Polizeigewerkschaften fordern mehr Personal für die Luftfrachtkontrolle

8. Juli 2011 | Themenbereich: Bundespolizei | Drucken

Die bundespolizeigewerkschaft bgv und der Fachverband Bundespolizei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) fordern deutlich mehr Personal zur Verbesserung der Luftfrachtkontrolle. Nach uns vorliegenden Informationen soll die Bundesregierung sich auf ein Gesamtkonzept geeinigt haben. Danach sind zunächst 247 Stellen, davon 177 Stellen für die Bundespolizei, 66 für das Luft-fahrt-Bundesamt (LBA) und 4 für das Verkehrsministerium durch Beschluss des Haushaltsausschusses freigegeben worden.
Zusätzlich wurden bis zu 203 Planstellen für Polizeivollzugsbeamte bei der Bundespolizei und beim Bundeskriminalamt sowie Planstellen des Grenzzolldienstes, des Zollfahndungsdienstes, des Zollkriminalamtes, bei den Mobilen Kontrollgruppen und bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit entsperrt und somit auch zur Verfügung gestellt.

„Wir begrüßen das als erstes Signal für einen ernsthaften Willen der Bundesregierung zur Verbesserung der Luftfrachtkontrolle“, erklärte hierzu der Bundesvorsitzende der bundespolizeigewerkschaft bgv, Rüdiger Reedwisch. „Die jetzt unzweifelhaft bestehenden großen Sicherheitslücken bei der Luftfrachtkontrolle lassen sich unter diesen Bedingungen auf keinen Fall zufriedenstellend schließen. Der Bundespolizei wird zudem eine bei der Zuweisung von lediglich 177 Stellen unlösbare Aufgabe zugewiesen“, so Reedwisch ergänzend.

Beide Gewerkschaften fordern wenigstens 1000 Kontrollbeamte für die Luftfrachtkontrolle.
Der Vorsitzender der DPolG, Fachverband Bundespolizei, Hans-Joachim Zastrow, fordert darüber hinaus, die Luftsicherheit in eine Hand zu geben. „Das Luftfahrt-Bundesamt hat unseres Erachtens bewiesen, der Aufgabe auf Dauer nicht zuverlässig gewachsen zu sein. Die bestehenden Sicherheitslücken bei der Luftfrachtkontrolle kommen nicht von ungefähr. Die Bundesregierung ist aufgefordert, diese wichtige Sicherheitsaufgabe jetzt gänzlich in die Hände der Polizei zu legen. Den politischen Kompromiss nach dem Motto: „Jeder bekommt ein wenig vom ‘Stellen-Kuchen‘“ tragen wir nicht mit. Hier gilt es, nicht zum Frieden innerhalb der Koalition, sonder für ein Höchstmaß an Luftsicherheit zu entscheiden“, so Zastrow.

Die Aufgabenübertragung ohne ausreichendes Personal lehnen beide Polizeigewerkschaften strikt ab.
„Dann sollen eben Andere das Risiko von Bombenattentaten übernehmen. Die infolge mangelnder Aufgabenkritik vorhandene Arbeitsverdichtung innerhalb der Bundespolizei eskaliert nach der aktuellen Stellenkürzung bereits dermaßen, dass neue Aufgaben nur mit neuem Personal übernommen werden können bzw. bestehende zur Disposition gestellt werden müssen. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen erleiden ein Burnout und erkranken immer häufiger“, stellte der bgv-Chef Rüdiger Reedwisch fest. Und ergänzte: „Wir begrüßen daher auch ausdrücklich den Beschluss des Haushaltsausschusses zur Prüfung durch die Bundesregierung, inwieweit die Möglichkeit der Erhebung einer Luftfrachtsicherheitsgebühr besteht. Damit wäre bei positivem Ergebnis eine teilweise oder auch komplette Finanzierung für den sich aus dem vorliegenden Konzept ergebenden zusätzlichen Sachaufwand für die Wahrnehmung von Aufgaben im Bereich der Luftfrachtsicherheit bei der Bundespolizei gegeben/möglich.“

2 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. Mit der Aufstockung der Stellen in der Luftfracht-Kontrolle ist ein erster Schritt getan. Wichtig wäre es nun, die vorhandene Technik dazuzustellen: mit den vorhandenen Simulationskammern an den Flughäfen wäre die Basis schon vorhanden. Die müssen jetzt modernisiert werden, um z.B. Handy- und GPS-Detektion etc. zu bieten. Moderne Kammern schaffen den kompletten Simulationsvorgang in weniger als 60 Minuten und würden z.B. die Jemen-Bombe sicher detektieren – und dabei Leib und Leben der Kontrolleure schützen!
    Mit der von geplanten Luftfrachtsicherheitsgebühr wäre die Kombination aus weiteren Stellen und modernster Technik refinanzierbar und Deutschland wäre endlich wieder vorn, wenn es um Luftfracht-Sicherheit geht.

  2. Die Diskussion um die Simulationskammern wundert mich schon, hat man erst vor wenigen Jahren die Kammern am Frankfurter Flughafen zurück gebaut.
    Erfahrenes Fraport Personal, wurde aus Kostengründen eingespart und in andere Abteilungen versetzt, die hochmoderne Technik abgebaut. Nun könnte die Technik mit dem passenden Personal für mehr Sicherheit in der Luftfracht sorgen.

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.