Ratgeber für Richter und Staatsanwälte

7. Juni 2011 | Themenbereich: Hessen, Justiz | Drucken

Wenn schwere Verbrechen die Menschen ratlos machen, fragen sie nach dem Warum und nach Erklärungen. Die Medien suchen dann meist den Rat von Professor Dr. Rudolf Egg. Er ist der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle e. V. („KrimZ“), die am Montag ihren 25. Geburtstag feierte. Die KrimZ hat ihren Sitz in Wiesbaden. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der 16 Bundesländer und des Bundes. Die Idee war, dass die im Rahmen von Strafverfahren gewonnenen kriminologischen Erkenntnisse ausgewertet und dokumentiert werden.

Der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn in seinem Grußwort: „Sie ist die einzige deutsche Justizeinrichtung, die sich praxisnah, kontinuierlich und länderübergreifend der justizbezogenen, kriminologischen Forschung und Dokumentation widmet.“ Hahn zitierte aus einem Beschluss der Justizministerkonferenz vom Juni 2005: „Die von der KrimZ geleistete Arbeit ist durch andere Einrichtungen in diesem Umfang und in dieser Qualität zu vergleichbaren Kosten nicht zu leisten.“ Die KrimZ hat einen Jahresetat von insgesamt 625.000 Euro, den sich Bund und Ländern teilen.

Für die KrimZ wie für die Kriminologie insgesamt sind in der Regel Statistiken und wissenschaftliche Untersuchungen zentrale Erkenntnisquellen. Manchmal sind es aber auch einzelne Kriminalfälle, die zu neuen Einsichten und Empfehlungen für die Justizpraxis führen. So analysierte Professor Egg vor einigen Jahren anhand der Strafakten einen Wiesbadener Fall aus dem Jahre 1986, bei dem ein damals neunjähriger Junge entführt und drei Monate lang gefangen gehalten und sexuell missbraucht wurde, bis er schließlich durch Zufall wieder befreit werden konnte. Nach Verbüßung seiner siebenjährigen Freiheitsstrafe tauchte der Täter zunächst unter und entführte bald darauf wieder, diesmal in Mainz, auf nahezu identische Weise einen zweiten Jungen. Dieser Fall, so Egg, zeigt, wie wichtig es ist, den Strafvollzug und den Übergang in die Freiheit sinnvoll zu gestalten, damit solche schwerwiegenden Wiederholungstaten verhindert werden können.

Von Gerichten wird Professor Egg gern als psychologischer Sachverständiger gerufen. Diese Rolle der Experten untersucht die KrimZ zur Feier ihres Geburtstags mit einem wissenschaftlichen Austausch an der Schnittstelle zwischen Medizin und Strafjustiz. Thema ist die psychologisch-psychiatrische Begutachtung in der Strafjustiz. Sie spielt bei der vom Bundesverfassungsgericht verlangten Neugestaltung der Sicherungsverwahrung eine besondere Rolle.

Justizminister Hahn: „Welche Bedeutung den Sachverständigen im Strafverfahren zukommt, zeigt sich u. a. daran, dass sie von manchen nicht nur als ‚Helfer des Gerichts‘, sondern sogar – wenn auch unzutreffend – als ‚Richter in Weiß‘ bezeichnet werden. Nur wenn man gewissermaßen die gleiche ‚Sprache‘ spricht oder zumindest die ‚Sprache‘ des ‚Anderen‘ versteht, wird man zu sachgerechten Ergebnissen kommen. Diesem Ziel, eine gemeinsame ‚Sprache‘ zu finden, dient diese Tagung.“

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