Auslastung des offenen Vollzugs in der JVA Wriezen deutlich gestiegen

8. Juni 2011 | Themenbereich: Brandenburg, Strafvollzug | Drucken

In der brandenburgischen Jugendstrafvollzugsanstalt Wriezen wird immer mehr Gefangenen eine Unterbringung im offenen Vollzug ermöglicht. Während die 30 Plätze im offenen Vollzug der JVA Wriezen derzeit zu fast 37 Prozent belegt sind, betrug die Auslastungsquote vor der Amtszeit von Justizminister Dr. Volkmar Schöneburg oftmals null bis zehn Prozent. Die Chancen auf eine erfolgreiche Resozialisierung haben sich damit deutlich verbessert. Die brandenburgische Landesverfassung benennt die soziale Integration als wesentliches Ziel des Vollzuges.

Aus Anlass einer Podiumsdiskussion des Landesverbandes Brandenburg der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen e.V. zum Thema „Offener Vollzug im Jugendstrafbereich“ am Mittwoch, 8. Juni 2011, in Cottbus erklärt Minister Dr. Schöneburg: „Die Rückfallquote im Jugendstrafbereich liegt in Deutschland bei nicht hinnehmbaren 78 Prozent. Dieses Problem ist nur lösbar, wenn die jungen Gefangenen mit einer klugen Überleitungsstrategie schrittweise auf die Freiheit vorbereitet werden. Vollzugslockerungen, Hafturlaube und der offene Vollzug sind hierbei von herausragender Bedeutung. Wir müssen den Jugendstrafvollzug so organisieren, dass wir den jungen Menschen die Chance auf ein geordnetes Leben in Freiheit nicht verbauen. Das sind wir nicht nur ihnen schuldig; wir können auf diese Weise auch verhindern, dass es neue Opfer gibt. Wir müssen den Weg zu einem humaner ausgestalteten Strafvollzug einschlagen.“

Gegenüber dem geschlossenen bietet der offene Vollzug den Vorzug, dass die Gefangenen unter Bedingungen untergebracht werden, die von denen in Freiheit am geringsten abweichen. Dass eine totale Institution wie der geschlossene Vollzug im Hinblick auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft mehr schadet als nützt, ist wissenschaftlicher Konsens. Empirisch erwiesen ist auch, dass die Chancen auf ein straffreies Leben am besten sind, wenn die Gefangenen aus dem offenen Vollzug entlassen werden.

Eine großzügige Gewährung von Vollzugslockerungen bis hin zum offenen Vollzug korrespondiert auch mit der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, wie Justizminister Dr. Schöneburg mit Verweis auf die Entscheidung zur Verfassungsmäßigkeit des Jugendstrafvollzugs von 2006 betont. Ebenso sehen die Europäischen Strafvollzugsgrundsätze von 2006 verschiedene Arten von Urlaub vor, die „integrierter Bestandteil des allgemeinen Vollzugs sind“. Zudem soll nach dem Strafvollzugsgesetz von 1976 der offene Vollzug die Regelvollzugsform sein.

Ein klug konzipiertes Übergangsmanagement bedeutet kein Sicherheitsrisiko.

Schöneburg: „Missbräuche von Vollzugslockerungen sind in Brandenburg extrem selten. Und wenn sie einmal vorkamen, waren sie von eher geringerer Bedeutung. Dies ist auch ein Ausweis für die Professionalität und das Verantwortungsbewusstsein der Vollzugsbediensteten, die die Persönlichkeitsentwicklung der Gefangenen zutreffend beurteilen können. Daran dürfte sich nach menschlichem Ermessen wenig ändern, wenn wir verantwortungsvoll mehr offenen Vollzug wagen.“

1 Kommentar
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  1. Das sich ein Land damit brüstet, dass es bei der geringen Anzahl von Haftplätzen einen Auslastungsgrad im offenen Vollzug von fast 37 % erreicht, zeigt nur auf welchem kriminologischen Niveau sich die Diskussion über den Strafvollzug dort bewegt.
    In NRW sind die rund 4000 Haftplätze im offenen Vollzug zu 90 % belegt, allein die JVA Bielefeld- Senne hat bei über 1700 Haftplätzen im offenen Vollzug eine Auslastung von über 92 %.

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