Bekämpfung der IuK-Kriminalität muss intensiviert werden

16. Juni 2011 | Themenbereich: Kriminalität, Niedersachsen | Drucken

„Cyber-Kriminelle nutzen die Informations- und Kommunikationstechnologie und speziell das Internet als Einfallstor für gefährliche Angriffe aus den Tiefen des Netzes und richten dabei enormen Schaden an. Hinter diesen Angriffen stehen häufig kriminelle Netzwerke und Organisatoren, die hochprofessionell und innovativ über Staatsgrenzen hinweg nach marktwirtschaftlichen Prinzipien zusammenwirken und nur selten digitale Spuren ihrer persönlichen Identität hinterlassen“, sagte der Niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann am Donnerstag in Hannover.

Eine erhebliche Gefahr für den Staat und die Gesellschaft stellen dabei spezielle Delikte der Informations- und Kommunikationstechnologie- Kriminalität dar. Vor allem organisierte oder bandenmäßige Tätergruppen gefährden kritische Infrastrukturen, staatliche Institutionen, die Wirtschaft oder eine Vielzahl von Personen. Bei dieser Kriminalitätsform setzen die Kriminellen zur Tatbegehung neben Verschlüsselungs- und Anonymisierungssoftware häufig komplexe Schadsoftware ein und nutzen in Einzelfällen sogar Botnetze (Netzwerke von zahlreichen per Schadcode infizierter Computer ohne Wissen ihrer Besitzer). Beispielhaft ist die Implementierung eines Botnetzes zur Durchführung von DDoS-Attacken (Auf Befehl rufen befallene „Zombie PCs“ innerhalb kürzester Zeit immer wieder eine nicht existente Seite auf den Webservern der angegriffenen Firmen auf, bis diese unter Last zusammen brechen) zu nennen, um digitale Schutzgelder zu erpressen.

Die sogenannte Underground Economy, ein globaler virtueller Marktplatz für z. B. gestohlene digitale Identitäten oder auch kompletter krimineller Infrastrukturen, hat sich zu einem boomenden Geschäftszweig in Deutschland für Cyberkriminelle entwickelt.

Mit 5.694 Fällen hat die IuK-Kriminalität im engeren Sinne1 2010 einen Höchststand erreicht und ist signifikant um 31,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Besonders hervorzuheben ist der Deliktsbereich Ausspähen und Abfangen von Daten mit einer Zuwachsrate von 86,01 Prozent von 1.415 auf 2.632 Fälle. Dabei ist Phishing im Zusammenhang mit Onlinebanking nach wie vor ein wesentlicher Bekämpfungsschwerpunkt. Seit März 2011 bearbeitet die Zentralstelle Internetkriminalität des Landeskriminalamtes in einer Ermittlungsgruppe mit Unterstützung durch weitere Fachdienststellen zur IuK-Bekämpfung eine Serie von digitalen Erpressungsfällen unter Einsatz eines komplexen Schadprogramms, das unter der Bezeichnung „Ransomware“ bekannt geworden ist.

„Dieses Verfahren verdeutlicht, dass der Innovation und der Professionalität der Täter eine noch höher spezialisierte Landespolizei entgegengesetzt werden muss, um diese Kriminalitätsform wirksam zu bekämpfen. Insbesondere wenn organisierte und bandenmäßige Strukturen vorhanden sind oder erhebliche Gefährdungsmomente für staatliche oder wirtschaftliche Institutionen oder die Gesellschaft vorliegen. Vor diesem Hintergrund ist bereits die polizeiliche Präventionsarbeit im Bereich IuK-Kriminalität durch eine landesweite Schwerpunktsetzung 2011 ausgebaut worden“, so Schünemann.

Schünemann machte deutlich, dass es unerlässlich ist, die Bekämpfung der organisierten/ bandenmäßigen IuK-Kriminalität in den Zentralen Kriminalinspektionen zu intensivieren. Daher werde das dort vorhandene Ermittlungspersonal nochmals deutlich verstärkt. Die Erhöhung der Personalsockel der ZKI´en um jeweils sechs Dienstposten ist insbesondere für die IuKBekämpfung vorgesehen, zum Teil auch für die ebenfalls zu intensivierende Bekämpfung der Strukturellen Korruption. Die Zentralstelle Internetkriminalität des Landeskriminalamtes wird ebenfalls um weitere sechs Dienstposten verstärkt.

Die Flächenpräsenz in den Polizeibehörden bleibt unangetastet. Das Personal wird sich u. a. aus Umstrukturierungsmaßnahmen des LSKN und aus Personalverlagerungen aus verschiedenen Bereichen der Kriminalitätsbekämpfung rekrutieren. Exemplarisch ist der seit Jahren anhaltende Trend sinkender Fallzahlen bei den Diebstahlsdelikten zu nennen, der einen angepassten Personalabzug erlaubt.

Darüber hinaus werden Absolventen der Polizeiakademie – mit Schwerpunktstudium Ermittlungen – verstärkt auch in diesem Bereich eingesetzt. „Niedersachsen geht konsequent seinen richtigen, zukunftsweisenden Weg in Fragen der Inneren Sicherheit. Das Thema IuK-Kriminalität wird ein weiter wachsendes Problem für die Sicherheitsbehörden darstellen und permanente Anpassungen erfordern. Zunehmend geraten Cloud-Computing, Smartphones und Tablett-PC´s in das Zielspektrum der Cyberkriminellen“, sagte Innenminister Schünemann in Hannover.

1 Umfasst alle Straftatbestände, in deren Tatbestandsmerkmalen Elemente der Informationstechnologie enthalten sind

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.