Arbeit und Ausbildung in der Haft

27. Juni 2011 | Themenbereich: Hessen, Strafvollzug | Drucken

Die hessischen Justizvollzugsanstalten beschränken sich keinesfalls auf die Verwahrung der Gefangenen. Vom ersten Tag ihres Aufenthalts werden die Gefangenen auf ihre Rückkehr in die Freiheit vorbereitet. Das Übergangsmanagement steht ihnen bei der Suche nach einer Wohnung, bei Schwierigkeiten in der Familie oder mit dem Partner und ganz besonders bei der Wiedereingliederung auf dem Arbeitsmarkt. Dort sind Fachkräfte sehr gesucht.
„Wir geben Hilfestellung. Wir bemühen uns um jeden Einzelnen. Wir lassen Niemanden zurück. Wir geben Niemanden auf. Die Beamten der Justizvollzugsanstalten leisten hervorragende Arbeit“, sagt Justizminister Jörg-Uwe Hahn.

„Jeder zweite Strafgefangene hat bei Haftantritt keine abgeschlossene Berufsausbildung. Aber bei den meisten ist eine gewisse Arbeits- und Berufserfahrung vorhanden, an die angeknüpft werden kann“, erläutert der Leiter der JVA Darmstadt, Leitender Regierungsdirektor Dieter Heinzmann.

Mit den Nachbarländern Rheinland-Pfalz und dem Saarland engagiert sich Hessen im Südwestverbund für die berufliche Ausbildung und für die Nachqualifizierung für den Arbeitsmarkt. Unterstützt werden die drei Bundesländer durch das Programm „Perspektive Berufsabschluss“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Laufzeit eines Modellversuchs reicht bis zum 31. August 2013. Die Perspektive Berufsabschluss wird vom Bundesbildungsministerium aus Bundesmitteln und von der EU aus Mitteln des europäischen Sozialfonds bis zum Jahre 2013 mit insgesamt 67 Millionen Euro finanziert. „Es ist ein hervorragendes Beispiel, wie deutsche Beiträge an die EU in sinnvolle Projekte auch wieder zurückfließen. Das gemeinsame Europa ist nützlich“, sagt Justiz- und Europaminister Jörg Uwe Hahn.

An dem Projekt INBAS sind die JVAen Darmstadt, Frankfurt III und Frankfurt IV beteiligt. Ziel ist es, dass die Gefangenen so ausgebildet und trainiert werden, dass sie einen anerkannten Berufsabschluss nachholen und in der Lage sind, eine externe Kammerprüfung zu bestehen.

Die Druckvorstufe der JVA Darmstadt bietet sechs Ausbildungsplätze zum Beruf des Mediengestalters und weitere sechs Arbeitsplätze. Die Druckerei selbst bietet 12 Arbeitsplätze, zwei davon sind Ausbildungsplätze mit dem Ziel des Flachdruckers, Weitere Ausbildungsplätze bieten die Industriebuchbinderei und die Handbuchbinderei.

Das JVA-interne Ausbildungszentrum „Holz“ bietet Umschulungen zum Tischler oder zu verwandten Berufen an. Die Abteilung Glas- und Gebäudereinigung führt in 1014 Unterrichtsstunden zu anerkannten Berufszielen. Die Einstiegsqualifizierung um fasst das Reinigen von textilen oder nichttextilen Bodenbelägen, das Reinigen von Glasflächen und Fensterrahmen, das Reinigen und Desinfizieren von Sanitär- und Hygienebereichen.

Das Ausbildungszentrum „Schlosserei“ schult in Kursen von drei, sechs oder neun Monaten in manuellen Arbeitstechniken, Arbeitssicherheit, Anreiss-, Mess- und Prüftechniken in Theorie und Praxis. Die Gefangenen erlernen das Fertigen von Werkstücken nach einer Zeichnung.

„Ganz wesentlich ist, dass wir den Gefangenen die Fähigkeit geben, sich draußen auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Der Wert der Arbeit ist gar nicht hoch genug zu veranschlagen. Wer sein eigenes Geld verdienen kann, erlangt Selbstbewusstsein und Selbständigkeit. Er wird nicht rückfällig. Das ist doch unser Ziel“, sagt Justizminister Jörg-Uwe Hahn.

Zur Info:

Die Justizvollzugsanstalt Darmstadt verfügt derzeit über 645 Plätze für Erwachsene Strafgefangene bis zu einer Vollzugsdauer von 24 Monaten. Davon entfallen 533 auf den geschlossenen und 112 auf den offenen Vollzug.

Die Anstalt bietet 386 Arbeitsplätze für Gefangene. Sie hat 353 Bedienstete. Für Gefangene, die an den Arbeitsangeboten nicht teilnehmen wird im Rahmen der Arbeitstherapie das Erlernen einfacher, handwerklicher Fähigkeiten angeboten, sowie der Umgang mit Werkzeug oder Bastelmateriealien wie Ton, Holz oder Speckstein.

Neben den Ausbildungs- Arbeits- und Nachqualifizierungs-Angeboten bietet die JVA Darmstadt ein umfangreiches Sport- und Freizeitangebot. Denn Sport ist ebenfalls wesentlicher Teil der Resozialisierung. Hier üben die Gefangenen Regeln im Umgang mit anderen. Sie lernen zu gewinnen, zu verlieren, sie üben Toleranz, Hilfsbereitschaft, Leistungswillen, Siegeswillen. Die Anstalt verfügt über eine Sportanlage mit Fußballplatz, Beachvolleyballfeld, Basketballfeld, Fitnessplatz sowie über eine Sporthalle mit einer Fläche von 10 X 20 Metern. Geboten werden regelmäßig Fußball, Badminton, Volleyball, Basketball, Tischtennis, Fitness-Sport und Trimm-Sport.

Die Beamten des Justizvollzuges sind den Gefangenen Vorbild. Sie haben auch einen Sportverein gegründet, den SV Kiefer. Er hat 320 Mitglieder. Besonders beliebt sind Fußball, Laufgruppen, Konditionstraining und Fitness-Training.

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