„Hans-Gross-Preis für herausragende Verdienste um die Kriminalistik“

24. März 2011 | Themenbereich: Brandenburg, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

„Das Engagement für die Förderung und Unterstützung einer hoch qualifizierten kriminalistischen Ausbildung und Spezialisierung, einschließlich der Spezialisierung der polizeilichen Ausbildung, im Sinne von Hans Gross, „Beamte ihres Faches“ zu sein, erachte ich für außerordentlich verdienstvoll,“ betonte der diesjährige „Hans-Gross-Preisträger“, Prof. Dr. sc. jur. Rolf Ackermann in seiner Dankesrede. Damit übte er gleichzeitig Kritik an der Situation der Aus- und Fortbildung der märkischen Kriminalpolizei.

Am heutigen 22. März 2011 fand an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) die Festveranstaltung „20 Jahre Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Landesverband Brandenburg“ sowie die Verleihung des „Hans-Gross-Preises für herausragende Verdienste um die Kriminalistik“ statt.

Unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Viadrina, Dr. Gunter Pleuger, zog der BDK Brandenburg Bilanz seines 20jährigen Engagements für eine professionell aus- und fortgebildete Kriminalpolizei in Brandenburg, ein Engagement, das heute nötiger denn je ist.

Während auf der einen Seite die Anforderungen an die Verbrechensbekämpfung steigen, soll die Kriminalpolizei auf der anderen Seite weiter erheblich personell zur Ader gelassen werden. Der BDK befürchtet insbesondere eine Schwächung der Kriminalpolizei in der Fläche, spricht gar von einem drohenden Rückzug.

Kriminalistik und Kriminalpolizei brauchen eine Lobby, brauchen die öffentliche Wahrnahme. Auch deshalb verleiht der BDK Brandenburg nun zum zweiten Male einen „Hans-Gross-Preis für herausragende Verdienste um die Kriminalistik“. Dieser ist benannt nach dem Begründer der Kriminalistik als Wissenschaft sowie hervorragenden Kriminologen und Strafrechtler, Professor Hans Gross (1847-1915), Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich.

Mit diesem Preis ehrt der BDK Brandenburg Persönlichkeiten für ihre Verdienste um die Förderung der Verbrechensbekämpfung, der Kriminalpolizei und der Kriminalwissenschaften.

Der erste Preisträger 2009, der Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg, Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg, hielt die diesjährige Laudatio auf den Kriminalisten, Hochschullehrer und Wissenschaftler Prof. Dr. sc. jur. Rolf Ackermann, der sich in seiner 48jährigen Berufslaufbahn, zuletzt als Vizepräsident der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg und mit unzähligen Fachbeiträgen und kriminalistischen Veröffentlichungen seit nunmehr fast 60 Jahren um die Kriminalistik und die Kriminalpolizei verdient gemacht hat.

So überrascht es nicht, wenn Prof. Ackermann es insbesondere mit Blick auf neue Kriminalitätsphänomene nicht für ausreichend hält, strukturell und finanziell aufzustocken, sondern ausführte:

„Ich glaube wir sollten auch intellektuell noch aufstocken, insbesondere hinsichtlich der Qualifikation des Personalbestandes, einschließlich Spezialisierung in der Ausbildung, dies ist wohl eine der größten Reserven des Landes, wenn Bildungsoffensive kein Schlagwort bleiben soll.“

„Die Polizei kann unter dem Druck personeller Einschränkungen zukünftig ihre Aufgaben, mehr Täter zu schweren Verbrechen zu ermitteln, die Qualität der Untersuchung und Beweisführung zu verbessern und effizienter zu machen, nur erreichen, wenn sich eine neue Fachkompetenz auf der Basis fachkompetenter Spezialisten zur Kriminalitätsbekämpfung entwickelt. Und ein solcher zukunftsfähiger Prozess muss bereits bei der Ausbildung beginnen,“ fordert Ackermann daher folgerichtig, denn „… wir können es uns nicht mehr leisten 3 Jahre lang polizeiliches Grundwissen zu vermitteln, um später durch Weiterbildung irgendwo und irgendwann die Spezifika der Verbrechensaufklärung zu erlernen, die mehr beinhaltet als ein K-Praktikum in der Bachelor-Ausbildung.“

Die Antwort auf die angeblich haushaltspolitisch unvermeidbaren Stellenkürzungen kann daher nur heißen: Bildungsoffensive durch verwendungsorientierte Aus- und Fortbildung für Schutz- und Kriminalpolizei – Effizienz durch Spezialisierung. Jetzt, bevor es zu spät ist!

Der BDK wiederholte seine Kritik an der Situation der Verbrechensbekämpfung in Brandenburg:

  • keine Ausbildung von Kriminalisten seit 1990
  • seit 10 Jahren kein Direkteinstieg in die Kripo nach der Ausbildung
  • faktisch keinerlei berechenbare Nachwuchsplanung für die Kripo
  • unzulängliche Fortbildungsangebote
  • keine verpflichtende Schulung vor Wechsel in die Kripo
  • Bewerbermangel durch schlechte Karrierechancen
  • rasant ansteigende Überalterung
  • weiterer erheblicher Personalabbau

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.