Loveparade: Neue Vorwürfe

15. Mai 2011 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Nordrhein Westfalen | Drucken

Nach Informationen des WDR gibt es rund zehn Monate nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten in Duisburg neue Hinweise auf Fehler der Polizeiführung. Das berichtet „Der Spiegel“.

Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf einen rund 400 Seiten starken Bericht der Staatsanwaltschaft Duisburg vom Januar 2011. Den Ermittlungen zufolge sollen im Zugangsbereich des Partygeländes, wo Zehntausende Besucher durch einen engen Tunnel geführt wurden, lediglich zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei zur Sicherung eingeplant worden sein, die sich am Nachmittag der Technofeier ablösen mussten. Dieser Schichtwechsel war dem Bericht zufolge notwendig geworden, nachdem das Düsseldorfer Innenministerium wenige Wochen vor der Loveparade per Erlass bestimmt hatte, die Dienstzeit der eingesetzten Beamten auf maximal zwölf Stunden zu begrenzen. Die Beamten hätten einige Zeit gebraucht, bis sie sich an ihrem neuen Einsatzort orientiert hätten

Die Änderung des Einsatzbefehls sorgte demnach polizeiintern für scharfe Kritik. Aus Aktenvermerken gehe hervor, dass vor der Loveparade wiederholt vor den Konsequenzen eines Schichtwechsels gewarnt wurde, heißt es in dem Bericht. Genau diese Probleme seien später auch eingetreten. Denn schon während des Schichtwechsels sei die Lage im Zugangsbereich eskaliert. Erst mehr als eine Stunde später habe die Polizei den ungebremsten Zulauf in den Tunnel stoppen können, der letztlich zu der tödlichen Massenpanik geführt hatte.

Zudem soll die Polizei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge größere Kommunikationsprobleme als bislang bekannt gehabt haben. Immer wieder, so erklärten Beamte bei Vernehmungen, seien am Tag der Loveparade ihre Funkgeräte ausgefallen. Auch mit dem Handynetz habe es große Probleme gegeben. Eine Vorrangschaltung für die Polizeihandys habe offensichtlich nicht funktioniert.

„Die Opfer und Angehörigen wollen Klarheit über die Ursachen der Katastrophe bei der Loveparade. Das wollen wir auch. Deshalb unterstützen wir die Staatsanwaltschaft in vollem Umfang bei ihren Ermittlungen“, sagte Ludger Harmeier, Sprecher des NRW-Innenministeriums. „Um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu beeinflussen, werden wir uns öffentlich äußern, wenn das endgültige Ergebnis vorliegt. Wir haben unmittelbar nach der Katastrophe die Öffentlichkeit über die uns bis dahin vorliegenden Fakten informiert. Darum geht es erneut in der aktuellen Berichterstattung.“

Innenminister Jäger geht es vor allem darum, zukünftig solche lebensgefährlichen Situationen wie bei der Loveparade weit im Vorfeld zu vermeiden. „Ohne Zustimmung der Polizei darf es keine Großveranstaltungen mehr geben“, betonte Harmeier.

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