Multi-Media im Auto lenkt ab

14. Juli 2011 | Themenbereich: Verkehr | Drucken

Rundfunk, Mobilfunk, CD/MP3-Spieler, Navigation, Internet: Die Komplexität beim Autofahren nimmt zu. Nicht nur der Straßenverkehr fordert immer mehr Aufmerksamkeit – auch das Auto selbst stellt mit einer stetig wachsenden Zahl von Infotainment-Angeboten andauernd neue Herausforderungen an die hinterm Steuer sitzenden Frauen und Männer. Dabei sollten moderne Assistenz- und Kommunikationssysteme im Pkw eigentlich für mehr Sicherheit und Komfort sorgen. Mitunter bewirken sie aber das Gegenteil. Das hat der ACE Auto Club Europa jetzt in einem groß angelegten Test zusammen mit der Universität Salzburg bestätigt gefunden. Wer beispielsweise einen Gesprächspartner aus dem Telefonbuch seiner Mobilfunkanlage auswählt und anruft, benötigt dafür knapp 48 Sekunden; dabei wechselt der Blick 25-mal zwischen Fahrbahn und Display. Während dessen wird bei Tempo 130 eine Strecke von 1 724 Meter zurückgelegt. Insgesamt 25 Sekunden lang wendet sich der Blick von der Fahrbahn ab, was faktisch 900 Meter „Blindflug“ bedeutet – das ist mehr als die Hälfte der Gesamtstrecke!

Für den ACE sind die neuen Erkenntnisse alarmierend. Der Club, der die Ergebnisse des sogenannten HMI-Tests über die Schnittstelle Mensch-Maschine (Human-Machine-Interface, kurz HMI) am Donnerstag in Stuttgart vorstellte, fordert von den Herstellern Nachbesserungen. Sie seien aus Gründen der Verkehrssicherheit dringend geboten.

Rollende Multi-Media-Center

Autos als rollende Multi-Media-Center sind auf dem Vormarsch. Audi, BMW und Mercedes zählen mit ihren entsprechenden Sonderausstattungen zur Avantgarde auf diesem Gebiet. Doch selbst diese Premiumhersteller dürften an Nachbesserungen nicht vorbeikommen, wenngleich deren Multi-Media-Einrichtungen unter Qualitätsgesichtspunkten und in der Bedienerfreundlichkeit derzeit als das Nonplusultra der automobilen Kommunikation gehandelt werden. Denn MMI, iDrive oder Comand – so nennen sich die jeweiligen Sonderausstattungen – lassen sich ohne gewisse Ablenkung vom eigentlichen Fahrgeschehen nicht bedienen oder gar beherrschen, so die Einschätzung des ACE nach Auswertung der Studie.

Bei besagtem Test mit dabei: Der neue Audi A6, der Mercedes CLS und der Fünfer von BMW – allesamt mit Highend-Bediensystemen ausgestattet. Zwölf Testpersonen fuhren die Fahrzeuge im Rahmen einer „klinischen Untersuchung“ unter wissenschaftlicher Beobachtung. Beispielsweise wurde die Blickrichtung und – dauer der Testpersonen mit Hilfe von speziellen Kameras in einem Verfahren namens Eyetracking erfasst. Alle Probanden mussten mehrere verschiedenartige Aufgaben durchführen – Ziel war es herauszufinden, wie leicht sich die Systeme bedienen lassen und wie groß die Ablenkung während der Fahrt ist, wenn der Fahrer sich auf die Straße und gleichzeitig die Bedienung konzentrieren muss.

Testfahrer zeigen sich überfordert

Erschreckend: Bei allen Testanforderungen richtete sich der kontrollierende Blick der Testfahrer länger auf das Display als auf die Straße.

Die Bedienung der Systeme lenkte die Probanden vom eigentlichen Fahren teils extrem ab. Das simple Einstellen des Radiosenders erwies sich dabei ebenso als Hürde wie die anderen Aufgaben, die während der Fahrt gelöst werden mussten.

Auch Aufgaben, die bei Fahrzeugstillstand durchgeführt werden mussten – dazu zählte unter anderem das Einstellen des Navigationsziels mit dazugehöriger Adresse – verursachten bei Testteilnehmern aufgrund der Komplexität der Bedienung gewisse Probleme.

Quelle: ACE

2 Kommentare
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  1. Meiner Meinung nach wird dem zu viel Bedeutung beigemessen. Klinische Tests mit fremder Hard- /Software und verschiedenen unbekannten Aufgaben führen sicherlich zur Überforderung. Für gewöhnlich kennt man sein Gerät, dessen Funktionen und die Knöpfe, sodass man im täglichen Umgang damit handlungssicher wird. Ich nutze gar DVB-T während der Fahrt und fühle mich dadurch nicht wesentlich abgelenkt. Vermutlich nicht mehr, als die Leute, die Frauen hinterher schauen oder sich von der schönen Umwelt beeindruckt zeigen. Ablenkung findet da statt, wo Mensch sich ablenken lässt. Eigenverantwortung gehört sicherlich dazu. Aber wie gesagt, hat man Routine mit seinem Fahrzeug und dem Entertainment, stellt es in meinen Augen kein größeres Risiko dar.

  2. Ich bin der Meinung das Media im Kfz ein erhöhtes Risiko darstellt, insbesondere das Handy spielt eine grosse Rolle.
    Sehe täglich telefonierende Kfz-Führer an mir vorbeifahren(ohne Freisprecheinrichtung).
    Man sollte bei Verkehrsunfällen die auf den ersten Blick unerklärlich erscheinen( z.B. auf gerader Strecke nach Links von der Fahrbahn abgekommen usw.)mal das Handy in Augenschein nehmen (ein-ausgehende Anrufe oder SMS zum Unfallzeitpunkt prüfen) da wird man evtl. fündig nach der Ursache.
    Vor einer Woche habe ich eine Meldung gelesen, (auf gerader strecke,tempo 100 erlaubt)
    Aussage des Fahrers: Habe mein Navi eingestellt und bin Links in den Gegenverkehr geraten.
    Resultat: Rollerfahrer am Unfallort verstorben.

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