Internationale Schleuserbande zu hohen Haftstrafen verurteilt

30. März 2011 | Themenbereich: Bundespolizei | Drucken

Nachdem Ermittler der Bundespolizei eine international aktive Schleuserorganisation zerschlagen hatten, trafen sich die Bandenmitglieder noch einmal – diesmal aber auf der Anklagebank. Mit insgesamt 23 dicken Leitz-Ordnern hatte die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München ihre Ergebnisse aus gut zwei Jahren akribischer Ermittlungsarbeit an die Staatsanwaltschaft Nürnberg abgeliefert. Jetzt sprach das Landgericht Nürnberg-Fürth die vier angeklagten Ausländer schuldig. Einer von ihnen wurde zu einer Bewährungsstrafe und die übrigen drei zu insgesamt vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Seit 2007 schleusten die vier Iraker im Alter von 26 bis 41 Jahren insgesamt mehr als 300 Landsleute aus ihrer Heimat durch Deutschland nach Skandinavien. Bei den langen Fahrten, die auf verschiedenen europäischen Routen gen Norden führten, ging es menschenunwürdig zu. Die Geschleusten wurden in die Laderäume von LKWs und Transportern regelrecht eingepfercht. Aus Angst entdeckt zu werden, gab es keinen Zwischenstopp. Das hatte zur Folge, dass die Flüchtlinge im Winter extremer Kälte und Hunger ausgesetzt waren. Selbst ihre Notdurft konnten sie nur in Plastiktüten verrichten.

Für die sogenannten „Garantieschleusungen“ mussten die schleusungswilligen Iraker Beträge zwischen 8.000,- und 10.000,- Euro pro Kopf bezahlen. Nach Erkenntnissen der Bundespolizei dürfte die Bande mit dieser Masche mehrere Hunderttausend Euro verdient haben. Die Finanztransaktionen wurden im sogenannten „Hawala-Banking-System“ abgewickelt. Dieses beruht im Wesentlichen auf Bargeldtransporte über vertrauenswürdige Mittelsmänner. Die Ermittler konnten allein im Zeitraum von fünf Monaten einen Geldfluss von mehr als 850 000,- Euro zwischen Nürnberg und dem Irak nachweisen.

Gelohnt haben sich die illegalen Machenschaften aber nicht. Das Gericht hat aufgrund der Beweislage ein empfindliches Urteil gesprochen. Der Hauptorganisator der Schleusungen, der 41-jährige Iraker Emad A. aus Kreuzlingen, wird acht Jahre im Gefängnis verbringen. Er wurde in der Schweiz festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

Sein für die Finanzen zuständiger Komplize aus Nürnberg, der 32-jährige Pishtiwan M., muss für vier Jahre und zwei Monate hinter Gitter. Zusätzlich wurden bei ihm 12 000,- Euro eingezogen. Das Geld stammt aus Schleusungen.

Ein weiteres Bandenmitglied aus Hamburg wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Ein Schleuserfahrer war nachweislich für mindestens zwei der menschenverachtenden Transporte verantwortlich. Er legte allerdings ein Geständnis ab und kam mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe im Gegensatz zu seinen Kumpanen relativ glimpflich davon.

Die Urteile sind rechtskräftig.

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