werden die Vorstellungen in Formeln gefasst und auf besonders ansprechbare Organbereiche bezogen (Magen, Herz, Atmung, Gefäßsystem).

Atemübungen:
Schnell und wirkungsvoll sind bestimmte Atemübungen, die vor, während und nach belastenden Situationen effektiv Wirkung zeigen, insbesondere sind sie in Situationen akut wirkungsvoll einzusetzen. Effektives Entspannungstraining sollte nicht in einem Selbstversuch, sondern unter besonderer Anleitung von erfahrenen Trainerinnen und Trainern in verschiedenen Trainingsbausteinen erlernt und vertieft werden.

Stressbewältigung
Gerade für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in helfenden Berufen kommt einer adäquaten Stressbewältigung eine besondere Bedeutung zu. Dabei ist besonders auf die präventive und helfende Wirkung von Entspannungstechniken zu verweisen. Regelmäßig durchgeführte Entspannungsübungen wirken auf eine langfristig günstigere Einstellung des Grunderregungsniveaus ein und haben zur Folge, dass Belastungen besser getragen und bewältigt werden können.

Auch und gerade in der Erwartung besonderer belastender Ereignisse können Entspannungstechniken als Vorbereitung zu einer besseren Situationskontrolle führen. Die Folge ist eine Erhaltung und Erhöhung der Handlungskompetenz in fordernden Situationen. Nach besonders belastenden Ereignissen sind Entspannungsübungen insbesondere dazu geeignet, die gesteigerte Erregung wieder zu senken und damit in eine Homöostase (Selbstregulation) zu gelangen. Sie ist auf Dauer lebens- und leistungsnotwendig.

Quelle: LAFP NRW

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