Wie weit weg ist Norwegen?

26. Juli 2011 | Themenbereich: Berlin, Innere Sicherheit | Drucken

Der schreckliche Anschlag in Norwegen, begangen aus Hass auf Muslime, hat hierzulande tiefes Mitgefühl für die Opfer und Abscheu für den Täter erzeugt. Er hat auch die bange Frage aufgeworfen: Wie groß ist die Gefahr bei uns?

Nein, niemand kann sagen, ob in unserer Mitte ein ähnlicher Gewalttäter heranwächst. Doch auch bei uns ist der Boden bereitet, auf dem so jemand seine kruden Rechtfertigungen finden könnte. Die Abwertung und Ausgrenzung von Muslimen ist in den letzten Jahren gesellschaftsfähig geworden. Auf Internetplattformen wie Politically Incorrect dürfen sich Muslimhasser austoben, ohne Angst vor Strafverfolgung haben zu müssen. In ihrer Abwertung von Minderheiten und ihren Aussagen zu Islam und Einwanderern insbesondere aus der Türkei und den arabischen Ländern stehen viele dort veröffentlichte Beiträge in keiner Weise dem nach, was der norwegische Attentäter vertritt, ja der Attentäter war selbst aktiv in dieser Internetszene.

Die Wirkungen dieser Hassbloggerszene auf das gesellschaftliche Klima werden nach wie vor zu sehr verharmlost. Die Internetforen haben sich zu dem zentralen Verständigungsorgan der antiislamischen Szene entwickelt. Hier wird Ausgrenzung und Gewalt der Weg geebnet. Hier ist das Umfeld, in dem „Einzeltäter“ oder Gruppen genauso wie rechtspopulistische Bewegungen Bestätigung und Anstöße für ihr Denken und Handeln finden.

Eine gesellschaftliche Ächtung der Hassblogger ist überfällig – auch als klares Zeichen an die Muslime. Allzu lange wurden sie mit dem Gift, das die Hassblogs verspritzen, allein gelassen. Allzu oft wurden Übergriffe als Einzeltaten abgetan. Das Attentat in Norwegen hat verständlicherweise die Sorgen und Ängste der Muslime verstärkt. Umso notwendiger sind klare Zeichen des Zusammenhalts durch die Mehrheitsgesellschaft, eine klare Absage an antimuslimische Positionen, wo immer sie auftreten.

Am 1. August beginnt der Fastenmonat Ramadan. Es ist im Islam die Zeit, die den Zusammenhalt in der Gemeinschaft stärken solle. Die kommenden Wochen bieten somit die Chance, gemeinsam einzutreten gegen Ausgrenzung von Minderheiten und für eine Gesellschaft, in der sich alle Minderheiten und alle Religionen zu Hause fühlen.

Quelle: Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening