Gespräche über Cybersicherheit

6. April 2011 | Themenbereich: BMI | Drucken

Es ist bereits gute Tradition geworden: Die Veranstaltungsreihe „Schule trifft BMI“. Am 6. April kamen rund 50 Schülerinnen und Schüler des Berliner John-Lennon-Gymnasiums sowie des Askanischen Gymnasiums zu Besuch ins Bundesinnenministerium, um mit der Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik, Staatssekreträrin Cornelia Rogall-Grothe, über das Thema Cybersicherheit zu diskutieren. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand aus aktuellem Anlass die Gefahr des Cybermobbings. Die Gesprächsrunde lebte von den vielen Wortbeiträgen und Fragen der Schülerinnen und Schüler. Kein Wunder, dass das Interesse so groß war – schließlich hielten sich alle Anwesenden nach eigenem Bekunden täglich im Internet auf, sei es zu privaten oder schulischen Zwecken. Auch im Unterricht selber würden Computer und Internet zum Einsatz kommen. In beiden Schulen hätte man sich bereits intensiv mit dem Thema Cybermobbing auseinandergesetzt.

Der Fall eines Berliner Schülers, der seine Freundin vor den Beleidigungen auf einer „Internet-Mobbing-Plattform“ schützen wollte und krankenhausreif geschlagen wurde, hat die Jugendlichen nachhaltig beschäftigt. „Das Schlimme am Cybermobbing ist, dass der Absender anonym bleiben kann und die Informationen im Internet weite Kreise ziehen können“, beschrieb die Staatssekretärin das Phänomen. Die Schwelle zwischen Täter und Opfer sei zudem gering. Im Netz sei auch die Hemmschwelle niedriger, andere Personen zu mobben.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass Aufklärung und Sensibilisierung für dieses Thema dringend geboten ist. Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, sich bei Fachexperten aus dem BMI auch über die Mindestspeicherfrist von Internet- und Telefondaten zur Kriminalitätsbekämpfung zu informieren. Thema war zudem die Schaffung von sicheren Identitäten im Netz. In diesem Zusammenhang wurden die Funktionsweisen und Vorteile des neuen Personalausweises sowie der De-Mail erläutert.

Mit Blick auf die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung sagte Ministerialrat Andreas Reisen, im BMI zuständig für die Einführung des neuen Personalausweises: „Wir können und wollen das nicht kontrollieren, aber wir müssen damit umgehen können“.

Dazu gehöre auch, Mißbrauch und Straftaten im Internet zu minimieren. Der neue Personalausweis sei hier der richtige Schritt in die richtige Richtung. Hierbei handele es sich um eine vollkommen neue Technologie, die sich in den kommenden Jahren erfolgreich etablieren wird – ähnlich wie bei der Mobiltelefonie. Bei so viel offen gezeigter Diskussionsfreude unter den internetaffinen Jugendlichen lies es sich die Staatssekretärin nicht nehmen, auf staatliche Angebote zur Bürgerbeteiligung hinzuweisen und zur Beteiligung aufzurufen. „Machen Sie mit, äußern Sie Ihre Meinung“, warb Rogall-Grothe für eine breite Diskussionskultur und stärkere Teilhabe der Bürger.

2 Kommentare
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  1. Das ist doch mal lächerlich, wo bitte schön gibt es denn die Möglichkeiten der Dititalen Teilhabe in Deutschland ? Die Bundesregierung hat ja bisher immer alles getan um die z.B. vom CCC vorgeschlagenen Beteiligungsmöglichkeiten zu verhindern.

    Das man die Vorratsdatenspeicherung nun schon im Zusammenhang mit Mobbing erwähnt macht mich sehr mißtrauisch. Ursprünglich hies es das sei nur zur Terrorbekämpfung und nun soll es auch für Beleidigungen usw herangezogen werden.

    99.9% der Internet User sind nicht an Verbrechen beteiligt, warum sollte man diese unter totalverdacht stellen nur weil es ein par Deppen gibt die ihre Freiheit mißbrauchen ?
    Ich halte das einfach für übertriebene Panikmache, ich möchte und werde das Internet auch in Zukunft anonym nutzen ohne mich dabei von der Staatssicherheit bespitzeln zu lassen nur weil es mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.01% sein könnte das ich etwas illegales tun will. Ein Staat der seinen Bürgern dermaßenes Mißtrauen entgegenbringt hat der Vertrauen seiner Bürger nicht verdient, Demokratie sieht anders aus.

  2. Die interessante Frage ist doch wie man gegen solche Mobbing Seiten vorgeht ohne dabei den Datenschutz der gesamten Bevölkerung zu gefärden. Diese entsprechenden Seiten bei Suchmaschienen wie Google aus dem index zu entfernen war ja schonmal ein Anfang, so findet man diese inhalte nicht mehr so leicht.

    Desweiteren ist es doch vor allem die Massive Berichterstattung, viele Seiten haben sogar direckte Links zu dieser Mobbingplatform gelegt. So werden viele Menschen überhaupt auf sowas aufmerksam gemacht.

    Sperren helfen da nicht, genausowenig ist es technisch möglich oder gar wünschenswert jeden Internetnutzer zu identifizieren. Die entsprechenden Platformen irgendwo im Ausland werden wohl kaum mitziehen. Sollten hier Persönlichkeitsrechtsverletzungen in erheblichem Außmas vorliegen dann wäre nur ein juristisches Vorgehen denkbar, sind die Server irgendwo in den USA oder Europa sollte das kein Problem sein.
    So kann man den Anbieter dazu zwingen beleidigende und verleumdente kommentare zu entfernen und die nutzer die sowas gemacht haben von der Platform auszuschließen. Sollten Anbieter hier nicht bereit zur kooperation sein dann wären weitere schritte notwendig, z.B. Klagen.

    Man sollte sich jedoch nicht darüber hinwegtäuschen das das Problem kaum zu lösen sein wird, es wird immer irgendwo jemanden geben der z.B. anonyme kommentarmöglichkeiten in Blogs für Mobbing oder Beleidigung mißbraucht. Das wird denke ich ein permanenter Kampf sein solange es das Internet gibt. Wichtig dabei ist das solche Inhalte bei den meisten Internetnutzern auf keine Tolleranz stoßen, in den meisten Foren wird sowas zügig gelöscht bzw wer sowas macht verliert den Respekt bei anderen Mitgliedern entsprechend selten kommt sowas vor. Die Netzwerke die solche Inhalte tolerieren müssen eben unter Druck gesetzt werden rechtswiedrige Inhalte zu löschen. Sperren bzw die generalüberwachung der Bevölkerung durch mindest bzw vorratsdatenspeicherung ist ungerechtfertigt. Nur wegen ein par mobbern quasi alle Bürger unter generallverdacht zu stellen und überwachen zu lassen geht zu weit.

    Freiheit, Bürgerrechte und Sicherheit sind kein Widerspruch, es sollte hier einfach eine etwas sachlichere Diskussion darüber geben welche Methoden für einen Rechtsstaat angemessen sind und welche nicht um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.

    —-
    Anonymität ist im Netz sehr wichtig, gibt z.B. Blogs und Diskussionsgruppen die sich mit Extremismus befassen. Sagt da mal mit deinem Richtigen Namen was gegen Links/rechts bzw Islam extremisten, da hast du dann möglicherweise den Schlägertrupp vor der Tür oder aufgestochene Reifen Farbbeutel an der Hauswand usw. Es gibt einfach zu viele Fälle in denen Anonymität schützt. z.B. will ich mich im Gesundheitsforum sicherlich nicht unter meinem Namen bzw mit e-pass einloggen, wenn da ein wenig kulanter Arbeitgeber irgendwie an meine Daten kommt könnte das schon schwierig werden usw usw.
    Von daher lehne ich den epass zur Identifizierung ab (für ebanking, egovernment ist er ok) zumal sich das wenn ausländische Serverbetreiber nicht mitspielen auch gesetzlich nicht durchsetzen lässt.

    Ernsthafte Angebote zur Bürgerbeteiligung kann ich Abseits der e-Petitionsseite des Bundestags nicht erkennen. Leider waren CDU/FDP nicht bereit die möglichkeiten von Liquid Democracy einzusetzen um weitergehende möglichkeiten der Partizipation aufzubauen.

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