Afghanistan: „Übergabe in Verantwortung hat begonnen“

22. Juli 2011 | Themenbereich: Aktuell | Drucken

Der Deutsche BundeswehrVerband ist ein seriöser und kritischer Top-Gesprächspartner der Bundesregierung sowie Parlament. Das gilt für Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik ebenso wie bei den grundsätzlichen Rahmenbedingungen in der Bundeswehr: So begleitet der stellvertretende Bundesvorsitzende, Major André Wüstner, Außenminister Guido Westerwelle nach Afghanistan, um das Lagebild der politisch Verantwortlichen mit dem der Soldaten vor Ort und mit der afghanischen Regierung abzugleichen. Der Außenminister betonte, dass Afghanistan mit Blick auf 2014 und der in diesem Jahr in Bonn stattfindende internationalen „Afghanistankonferenz“ in den Schwerpunkt rückt.

„Hervorragende Leistungen der deutschen Soldatinnen und Soldaten“

In Afghanistan wurde Westerwelle von internationaler Seite auf die hervorragenden Leistungen der deutschen Soldatinnen und Soldaten hingewiesen. Leider werden die Fortschritte der vergangenen zwei Jahre in der Nordregion – teils errungen in anspruchsvollsten Angriffsoperationen – in der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Doch auch wenn nun zaghaft die „Übergabe in Verantwortung“ beginnt, ist die Lage noch äußerst fragil. „Der Außenminister tut gut daran, jetzt noch keine Zahlen für einen beginnenden Abzug deutscher Kräfte aus Afghanistan zu nennen“, so der stellvertretende Bundesvorsitzende. Ihm sei auch klar, dass es selbst bis 2014 nicht gelingen werde, alle Missstände vor Ort zu beseitigen. „Die Minimierung von Zielsetzungen für Afghanistan hat längst begonnen“, stellte Major Wüstner in Kabul fest.

Einsatz zügig und verantwortungsvoll zu Ende bringen

Für den Deutschen BundeswehrVerband ist klar, dass die internationale Gemeinschaft langsam kriegsmüde wird. Die Soldatinnen und Soldaten im Einsatz wie zu Hause wissen, dass gerade in den ersten Jahren des ISAF-Einsatzes politische Fehler gemacht wurden und wertvolle Zeit verloren ging. Leidtragende waren vor allem die Streitkräfte. „Jetzt kommt es darauf an, dass dieser Einsatz zügig aber verantwortungsvoll und vor allem international abgestimmt zu Ende gebracht wird. Wichtig ist auch, dass Afghanistan eine Perspektive für die Zeit nach 2014 aufgezeigt wird. Weiterhin muss sichergestellt werden, dass sich Deutschland so schnell nicht wieder auf politisch derartig undurchdachte Abenteuer einlässt“, forderte Major Wüstner gegenüber dem Außenminister.

Die Soldaten müssen quantitativ wie qualitativ optimal ausgerüstet werden. Wüstner: „Das BMVg muss endlich sicherstellen, dass bereits in Deutschland am gesamten Einsatzgerät ausgebildet und geübt werden kann.“

Attraktivität steigern

In seinen Gesprächen im Einsatzland stellte Major Wüstner fest: Die Soldatinnen und Soldaten sind in Bezug auf die Neuausrichtung der Bundeswehr sehr skeptisch. Wie in Deutschland wird bezweifelt, dass Minister Thomas de Maizière mit den nach wie vor happigen Sparauflagen in der Lage ist, die Bundeswehr aus der jahrelangen Unterfinanzierung zu führen und gleichzeitig eine Effizienzsteigerung samt einer Erhöhung der personellen Durchhaltefähigkeit für Einsätze sicherstellen zu können. „Wir erwarten die versprochen Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes. Die müssen aber auch in der Schlammzone spürbar ankommen!“, so ein Kompaniefeldwebel in Masar-i-Sharif.

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