Kampagne gegen Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum

14. Juli 2011 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Innere Sicherheit | Drucken

Die Auswirkungen übermäßigen Alkoholkonsums vor allem junger Menschen erlebt die Polizei täglich. Unter Alkoholeinwirkungen sinken die Hemmschwellen, verbale Auseinandersetzungen und Pöbeleien schlagen nicht selten um in Aggression und Gewalt – auch gegen die Polizeibeamtinnen und -beamten.

Für viele Jugendliche gehört Alkohol zum Feiern und Spaß haben dazu, über die gesundheitlichen Folgen und die im Alkoholrausch ausgelösten Gewaltstraftaten sind sie sich dabei oft nicht im Klaren. Um junge Menschen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol zu motivieren und sie für die Risiken exzessiven Trinkens zu sensibilisieren, hat das Landeskriminalamt Baden-Württemberg drei Projekte initiiert. Neben einem neuen Schülerprogramm zur Drogenprävention als Unterrichtsempfehlung für die Klassenstufen 6 bis 9 startet das LKA eine landesweite Kampagne gegen das Komasaufen mit dem Faltblatt „Klarer Kopf oder Blackout. Du entscheidest“ und einer neuen Plakatserie. Die dafür eingesetzten Plakate haben Schülerinnen und Schüler des Kolping-Bildungswerks, Akademie Fellbach, Berufskolleg für Grafik-Design gestaltet. LKA-Präsident Dieter Schneider und Landespolizeipräsident Prof. Dr. Wolf Hamann stellten die Projekte am Donnerstag, 14. Juli 2011 in der Kolping-Akademie Fellbach der Öffentlichkeit vor.

Laut einer deutschlandweiten Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat jeder fünfte männliche und jede vierzehnte weibliche Jugendliche im Alter zwischen 16 und 17 Jahren im Jahr 2010 viermal oder öfter in den letzten 30 Tagen größere Mengen Alkohol getrunken. Erstmals zur Flasche greifen junge Menschen im Durchschnitt vor ihrem 16. Lebensjahr. Die sichtbaren Auswüchse des Alkoholmissbrauches sind Ruhestörungen und Rettungseinsätze, aber auch Straftaten wie Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Raub- und Sexualdelikte bis hin zu Widerstandshandlungen und Gewalt gegen einschreitende Polizeibeamte. LKA-Präsident Dieter Schneider: „Im vergangenen Jahr wurden fast 30 Prozent der von Jugendlichen verübten Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss begangen. In rund zwei Dritteln der Fälle, in denen Polizeibeamte provoziert, beleidigt oder verletzt wurden oder Widerstand gegen polizeiliche Maßnahmen geleistet wurde, waren die Täter alkoholisiert.“ Landespolizeipräsident Prof. Dr. Hammann: „Um solchen Auswüchsen und Folgen des Alkoholmissbrauchs frühzeitig entgegen zu wirken, startet die Polizei die neue Präventionskampagne. Sie ist ein weiterer Baustein unserer bewährten Strategie, deren wichtigster Pfeiler neben konsequentem polizeilichen Einschreiten zielgruppen- und lageorientierte Präventionsmaßnahmen sind.“

Im Mittelpunkt der Präventionskampagne gegen den exzessiven Konsum von Alkohol bei Jugendlichen und Heranwachsenden und den damit verbundenen Folgen stehen fünf Plakate gegen das Komasaufen. Sie wurden von den Schülerinnen und Schülern des Kolping-Bildungswerks, Akademie Fellbach/Berufskolleg für Grafik-Design, im Auftrag der Initiative „Sicherer Landkreis Rems-Murr e.V.“ gestaltet. Die jungen Künstler sind im gleichen Alter wie die Zielgruppe und zeigen mit ihren Arbeiten eindrucksvoll, wie Alkohol Menschen entwürdigen und zerbrechen kann. Die Plakate wurden aus 84 Entwürfen ausgewählt.
Für die landesweite Kampagne stehen 10.000 Exemplare zur Verfügung, die von Schulen, Jugendeinrichtungen oder Vereinen bei den örtlichen Polizeidienststellen abgerufen werden können.

Den problematischen Konsum von Alkohol bei Jugendlichen und Heranwachsenden greift auch das Faltblatt „Klarer Kopf oder Blackout. Du entscheidest“ auf, das in einer Auflagenhöhe von 20.000 Stück bereit gestellt wird. Dessen Inhalte sollen die junge Zielgruppe wachrütteln und zum Nachdenken anregen. Zu dieser Selbstreflexion enthält das Faltblatt den Test „RAFFST DU ES?“, um Motivationen, Gewohnheiten und Risiken im Trinkverhalten bewusst zu machen.

Auch die gerade bei jungen Menschen bedeutsamen illegalen Drogen Cannabis, Amphetamin und Ecstasy werden von der neuen Präventionskampagne gezielt aufgegriffen. Im Jahr 2010 wurden in Baden-Württemberg rund 1.500 Jugendliche und Kinder wegen des Besitzes dieser Drogen in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Cannabisprodukte spielen dabei neben Amphetamin und Ecstasy mit Abstand die größte Rolle bei den illegalen Drogen.

Das tatsächliche Ausmaß des Cannabiskonsums dürfte aber noch weitaus größer sein. Dies legt eine repräsentative Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vom Mai 2011 zum Thema „Der Cannabiskonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2010″ nahe. Demnach haben 5 Prozent der 12 bis 17-Jährigen mindestens einmal in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert. Auf Baden-Württemberg bezogen wären dies rund 38.000 Kinder und Jugendliche! Der Konsum dieser Drogen darf nicht verharmlost werden, Erwerb und Besitz sind strafbar. Die Polizei will deshalb aufklären und vorbeugen.

Dazu wurde ein neues Schülerprogramm zur Drogenprävention als Unterrichtsempfehlung für die Klassenstufen 6 bis 9 erarbeitet und bei der heutigen Veranstaltung vorgestellt. Es dient als Grundlage für altersgerechte polizeiliche Informationsveranstaltungen an Schulen und besteht aus einer PowerPoint-Präsentation und einem Begleitheft. Je nach thematischem Schwerpunkt vor Ort können so zielgruppengerechte und anlassbezogene Vorträge zusammengestellt werden.

Landespolizeipräsident Dr. Hammann und LKA-Präsident Dieter Schneider dankten allen Beteiligten, die zum Gelingen dieser Projekte beigetragen haben, insbesondere den jungen Künstlern der Akademie Fellbach, ganz herzlich für ihr Engagement und ihre Unterstützung.

Bei der Auftaktveranstaltung „Initiative gegen Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum junger Menschen“ erläuterten die jungen Künstler ihre Ideen für die Plakate. Der Oberbürgermeister der Stadt Fellbach, Christoph Palm, die Leiterin der Akademie Fellbach, Silvia Rippa-Louis, Vertreter des Kolping-Bildungswerks und die Initiative Sicherer Landkreis Rems-Murr e.V. würdigten das Engagement der Studentinnen und Studenten und unterstrichen die Bedeutung dieser neuen Offensive gegen Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum.

2 Kommentare
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  1. Ich finde es wirklich total super, dass soviel für Aufklärung bei Jugendlichen getan wird. Wichtig ist es, die Übereinstimmung zu erzeugen, dass Drogen und Alkohol viel viel mehr schadet als „gutes“ tut. Was im einen moment witzig ist, kann ein ganzes Leben im nachhinein zerstören. Die Scientologen leisten übrigens auch hervorragende Drogenprävention. Auf der Seite „DrugFreeWorld“ im Internet, gibt es tolles Hilfsmaterial um Jugendliche über Drogen auf zu klären. Die haben ein gutes Video und kleine Hefte über einzelne Drogen. Also, weiter so. Ich finde das wirklich wichtig.

  2. Die Scientologen ersetzen nur die Droge durch ihre Ideologie. Das Hilft den Betroffenen nicht im geringsten. Selbst wenn es funktionieren sollte ist man danach in den Fängen einer Sekte.

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