„Ich kann einfach nicht mehr!“

21. Juli 2011 | Themenbereich: Aktuell | Drucken

Wer ausgebrannt ist, muss mal gebrannt haben, so sagen die Psychologen und beschreiben z. B. damit das Erleben von Sven Hannawald, Eminem, Ottmar Hitzfeld, Tim Mälzer und vielen anderen Prominenten. Das „Coming-Out“ dieser Leute sorgt für die Platzierung der Thematik in Talkshows und Nachrichtensendungen; doch man muss nicht Supersportler, Superkoch oder Superstar sein, um ein Burn-Out zu bekommen.

Burn-Out – was ist das?
Das sogenannte Ausgebranntsein beschreibt einen Zustand emotionaler Erschöpfung einhergehend mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Es ist die Konsequenz aus einer Entwicklungslinie, die zunächst gekennzeichnet war durch idealistische Begeisterung und hohes Engagement, aber durch frustrierende Ereignisse zur Desillusionierung und Apathie und folglich auch zu Erkrankungen unterschiedlicher Art führen kann.

Burn-Out – eine Krankheit?
Burn-Out ist nach den Kriterien der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der WHO (ICD-10) keine eigenständige Erkrankung, sondern gehört zu den „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen“ und erhöht beträchtlich das Risiko für das Auftreten einer Erkrankung. Dabei handelt es sich um eine totale Erschöpfung auf physiologischer und psychologischer Ebene, die als Folge von lang anhaltendem, nicht zu bewältigendem beruflichen oder privaten Stress angesehen werden muss.

Burn-Out-Spirale (
Die Entwicklung zum Burn-Out lässt sich nach Freudenberg und North (1992) als eine Spirale mit 12 Stufen darstellen. Betroffene beschreiben diesen Weg zunächst als sich langsam entwickelnd und nach und nach immer schneller werdend. Anwachsende Anstrengung, Ermüdung, Selbstzweifel und subjektiv empfundene Misserfolge führen zu Dauerstress ohne Entspannungsphasen.

Burn-Out-Prophylaxe – Was kann ich tun?
Je weiter der Burn-Out-Prozess voran geschritten ist, desto schwieriger wird der Ausstieg bzw. die Umkehrung der Situation. Die sich immer schneller entwickelnde Eigendynamik erfordert immer mehr Kraft. Betroffene sind zudem meist gewohnt, sich stets selbst zu helfen und nicht andere mit in ihre Problemlösung einzubeziehen, was die Situation häufig noch verschlimmert und erschwert. Denn je länger der Prozess andauert, desto schwieriger ist der Ausstieg aus eigener Kraft.

Ein Eingeständnis der Hilflosigkeit wäre allerdings schon der erste Schritt aus der Spirale heraus und ein Zeichen von Stärke. Unterstützung kann man in der Familie, bei Freunden und Kollegen oder bei Beratern finden, die helfen können einerseits zu erkennen, wo und wann die Spirale begonnen hat und andererseits, wie man sich mit der Spirale und nicht wie die Spirale sich mit einem dreht.

Wie geht es mir?
Am wichtigsten ist es, die eigenen Begrenzungen der Leistungsfähigkeit zu erkennen und zu akzeptieren. Die Balance zwischen Anforderung und Entspannung ist dabei von großer Bedeutung. Körperliche, seelische, geistige und soziale Veränderungen und Beschwerden müssen als Anzeichen von Überlastung wahrgenommen werden, die zum Burn-Out führen können. Insbesondere zu hohe Zielsetzungen und unrealistische Glaubenssätze, wie „du musst immer alles schaffen, jeder muss dich mögen, du darfst nie NEIN sagen“ führen zu Versagensgefühlen und Überforderung.

Stressmanagement
Helfen kann ein individuelles Stressmanagement. Ausreichend eingeplante Pausen, Ruhephasen und Bewegung sind gleichsam wie gesunde Ernährung und die richtige Schlafmenge wesentlich für die Burn-Out-Prävention. Ein gutes soziales Netzwerk schützt dabei ebenso wie Ausgleichsaktivitäten und Entspannungstrainings zur Herstellung der Balance zum stressigen Alltag.

Nicht zu vernachlässigen ist die positive Einstellung zu sich und dem Leben. Wir haben viel häufiger als wir denken die Wahl – So kann ich mich beispielsweise über meinen Berliner vom Bäcker ärgern, weil er in der Mitte ein Loch hat, oder aber auch denken: „toll, ich habe einen Doughnut“.

Das verhaltenstherapeutisch geprägte Stressbewältigungsprogramm der Polizei NRW bietet seit mehr als 25 Jahren unseren Fortbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmern die Möglichkeit, individuelle Stressfaktoren zu erkennen, Stressenergie positiv zu nutzen, Erleichterungstechniken einzuüben und langfristige Bewältigungsmittel zu erlernen.

Quelle: LAFP NRW

Quellenverweis:

Burn-Out-Spirale: aus Marx, R. (2004): Burnout in Brosch R. & Mader R.: Sucht und Suchttherapie, Verlag Lexis Nexis ARD Orag

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