Positive Bilanz zum Verkehrsunfallgeschehen 2010

6. April 2011 | Themenbereich: Innenminister, Sachsen | Drucken

Im Freistaat Sachsen setzte sich im Jahr 2010 die erfreuliche Verkehrsunfallentwicklung der vergangenen Jahre fort. Die Zahl der im Straßenverkehr ums Leben gekommenen Menschen erreichte einen neuen Tiefstand. Allein seit dem Jahr 2001 konnte die Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten um mehr als die Hälfte gesenkt werden (-58,9 Prozent).

Innenminister Markus Ulbig: „Die aktuelle Verkehrsunfallentwicklung zeigt, dass wir gemeinsam auf dem richtigen Weg sind, die Zahl der Verletzten und Toten auf sächsischen Straßen immer mehr zu verringern. Mit ‚gemeinsam‘ meine ich Polizei, Verkehrsteilnehmer, Straßenbauer, aber auch Autoindustrie und die zahlreichen freien Träger der Verkehrssicherheitsarbeit im Freistaat Sachsen. Zielgerichtete Verkehrsüberwachung, vernünftige und angepasste Fahrweise, bauliche Maßnahmen an Unfallschwerpunkten sowie Entwicklung moderner und sichererer Kraftfahrzeuge sind neben zahlreichen Präventionsmaßnahmen der Erfolg der vergangenen Jahrzehnte beim Rückgang der schweren Verkehrsunfälle.“

Allgemeine Verkehrsunfallentwicklung

Von der sächsischen Polizei wurden im vergangenen Jahr 122.191 Verkehrsunfälle erfasst. Die Anzahl der Unfälle insgesamt stieg damit gegenüber 2009 geringfügig an (+5 Prozent). Dies ist insbesondere auf die Zunahme der so genannten Bagatellunfälle zurückzuführen.
Verkehrsunfälle mit Personenschaden sanken hingegen im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um 9,1 Prozent auf 12.955 Unfälle. Damit ist in Sachsen bei Unfällen mit Personenschaden ein höherer Rückgang zu verzeichnen als im gesamten Bundesgebiet (-7,1 Prozent).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass:

sich alle 4,3 Minuten ein Verkehrsunfall ereignete,
sich alle 41 Minuten ein Verkehrsunfall mit Personenschaden ereignete,
etwa alle drei Stunden eine Person im Alter von 18 bis 25 Jahren verletzt wurde,
etwa alle acht Stunden ein Kind verletzt wurde,
etwa alle 52 Stunden eine Person bei einem Verkehrsunfall getötet wurde,
etwa alle zehn Tage eine Person im Alter von 18 bis 25 Jahren bei einem Verkehrsunfall getötet wurde.

Die meisten Verkehrsunfälle insgesamt wurden im Monat Dezember (15.464) durch die Polizei aufgenommen.
Die meisten Verkehrsunfälle mit Personenschaden ereigneten sich in den Sommermonaten. Im Juni wurden auch die meisten bei Verkehrsunfällen Verunglückten (1.747, davon 22 Getötete, 403 Schwer- und 1.322 Leichtver-letzte) registriert. Im August wurden die meisten Personen bei Verkehrsunfäl-len getötet (23).

Verunglückte (Getötete, Schwer- und Leichtverletzte)

Der seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten zu verzeichnende kontinuierliche Rückgang der Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten hat sich auch im ver-gangenen Jahr deutlich fortgesetzt. Im Jahr 2010 lag die Zahl der Getöteten bei 168. Bereits 2009 lag sie erstmals unter der „200-Marke“ (192 Getötete). Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 12,5 Prozent.

Im Freistaat sank die Zahl der Verletzten von 18.046 auf 16.445 (-8,9 Pro-zent). Entsprechend sank auch die Zahl der Schwerverletzten von 4.186 auf 3.767 (-10 Prozent).

Die meisten Verkehrsunfälle mit Personenschaden ereigneten sich – wie in den Jahren zuvor – innerhalb von Ortschaften (73 Prozent bzw. 9.456 Ver-kehrsunfälle). Außerhalb von Ortschaften wurden 23,1 Prozent (2.988 Ver-kehrsunfälle) und auf Autobahnen 3,9 Prozent (511 Verkehrsunfälle) der Personenschadensunfälle registriert. Die meisten Getöteten (55,4 Prozent) waren außerorts (ohne BAB) zu verzeichnen (innerorts: 31,5 Prozent, auf Autobahnen: 13,1 Prozent).

Unter Berücksichtigung der vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag der Durchschnitt bei den Verunglückten je 100.000 Einwohnern in Sachsen im Jahr 2009 bei 398 (2009 waren es 435). Damit steht Sachsen im Bundesvergleich hinter dem Freistaat Thüringen an zweitbester Stelle.

Der Anteil an den insgesamt bei einem Verkehrsunfall Getöteten betrug:

47 Prozent bei den PKW-Benutzern,
19 Prozent bei den Motorradbenutzern,
14,3 Prozent bei den Fußgängern
13,1 Prozent bei den Radfahrern und
4,8 Prozent bei den LKW- Benutzern.

Keiner der Getöteten war Fahrer oder Mitfahrer von Bussen (wie 2009).

Unfallursachen

Die Hauptunfallursachen bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden im Jahr 2010 sind „nicht angepasste Geschwindigkeit“, „Nichtbeachten der Vorfahrt/ des Vorranges“, „Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren“ sowie die „Nichteineinhaltung des Sicherheitsabstandes“.

Nicht angepasste Geschwindigkeit (Anteil 21 Prozent):
Besorgniserregend ist der nach wie vor hohe Anteil der Unfallursache „nicht angepasste Geschwindigkeit“.

Im Freistaat Sachsen war sogar fast jeder zweite Getötete (43,8 Prozent) Opfer eines Verkehrsunfalls mit der Hauptunfallursache „Geschwindigkeit“. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, den Überwachungsdruck – soweit möglich – insbesondere an den diesbezüglichen Unfallschwerpunkten auf-recht zu erhalten bzw. zu erhöhen.

Vorfahrtsfehler/Fehler beim Abbiegen (Anteil 17,5 Prozent bzw. 15,2 Pro-zent):
Nach wie vor ordnen sich die Unfallursachen „Vorfahrtsfehler“ und „Fehler beim Abbiegen“ unmittelbar nach der Hauptunfallursache „nicht angepasste Geschwindigkeit“ ein.

Ungenügender Sicherheitsabstand war Ursache für 12,7 Prozent aller Unfälle.

Verunglückte Kinder

Die Zahl der getöteten Kinder (unter 15 Jahre) – drei – blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert. Im Jahr 2010 verunglückte ein Kind als Fußgänger tödlich. Zwei Kinder verunglückten als Radfahrer tödlich.
Die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Kinder sank gegenüber 2009 um 2,8 Prozent von 1.191 auf 1.161 und damit erneut auf den niedrigsten Stand der vergangenen Jahre. Im Vergleich zum Jahr 1995 ist ein Rückgang von 61,8 Prozent zu verzeichnen.
Die – langfristig betrachtet – äußerst positive Entwicklung bei den Kinderunfällen zeigt, dass die zahlreichen Anstrengungen der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei sowohl im Bereich der Prävention, als auch im Bereich der Verkehrsüberwachung Wirkung zeigen und daran weiter festzuhalten ist.

Verkehrsunfallentwicklung bei der Generation 65+

Im Zusammenhang mit der Verkehrsunfallentwicklung ist eine Betrachtung der Generation 65+ auf Grund der demographischen Entwicklung unumgänglich.
Rund ein Viertel (25,2 Prozent) der sächsischen Bevölkerung ist älter als 65 Jahre. Dagegen betrug der Anteil der 18- bis 25-Jährigen an der Gesamtbevölkerung lediglich 7,6 Prozent. Der sich vollziehende demographische Wandel ist u. a. dadurch gekennzeichnet, dass die heutige Generation 65+ wesentlich mobiler ist als die über 65-Jährigen vor zehn oder fünfzehn Jahren.

Im Freistaat Sachsen verunglückten im Jahr 2010 2.089 Personen im Alter von über 65 Jahren. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 12,2 Prozent. Die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten älteren Menschen stieg von 42 im Jahr 2009 auf 45 im vergangenen Jahr (+7,1 Prozent).

Gemessen am Bevölkerungsanteil ist die Generation 65+ in Sachsen insgesamt einem relativ geringen Risiko ausgesetzt, bei einem Verkehrsunfall zu verunglücken. Obwohl jeder Vierte der Gesamtbevölkerung Sachsens älter als 65 Jahre ist, war nur etwa jeder achte Verunglückte 65 Jahre und älter.
Allerdings waren die Angehörigen der Generation 65+ einem etwas höheren Risiko als die 18- bis unter 25-Jährigen ausgesetzt, bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden.

Die Unfallstatistik weist die Altersgruppe der Generation 65+ insbesondere als Pkw-Fahrer jedoch als „sichere“ Verkehrsteilnehmer aus. Die Erfahrungen zeigen, dass sich diese Generation umsichtiger im öffentlichen Verkehrsraum bewegt und altersbedingte Leistungsschwächen überwiegend durch Lebenserfahrung, Regeltreue und Verantwortungsbewusstsein ausgleicht.

Verkehrsunfallentwicklung bei jungen Fahrerinnen und Fahrern

Die mit am stärksten gefährdete Altersgruppe im Straßenverkehr ist die der 18- bis unter 25-Jährigen. Etwa jeder fünfte Verunglückte und etwa jeder fünfte Getötete gehört dieser Altersgruppe an, obwohl nur jeder 13. der Ge-samtbevölkerung zwischen 18 und 25 Jahre alt war.

Die Zahl der Getöteten im Alter von 18 bis unter 25 Jahre ist gegenüber dem Vorjahr von 43 auf 36 bzw. um 16,3 Prozent gesunken. Ebenso sank die Zahl der Verletzten von 3.991 auf 3.361 (-9,5 Prozent).

Hauptunfallursache der jungen Fahrerinnen/Fahrer ist die überhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit. Das traf auf 31,8 Prozent der verursachten Unfälle zu.

Die Unfallursache „Alkohol“ nimmt in dieser Altersgruppe bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden mit 156 Feststellungen einen Anteil von 5 Prozent in Anspruch. Gegenüber dem Vorjahr ging die Unfallursache Alkohol bei den jungen Fahrern um 37,5 Prozent zurück. (siehe auch Kapitel „Alkohol im Straßenverkehr“)

Etwa zwei Drittel der Verkehrsunfälle mit Personenschaden unter Beteiligung junger Fahrer wurden durch das Fehlverhalten der männlichen jungen Fahrer verursacht.

Alkohol im Straßenverkehr

Die Zahl der bei Alkoholunfällen Verunglückten sank von 1.072 Personen im Jahr 2009 auf 903 im vergangenen Jahr. Die Zahl der Getöteten sank von 14 auf 11.
Von 1995 bis 2010 ist die Zahl der Alkoholunfälle insgesamt von 8.577 auf 1.971 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 77,0 Prozent.

Im Jahr 2010 wurden 7.777 Fahrzeugführer (-14 Prozent gegenüber dem Vorjahr) festgestellt, die ein Kraftfahrzeug unter Einfluss von Alkohol (ohne Verkehrsunfall) führten. Außerdem wurden 244 (2009: 309) Verstöße gegen den im August 2007 eingeführten § 24c StVG „Alkoholverbot für Fahranfänger und Fahranfängerinnen“ festgestellt. Für Fahrzeugführer in der Probezeit oder bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gilt ein absolutes Alkoholverbot.

Verkehrsüberwachung

Im Jahr 2010 stellte die Polizei mehr als 870.000 Verkehrsordnungswidrigkeiten fest.

Schwerpunkt bildeten mit gut 456.000 Verstößen die Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Etwa jede 14. festgestellte Verkehrsordnungswidrigkeit war ein Verstoß gegen die Gurtanlegepflicht.

Gewerblicher Personen- und Güterverkehrs

Der Güterkraftverkehr spielt im Spektrum der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit eine entscheidende Rolle und wird weiterhin an Bedeutung gewinnen.

Im Jahr 2010 wurden durch die Polizei 29.689 Lastkraftwagen sowie knapp 600 Kraftomnibusse kontrolliert. Insgesamt wurden fast 12.000 Fahrzeuge beanstandet, darunter 290 Omnibusse. Das entspricht einer „Beanstandungsquote“ von 39 Prozent.

Technische Mängel wiesen 4.062 Lkw bzw. 44 Omnibusse auf. In insgesamt 698 Fällen musste eine Untersagung der Weiterfahrt oder Stilllegung u. a. wegen schwerwiegender technischer Mängel erfolgen. Bei 13.100 Fahrern wurden Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten festgestellt, wobei bei 229 Fahrern die Verstöße so gravierend waren, dass die Weiterfahrt zunächst untersagt werden musste.

Von den insgesamt beanstandeten Lkw kamen 50,6 Prozent aus dem Ausland. Bei den beanstandeten Bussen betrug der Anteil ausländischer Fahr-zeuge 52,1 Prozent.

Ausblick

Innenminister Markus Ulbig: „Der Senkung der Verkehrsunfälle, bei denen Menschen zu Schaden kommen, gilt unser besonderes Augenmerk. Dazu wird die Polizei weiter konsequent gegen Raser und Drängler vorgehen. Denn: Unangepasste Geschwindigkeit ist nach wie vor die Nr. 1 unter den Hauptunfallursachen. Verstärkt werden wir dabei auf Anhaltekontrollen setzen. Dadurch erhoffen wir uns einen nachhaltigen verkehrserzieherische Einfluss auf die Kraftfahrer.“
Außerdem soll in der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit den jungen Fahrern zwischen 18 und 25 sowie der Generation 65+ besonderes Augenmerk gewidmet werden.

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