Unfallbilanz für das erste Halbjahr

8. August 2011 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Verkehr | Drucken

„221 Getötete, 4.191 Schwer- und 17.507 Leichtverletzte im Straßenverkehr, das ist eine ernüchternde Bilanz der ersten sechs Monate“, sagte Innenminister Reinhold Gall bei der Vorstellung der Unfallbilanz des ersten Halbjahres 2011 gestern, 7. August 2011, in Stuttgart.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei die Zahl der Verkehrsunfälle um circa neun Prozent auf 118.932 zurückgegangen (2010: 130.874). Dieses auf den ersten Blick positive Ergebnis verblasse jedoch bei näherer Betrachtung. Die Unfälle mit Verletzten hätten um sechs Prozent von 15.706 auf 16.668 zugenommen und die Zahl der dabei Verunglückten um 4,5 Prozent von 20.968 auf 21.919. „Diese Entwicklung wollen wir durch gezielte Kontrollen gegen die Hauptunfallursachen umkehren“, sagte Gall. Hauptunfallursache sei immer noch überhöhte Geschwindigkeit, gefolgt von Vorfahrtsverletzungen, Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren sowie zu geringer Sicherheitsabstand.

Das Ergebnis der intensiven Geschwindigkeitskontrollen auf den Autobahnen belege den Erfolg gezielter Verkehrsüberwachung. Dort seien nach Einführung der Lasermessgeräte im Jahr 2007 die Unfälle mit Verletzten von 2.242 auf 1.946 im Jahr 2010 zurückgegangen. Bei den durch überhöhte Geschwindigkeit verursachten sei dabei der Anteil von über 60 auf 50 Prozent gesunken.

Ein weiteres Problem sei die Vernachlässigung der Gurtanlegepflicht. „Ich kann nicht verstehen, dass manche Verkehrsteilnehmer ihr Leben so leichtsinnig aufs Spiel setzen. Von 115 Getöteten hatten 33, nahezu 29 Prozent keinen Sicherheitsgurt angelegt, obwohl sie dazu verpflichtet gewesen wären. Dabei kann die kleine Handbewegung vom Gurt zum Gurtschloss bereits bei geringen Geschwindigkeiten Leben retten“, sagte der Innenminister. Die Unfallforschung habe ergeben, dass mit angelegtem Sicherheitsgurt die Überlebenschance um 60 Prozent steige.

In diesem Jahr stehe – neben der Motorradunfälle – auch die Risikogruppe der „Jungen Fahrer“ im Alter zwischen 18 – 24 Jahre im Fokus polizeilicher Maßnahmen. Diese sei im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil von neun Prozent mit mehr als 30 Prozent überproportional am Unfallgeschehen beteiligt. Im laufenden Jahr seien die „Jungen Fahrer“ an nahezu 13.400 Verkehrsunfällen beteiligt gewesen. Gall: „Dabei wurden 7.422 (55,4 Prozent) Verkehrsunfälle alleine durch sie verursacht. 46 Personen im Alter von 18 – 24 Jahren wurden bei diesen Verkehrsunfällen getötet.“ Bezeichnend sei ein schwerer Verkehrsunfall im Juli im Landkreis Ludwigsburg mit drei getöteten Heranwachsenden. Der 18-jährige Fahrer sei viel zu schnell und ohne Führerschein unterwegs gewesen. Dieser Unfall stehe stellvertretend für die bei einzelnen Jugendlichen vorhandene Risikobereitschaft. Über „Grenzen austesten“, „Risikobereitschaft“ und „Verbote missachten“ werde häufig die eigene Persönlichkeit im Fahrzeug definiert. Einsicht komme leider in vielen Fällen erst nach dem Unfall und damit zu spät. „Genau an diesem Punkt setzen wir mit dem Präventionstag „Junge Fahrer“ am 24. September 2011 auf dem Hockenheimring an. In einem abgesperrten Bereich können die „Jungen Fahrer“ die Grenzen der Fahrphysik und des eigenen Könnens hautnah am eigenen Leib erfahren. Ziel ist es, die jungen Menschen durch das eigene Erleben für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren“, sagte der Innenminister.

Verkehrssicherheit sei ein wichtiges Anliegen der neuen Landesregierung. Dabei sei ein vorrangiges Ziel, die Zahl der Verkehrstoten um weitere 40 Prozent bis zum Jahr 2020 zu senken. „Um das zu erreichen, muss die Verkehrssicherheitsarbeit bei der Polizei künftig stärker im Mittelpunkt stehen“, betonte Innenminister Gall.
Quelle: Innenministerium Baden-Württemberg

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