Neue Wege in der Prävention gegen islamistische Radikalisierung

23. Juni 2011 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Niedersachsen | Drucken

Mit seinem 4. Extremismus-Symposium zum Thema „Salafismus-Radikalisierung-Prävention. Herausforderung für die offene Gesellschaft“ am 23.6.2011 im Regionshaus in Hannover stellte der Niedersächsische Verfassungsschutz die Notwendigkeit der frühzeitigen Prävention von Radikalisierungsprozessen dar. In der gemeinsam mit den muslimischen Verbänden Schura und DITIB veranstalteten Tagung wurde deutlich, wie wichtig die Mitwirkung der muslimischen Verbände bei der Aufklärung über Radikalisierung bei jungen Muslimen ist. Salafistische Propaganda richte sich vor allem an junge Muslime und Konvertiten, so Verfassungsschutzpräsident Hans-Werner Wargel: „Die hier lebenden Muslime sind unsere wichtigsten Verbündeten, wenn es darum geht, das Abgleiten von Jugendlichen in den Islamismus zu verhindern. Deshalb müssen wir gemeinsam mit den Muslimen nach Wegen suchen, Radikalisierungsprozesse zu unterbinden“.

Verfassungsschutzpräsident Wargel konnte Avni Altiner als Vorsitzenden der Schura Niedersachsen und Emine Oguz als Landeskoordinatorin des Landesverbandes von DITIB begrüßen und hob die neue Form dieser Zusammenarbeit hervor: „Wir setzen damit sehr bewusst ein Zeichen der Kooperation, ja mehr noch: Ein klares Zeichen des Bekenntnisses zur Demokratie. Wir wollen verhindern, dass vor allem junge Leute Opfer extremistischer Verführer werden.“

Zu dem Symposium in Form eines moderierten Podiumsgesprächs hatte der Niedersächsische Verfassungsschutz weitere Expertinnen und Experten geladen. In seinen einführenden Thesen bezeichnete Prof. Dr. Rauf Ceylan von der Universität Osnabrück die zeitgemäße Ausbildung der Imame als Baustein einer fundierten Prävention. In der Imamausbildung ist die Universität Osnabrück bundesweit Vorreiter.

Claudia Dantschke vom Zentrum Demokratische Kultur in Berlin berichtete über konkrete Präventionskonzepte mit muslimischen Jugendlichen als Teil einer Antiradikalisierungsstrategie. Dr. Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Kenner des Nahen Ostens und des islamistischen Terrorismus, sprach über die Vernetzungen des Islamismus in einer globalisierten Welt.

Beispiele gelungener Integration von muslimischen Jugendlichen in Bremen zeigte der Rechtsanwalt und Kommunalpolitiker Dr. Oguzhan Yazici auf. Bereits bei einer Experten-Anhörung des Verfassungsschutzes zur islamistischen Radikalisierung im Mai hatte Innenminister Uwe Schünemann darauf hingewiesen, dass ein gesamtgesellschaftlich verankertes Präventionsnetzwerk zur Anti-Radikalisierung für eine ganzheitliche Anti-Terror-Strategie von zentraler Bedeutung sei: „Die Radikalisierungsprozesse finden immer häufiger in Deutschland, mitten in unserer Gesellschaft statt. Häufig handelt es sich dabei um junge Muslime, die gut integriert und sozial eingebunden sind“, warnte der Minister.

Es sei wichtig, die jungen Muslime darüber aufzuklären, wie es wirklich in Terror-Camps aussehe. Aber auch über die Vielfalt des Islam und die guten Chancen, die junge Muslime in einer freien Gesellschaft hätten, gelte es aufzuklären. Besonders an die zahlreichen jungen muslimischen Gästen unter den 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Symposiums gerichtet, sagte Verfassungsschutzpräsident Wargel: „Junge Muslime haben in diesem Land große Chancen, frei zu leben und sich zu entwickeln. Sie haben die Möglichkeit auf Bildung und Aufstieg. Aber es liegt auch an diesem Land, sein Versprechen auf Bildung und Aufstieg für alle einzuhalten. Ausgrenzung und Ablehnung sind der falsche Weg.“

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