Jeder Achte hat ein Punktekonto in Flensburg

23. Juni 2011 | Themenbereich: Verkehr | Drucken

Deutschlands Raser, Trinker und Rotlichtsünder haben einen zweifelhaften Rekord aufgestellt: Noch nie seit der Einführung des Mehrfachtäter-Punktsystems im Jahr 1974 waren im Verkehrszentralregister des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) so viele Verkehrsteilnehmer in der Bundesrepublik mit Einträgen verzeichnet. Die Zahl der mit Punkten behafteten Personen stieg demnach bis Anfang 2010 auf knapp neun Millionen; alleine in den vorherigen zehn Jahren betrug der Anstieg 33 Prozent.

Aus einer vom ACE Auto Club Europa am Donnerstag in Potsdam veröffentlichten Studie geht weiter hervor, dass heute insgesamt jeder achte strafmündige Einwohner der Bundesrepublik wegen schwerer Verkehrsvergehen in Flensburg gespeichert ist. Allerdings ist der Anteil der Punktesammler je nach Bundesland unterschiedlich hoch. Ob der Grund dafür in einer möglicherweise verschiedenartigen Verkehrsmoral liegt oder in der unterschiedlichen polizeilichen Kontrolldichte zu suchen ist, muss laut ACE zunächst offen bleiben.
Eine von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) Ende April ins Spiel gebrachte Reform des Flensburger Punktesystems betrachtet der ACE mit gewisser Skepsis. „Gegen mehr Transparenz und eine Vereinfachung haben wir nichts einzuwenden, doch jede Änderung muss sich daran messen lassen, ob sie tatsächlich zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr beiträgt“, sagte ACE-Verkehrsrechtsexperte Volker Lempp.

ACE veranstaltet Juristen-Treffen in Potsdam
Der ACE veranstaltet vom 24. bis 25. Juni 2011 seinen 3. Verkehrsrechtstag in Potsdam, wo sich rund 170 Verkehrsrechtsanwälte unter anderem mit der Weiterentwicklung des Straßenverkehrsrechts befassen wollen. Zu dem zweitägigen Kongress (Kongresshotel Potsdam an Templiner See, Am Luftschiffhafen 1, 14471 Potsdam) wird auch der turnusmäßig amtierende Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz des Bundes und der Länder, Jörg Vogelsänger (SPD) erwartet (24. Juni, 15.00 Uhr); er ist zugleich Infrastrukturminister des Landes Brandenburg.

Punktesünder im Länderranking

Überdurchschnittlich viele Punktesünder sind der ACE-Studie zufolge in Nordrhein-Westfalen beheimatet, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg (siehe ACE-Info-Grafik) Verkehrsteilnehmer in Schleswig-Holstein und Thüringen dagegen sammelten die wenigsten Punkte – das größte Wohlverhalten jedoch herrscht auf den ersten Blick auf den Straßen des Saarlands. Allerdings, so gibt der ACE hier zu bedenken, ist die Kontroll- und Ahndungsintensität an der Saar möglicherweise nicht so ausgeprägt wie in anderen Bundesländern. Bei früheren Verkehrsstudien des Clubs hatte das Saarland regelmäßig weniger gut abgeschnitten. 2009 verzeichnete das Saarland mit mehr als 7 Prozent bundesweit den höchsten Zuwachs an Punktesündern.

Männer erweisen sich nach der Auswertung der Zahlen als deutlich eifrigere Punktesammler als Frauen. Während bundesweit jeder fünfte männliche Verkehrsteilnehmer im Verkehrszentralregister eingetragen ist trifft dies nur auf jede 18. Frau zu. Annähernd die Hälfte der mit Punkten belegten Ordnungswidrigkeiten und Straftaten wurden von Angehörigen der Altersklasse zwischen 25 und 44 Jahren verübt. Relativ gering fällt dagegen der Anteil der jugendlichen Verkehrsteilnehmer bis 20 Jahren aus – neben dem noch geringen Motorisierungsgrad wirken sich hier offenbar die Restriktionen für Fahranfänger aus. Ebenfalls weit unter dem Mittelwert rangiert die Anzahl der Einträge von Personen, die älter sind als 65 Jahre. Mit Abstand die meisten geahndeten Vergehen gingen auf das Konto von Rasern. Beinahe ein Drittel der Einträge erfolgte nach gravierenden Geschwindigkeitsüberschreitungen, gefolgt von Vorfahrtverletzungen und Alkohol im Straßenverkehr.

Quelle: ACE

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