Psychosoziale Nachsorge des THW-Einsatzes in Japan

30. März 2011 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Bei ihrer Rückkehr aus der von Erdbeben und Tsunami zerstörten Region Japans wurde das Team des Technischen Hilfswerks (THW) am Flughafen Frankfurt nicht nur von ihren Angehörigen, Kameradinnen und Kameraden, Politikern und den Medien, sondern auch vom Einsatznachsorge-Team (ENT) des THW empfangen.

Waren die Helferinnen und Helfer durch diesen Einsatz psychisch stark belastet? Konnten ihnen im Empfangstrubel Nachsorgeangebote gemacht werden? Sind Nachsorgegespräche zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Einsatznachsorge-Team zur Verarbeitung belastender Eindrücke in Japan geplant? Erhalten auch die Familienangehörigen, die sich wegen der drohenden Stahlenbelastung Sorgen gemacht haben, Betreuungsangebote?

Diese und viele weitere Fragen zur psychosozialen Nachsorge wurden auf dem Symposium „Hilfe für Helferinnen und Helfer des THW“, das am letzten Wochenende in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bad Neuenahr-Ahrweiler von BBK und THW gemeinsam veranstaltet wurde, ausführlich erörtert.

Die etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums gehören alle den Einsatznachsorge-Teams des THW an. Um Helferinnen und Helfer bei der Bewältigung belastender Einsatzsituationen zu unterstützen, wurden vor einigen Jahren in allen acht Landesverbänden des THW diese Teams aufgebaut. Ihre Mitglieder sind speziell geschulte THW-Helferinnen und -Helfer (Peers) und psychosoziale Fachkräfte wie Seelsorgerinnen und Seelsorger oder Psychologinnen und Psychologen. Sie haben eine umfangreiche Schulung in der Methode der „Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen“ absolviert und bieten Kameradinnen und Kameraden, die bei Einsätzen außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt waren, kollegiale Hilfe an.

Das jährlich in der AKNZ stattfindende Symposium „Hilfe für Helferinnen und Helfer des THW“ dient dem Fachaustausch und der Weiterbildung. In diesem Jahr stellten zehn Experten in ihren Fachvorträgen spezielle Aspekte der Einsatznachsorge heraus. Das Konfliktgespräch in den Einsatznachsorge-Teams, Methoden der Einsatznachsorge und neuropsychologische Aspekte wurden ebenso thematisiert wie versicherungsrechtliche Leistungen, die Kameradinnen und Kameraden des THW nach Extremsituationen in Anspruch nehmen können. Weitere zentrale Themen der Veranstaltung waren der Umgang mit eigenen Belastungen, Möglichkeiten der Vernetzung untereinander und Überlegungen zur Qualitätssicherung in der Psychosozialen Notfallversorgung.

In insgesamt acht Workshops konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vertieft über ihre Einsatzerfahrungen, bestehende Strukturen und aktuelle Entwicklungen in der psychosozialen Arbeit austauschen.

Neben dem Japan-Einsatz wurde mit dem Einsatz nach dem Erdbeben in Haiti ein zweiter Auslandseinsatz unter psychosozialen Aspekten thematisiert. Aber auch inländische Einsätze mit hoher psychischer Belastung kamen zur Sprache, so zum Beispiel die Bombenexplosion in Göttingen im Juni letzten Jahres, bei der drei Kampfmittel-Experten vor den Augen der Einsatzkräfte getötet wurden, oder das Zugunglück in Hordorf bei Magdeburg, bei dem 10 Menschen starben und 23 Personen zum Teil schwer verletzt wurden.

Das nächste und damit 4. Symposium zum Thema „Hilfe für Helferinnen und Helfer im THW“ ist bereits für 2013 in Planung.

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