Die Angst fährt mit, die Kripo nicht…

8. Juli 2011 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Prävention durch die offene oder verdeckte Präsenz von Polizeibeamten in Verkehrsmitteln des ÖPNV erfolgt welt- und bundesweit seit Jahrzehnten in der Kombination von uniformiert und zivil arbeitenden Polizeibeamten. Die Effektivität dieser dualen Vorgehensweise ist in Praxis und Wissenschaft unstrittig. In Deutschland scheint sich das aber bisher noch nicht herumgesprochen zu haben.

Auch wenn uns die Verantwortlichen mit ihren interpretierbaren Statistiken glauben lassen wollen, dass die Übergriffe und Straftaten in den Verkehrsmitteln des ÖPNV seit Jahren rückläufig sind, weiß jeder, der öfter Bus und Bahn fährt, nicht erst seit den grausamen Vorfällen, wie dem tragischen Fall von Dominik Brunner in München oder dem Fall des im Hamburger Bahnhof Jungfernstieg erstochenen 19jährigen Mel D., dass die Gewaltbereitschaft in Teilen der Bevölkerung spürbar gestiegen ist. Auch die Gefahr durch Terroranschläge von Extremisten in Verkehrsmitteln des ÖPNV hat deutlich zugenommen. Die Angst bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel fährt heutzutage immer mit.

Die Betreiber des ÖPNV stehen in der Pflicht, gemeinsam mit der Landes- und der Bundespolizei, für die Sicherheit der Fahrgäste zu sorgen. Dazu ist zweifelsfrei eine Erhöhung des Sicherheitspersonals unumgänglich. So hat auch z.B. die Stadt Hamburg gerade entschieden, 100 neue Sicherheitskräfte einzustellen, was ca. € 4 Millionen pro Jahr kosten wird. Eine einfache Möglichkeit, die Sicherheit im ÖPNV deutlich zu erhöhen, ist aber viel naheliegender: Die Erhöhung der polizeilichen Präsenz in den Verkehrsmitteln des ÖPNV. Während mittlerweile in jedem Bundesland uniformierte Polizeibeamte den ÖPNV kostenfrei auch für Streifen- oder Botenfahrten und auch für den Arbeitsweg nutzen können, ist dieses den zivilen Einsatzkräften, so auch der Kriminalpolizei, untersagt.

Zivil gekleidete Kriminalbeamte, die sich dann im Bedarfsfall als Polizeibeamte zu erkennen geben und einschreiten, entfalten neben der dadurch schon rein zahlenmäßig erhöhten polizeilichen Präsenz zusätzlich zur bereits möglichen offenen-uniformierten Vorgehensweise erhebliche positive Überraschungseffekte bei der Bevölkerung bzw. den ÖPNV-Nutzern. Sie führen maßgeblich zu einer deutlichen Verunsicherung potentieller Täter bei, da diese jederzeit im ÖPNV auch mit einer für sie nicht erkennbaren Anwesenheit von Polizeibeamten rechnen müssen. Genau aus diesem Grund werden seit Jahren auch die Fahrtausweiskontrollen durch das Zugpersonal sowohl uniformiert als auch zivil durchgeführt.

Das Thema steht seit Jahren auch auf der Agenda der Innenministerkonferenz, wird aber von Jahr zu Jahr ergebnislos vertagt. Man vertrödelt stattdessen Zeit und drückt sich vor einer Entscheidung. Der Leidtragende ist dadurch am Ende mal wieder der Bürger.

Angesichts der einfachen Steigerungsmöglichkeiten von Präsenz und Prävention im ÖPNV und der damit verbundenen unstrittigen Vorteile, sowohl für die ÖPNV-Nutzer als auch für die ÖPNV-Betreiber, gilt es, das Potenzial von ca. 60.000 Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamten in Deutschland zu erschließen und den dadurch erzielten deutlichen Sicherheitsgewinn im Interesse der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land möglichst zeitnah umzusetzen. Man muss es nur wollen.

André Schulz
Stellv. BdK-Bundesvorsitzender

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.