„Wo Gewalt und Kinder zu Hause sind!“

19. April 2011 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen | Drucken

275 Meldungen ging das Jugendamt allein im Jahr 2010 nach; in 36 Fällen wurde das Kindeswohl als akut gefährdet bewertet. Weitere erschreckende Zahlen wurden während des 7. Münsterschen Sicherheitsgesprächs am Dienstag, 29. März 2011 im Rathaus zu Münster präsentiert.

„In 10 bis 15 Prozent aller Familien erleben Kinder starke körperliche Gewalt“, so Frau Cordula Lasner-Tietze vom Kinderschutzbund. „51 Prozent derer, die in ihrer Kindheit körperlich und/oder seelisch misshandelt wurden, treten im späteren Leben selbst strafrechtlich bis hin zur Gewaltausübung in Erscheidung“, berichtete Prof. Dr. Thomas Görgen von der Deutschen Hochschule der Polizei Münster aus kriminologischer Sicht. Bei gewaltfrei erzogenen Kindern liege diese Gefahr gerade bei 0,6 Prozent.

Die Zahl der Körperstrafen ist in letzter Zeit rückläufig, es wachsen noch immer 54 Prozent der Unter-18-Jährigen mit leichten Körperstrafen auf und 17 Prozent erleben schwere bis schwerste psychische oder physische Maßregelungen oder werden unmittelbar Zeugen von Gewalt in der Familie. Dies führte Dr. Bernhard Frevel von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Münster hierzu aus.

Ein rechtzeites Eingreifen durch das Jugendamt ist wichtig, gestaltet sich nach Aussage des stellvertretenden Jugendamtleiters Karl Materla jedoch schwierig.
Im neuen Kinderschutzgesetz von 2010 wurde festgelegt, dass Staat und Gesellschaft Kindern ein gewaltfreies Aufwachsen sichern müssen. Wann das Wohl eines Kindes als gefährdet gilt, wird dort jedoch nicht konkret beschrieben. Jeder Fall muss somit vom Jugendamt einzeln geprüft werden.
Eine Sensibilisierung der Erwachsenen, wie zum Beispiel durch eine Betreuung junger Eltern durch die Hebammen könnte eine effektive Hilfe darstellen. Einer Fehlhandlung als Folge einer Überforderung kann dadurch möglicherweise verhindert werden.

Die lebhafte Diskussion setzte sich auch im Anschluss im Foyer des Rathauses fort. Zu Live-Musik des Jazzduos „Ketteler-Eising“ gab es noch Getränke und einen kleinen Imbiss.

Quelle: LAFP NRW

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.