Positiver Trend bei Jugendkriminalität

3. Mai 2011 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Kriminalität | Drucken

„Der rückläufige Trend bei der Jugendkriminalität hat sich im Jahr 2010 fortgesetzt, und wir verzeichnen den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1997. Der Rückgang bei den Straftaten wurde mit einer auf Dauer angelegten Strategie realisiert. Diese muss auch zukünftig konsequent verfolgt werden.“ Das sagte Innenminister Heribert Rech zum Jahresbericht 2010 zur Jugendkriminalität und Jugendgefährdung des Landeskriminalamtes am Dienstag, 3. Mai 2011, in Stuttgart.

Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren sei im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent von 65.876 auf 63.952 gesunken, im Zehnjahresvergleich sei sogar ein Rückgang um 10,8 Prozent zu verzeichnen (2001: 71.715). Hervorzuheben sei dabei vor allem auch die Entwicklung der Tatverdächtigenbelastungszahl[1], die im letzten Jahr um 1,5 Prozent auf 4.143 und im Zehnjahresvergleich sogar um 9,5 Prozent zurückgegangen sei.

Die Tatverdächtigenbelastungszahl liege bei den nichtdeutschen jungen Tätern mit 8.294 um mehr als das Doppelte über der Zahl der deutschen Täter (3.502). Männliche Tatverdächtige unter 21 Jahren seien (5.925) nach wie vor mehr als zweimal so häufig auffällig geworden wie weibliche Verdächtige (2.267). (Anmerkung: Die Tatverdächtigenbelastungszahl ist die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen, errechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils, jedoch ohne Kinder unter acht Jahren)

Die positive Entwicklung der Jugendkriminalität spiegle sich auch in einem Rückgang der jugendtypischen Delikte wie Körperverletzung um 3,5 Prozent auf 14.542, Diebstahl 24.576 (-1,5 Prozent), Gewaltkriminalität 8.301 (-4,8 Prozent) oder Sachbeschädigung 7.278 (-10,8 Prozent) wider. Bei Raubdelikten sei dagegen ein Anstieg auf 1.385 (+ 9,1 Prozent) zu verzeichnen. Trotz dieses Anstiegs liege die Zahl der unter 21-jährigen Tatverdächtigen bei den Raubdelikten jedoch weiterhin unter dem Niveau von vor zehn Jahren (2001: 1.560).

Erfreulich sei der erneute Rückgang der Jugendgewalt um rund fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 8.301, die Zahl der unter 21-jährigen Gewalttäter bewege sich nun wieder auf dem Niveau des Jahres 2001. Zudem sei ein Rückgang der Gewaltdelikte an Schulen um 9,5 Prozent auf 1.214 (2009: 1.342) festzustellen. „Jugendgewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und muss auch so angegangen werden. Erfolgversprechend ist dies folglich nur dann, wenn die polizeilichen Anstrengungen im Schulterschluss mit Eltern, Erziehern, Lehrkräften und anderen Akteuren intensiv fortgeführt werden. Der erneute Rückgang der Gewaltdelikte an Schulen ist für mich dabei ein Beleg für die überaus erfolgreiche Netzwerkarbeit von Schule und Polizei bei der Gewaltprävention“, sagte Rech.

Bewährt habe sich die verstärkte Konzentration auf Mehrfach- und Intensivtäter sowie auf sogenannte Schwellentäter (Anmerkung: Jungtäter, die Gefahr laufen, in eine kriminelle Karriere abzudriften). So könne bereits frühzeitig ein Abgleiten in kriminelle Karrieren durch polizeiliche und vernetzte Interventionsmaßnahmen entgegengewirkt werden. „Die Konzentration auf diesen Personenkreis beruht auf der kriminologischen Erkenntnis, dass eine zeitnahe und konsequente Reaktion den höchsten erzieherischen Effekt erzielt. Die Möglichkeit, positiv auf die Jugendlichen einzuwirken, ist wesentlich größer, als bei bereits verfestigtem kriminellen Verhalten“, sagte Innenminister Rech.

Momentan gebe es landesweit mit 405 Schwellentätern und 421 Intensivtätern im Initiativprogramm. Die Anzahl der Intensivtäter sei seit 2002 kontinuierlich zurückgegangen (Anmerkung: 2002: 935 erfasste Intensivtäter). Dies könne als starkes Indiz für die Wirksamkeit der Konzeption gewertet werden, zumal die Kriterien für die Aufnahme in das Programm unverändert geblieben seien. Während bei Schwellentätern noch große Hoffnung auf Besserung bestehe, gelte dies bei Intensivtätern nicht uneingeschränkt. Von den im Jahr 2010 aus dem Initiativprogramm entlassenen Intensivtätern ließen 43 Prozent eine deutliche Verhaltensänderung erkennen und seien über einen längeren Zeitraum nicht mehr auffällig geworden. Allerdings seien auch 15 Prozent deshalb aus dem Programm genommen worden, weil sie eine längerfristige Haftstrafe anzutreten hatten.

Auch im vergangenen Jahr sei erneut nahezu jeder dritte junge Täter (29 Prozent) bei Gewalttaten unter Alkoholeinfluss gestanden. Die Zahl der alkoholisierten jungen Gewalttäter sei um 5,5 Prozent zurückgegangen.

Um Gewaltdelikte junger Menschen schon im Vorfeld zu verhindern, habe das Innenministerium bereits im Frühjahr 2010 das Förderprogramm „Prävention alkoholbedingter Jugendgewalt“ initiiert. Dieses werde von der Baden-Württemberg Stiftung in den nächsten drei Jahren mit einer Million Euro unterstützt. Mit diesem Programm sollen örtliche Netzwerke (beispielsweise zwischen Jugendhilfe, kommunalen Suchtbeauftragten, Polizei und Vereinen) initiiert, gefördert und bei der Durchführung eines entsprechenden Präventionsprojekts unterstützt werden. Zielgruppen seien Jugendliche und Heranwachsende im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, die unter Alkoholeinfluss wegen Gewaltdelikten oder als Verkehrsteilnehmer straffällig wurden oder bei denen dies in zeitlicher Nähe zu erwarten sei. Das Förderprogramm werde wissenschaftlich begleitet und nach anerkannten Standards umfassend evaluiert.

Als weiterer Baustein zur Verhinderung von alkoholbeeinflusster Jugendgewalt seien im Jahr 2010 erstmals jugendliche Testkäufer in Abstimmung zwischen den Kommunen und der Polizei zur Überwachung der Jugendschutzbestimmungen eingesetzt worden. Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen. Bei mehr als der Hälfte der 270 Testkäufe seien Verstöße gegen die Jugendschutzbestimmungen, besonders im Zusammenhang mit dem Verkauf alkoholischer Getränke oder Zigaretten festgestellt worden. „Vor allem dem Handel und Gaststättengewerbe kommt bei der Einhaltung jugendschutzrechtlicher Bestimmungen, besonders durch entsprechende Alterskontrollen, eine hohe Verantwortung zu. Dies muss allen Beteiligten bewusst sein. Die Polizei wird deshalb in Abstimmung mit den Kommunen auch weiterhin solche Testkäufe durchführen“, so Rech.

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