Steigende Gefahr durch Skimming und Phishing

22. März 2011 | Themenbereich: Kriminalität, Thüringen | Drucken

„Thüringen ist eines der sichersten deutschen Länder. Dafür sprechen insbesondere die weiter rückläufige Zahl der Straftaten und die nochmals gestiegene Aufklärungsquote.“ Dies erklärte Thüringens Innenminister Jörg Geibert anlässlich der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2010 heute in Erfurt. „Im letzten Jahr wurden in der PKS 138.049 Straftaten erfasst. Das ist der niedrigste Wert seit 1993″, erläuterte der Minister.
„Die Aufklärungsquote übertrifft mit 65,3 Prozent wiederum das Niveau des Vorjahres (65,1 %). Sie liegt damit nicht nur erheblich über dem Bundesdurchschnitt, sondern wird uns erneut einen Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich verschaffen. Für Thüringen bedeuten die 65,3 Prozent zudem den höchsten bislang erreichten Wert seit Einführung der PKS“, betonte Geibert.

Die Wahrscheinlichkeit Opfer einer Straftat zu werden, drückt sich in der Häufigkeitszahl aus, d. h. in der Anzahl der Fälle pro 100.000 Einwohner. „In Thüringen beträgt die Häufigkeitsziffer im letzten Jahr 6.136. Sie wird damit sicherlich wieder deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen (Bund: 2009: 7.383).
„Die sinkende Zahl von Straftaten, die steigende Aufklärungsquote und die sehr niedrige Häufigkeitsziffer belegen, dass die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, hier in Thüringen verhältnismäßig gering ist. Gleichzeitig ist das Risiko für Straftäter, gefasst zu werden, hier im Freistaat Thüringen sehr hoch. Das hohe Maß an Innerer Sicherheit ist damit ein wichtiger Standortvorteil für Thüringen. Ein Vorteil, den es zu halten gilt und mit dem wir für unser Land werben können“, betonte der Innenminister.

Auf die einzelnen Deliktsbereiche eingehend, erläuterte der Minister, dass die Straftaten gegen das Leben um 19,3 Prozent auf 71 Fälle abgenommen haben. Dies sei vor allem auf den Rückgang bei den Mordfällen von 19 im Jahr 2009 auf 10 im Jahr 2010 zurückzuführen und auf den Rückgang bei Totschlag und Tötung auf Verlangen. In diesen beiden Bereichen wurden im Jahr 2010 43 Fälle registriert und damit neun weniger als im Vorjahr.

Als wichtig wertete der Minister die rückläufige Entwicklung bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, deren Anzahl im letzten Jahr um 206 auf 1.238 Fälle (-14,3 %) gesunken sei. Wesentlich bestimmt werde dies von niedrigeren Fallzahlen (-210 Fälle) bei der Verbreitung pornographischer Schriften (2009: 463 Fälle; 2010: 253 Fälle) und durch geringere Fallzahlen bei Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen (2009: 167 Fälle; 2010: 147 Fälle). Einen Anstieg um 58 Fälle habe es jedoch bei sexuellen Missbrauchshandlungen gegeben (2009: 536 Fälle; 2010: 594 Fälle).

Kritisch zeigte sich der Minister bezüglich der Entwicklung bei den Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit, die nach einem Rückgang um 3,2 % im Vorjahr (-660 Fälle) im Jahr 2010 um + 740 Fälle (+3,7 %) wieder deutlich zugenommen hätten. Es seien insgesamt 20.568 Fälle in diesem Bereich registriert worden, so Geibert. Ursächlich dafür ist ein Plus von 30 Fällen im Bereich Raub, räuberische Erpressung und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer. Hinzu kämen 13 Raubüberfälle auf Spielhallen (2009: 2 Fälle). Als Hintergrund dazu erläuterte der Minister, dass es der Polizei gelungen sei, im Jahr 2010 eine in vier Polizeidirektionsbereichen handelnde Tätergruppe zu ermitteln und ihr die Überfälle in den Jahren 2009 und 2010 nachzuweisen.
Hinzu komme, dass auch die Körperverletzungsdelikte um 482 Fälle zugenommen haben (2009: 13.708 Fälle, 2010: 14.190 Fälle). Dieser Anstieg könne hauptsächlich durch die Anzahl der registrierten vorsätzlichen leichten Körperverletzungen (+313 Fälle) erklärt werden (2009: 9.842 Fälle; 2010: 10.155 Fälle), so der Minister.

Auch würden die Straftaten gegen die persönliche Freiheit mit insgesamt 5.636 Delikten um 4,2 Prozent (+228 Fälle). über dem Niveau des Vorjahres liegen. Ansteigend sind dabei die Fallzahlen der Freiheitsberaubung (+16 Fälle; +13,8 %), der Nötigung (+150 Fälle; +10,8 %) und der Bedrohung (+108 Fälle; +3,8 %).

Der Minister erläuterte, dass seit Mitte des Jahres 2007 die Fälle des Nachstellens/Stalking als Straftaten erfasst werden. Hier zeige sich für das Jahr 2010 ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (2009: 1.032 Fälle; 2010: 977 Fälle). Im Jahr 2010 seien zudem neun Fälle des Menschenhandels erfasst worden (2009: 0 Fälle), wobei die Straftaten in vier Fällen vor dem Jahr 2010 verübt wurden.

Eine positive Entwicklung konnte der Minister bei den Diebstahlsdelikten berichten. „Hier setzt sich der rückläufige Trend der vergangenen Jahre fort“, betonte Geibert. Sowohl beim einfachen Diebstahl (-2,0 %) als auch beim schweren Diebstahl (-1,2 %) können erneut geringere Fallzahlen als im Vorjahr zu verzeichnet werden. Rückläufig sind beim einfachen Diebstahl insbesondere der Ladendiebstahl (2009: 9.406 Fälle; 2010: 9.034 Fälle) und der einfache Diebstahl von Motorrädern (-41 Fälle; – 8,5 %) und von Fahrrädern (-155 Fälle; -14,3 %).
Im Bereich des schweren Diebstahls erklärt sich der Rückgang der Fallzahlen insbesondere durch weniger Fälle des besonders schweren Falls des Diebstahls von Motorrädern (-94 Fälle; -18,0 %), von Antiquitäten, Kunst- und sakralen Gegenständen (-79 Fälle; -87,8 %), in/aus Warenhäusern, Verkaufsräumen, Selbstbedienungsläden (-113 Fälle; -17,6 %) und in/aus Kraftfahrzeugen (-287 Fälle; -10,9 %).

Deutliche Zunahmen seien hingegen beim schwereren Diebstahl von Kraftwagen (+107 Fälle; +21,3 %), beim schweren Diebstahl von/aus Automaten (+92 Fälle; +20,7 %) und beim schweren Diebstahl in/aus Boden-, Kellerräumen (+158 Fälle; +13,4 %) zu verzeichnen gewesen. Der Minister verwiese darauf, dass steigende Fallzahlen beim Diebstahl von Kraftfahrzeugen bundesweit zu beobachten seien. Es würden überwiegend hochwertige Fahrzeuge der Marken Audi, VW und BMW gestohlen. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der überwiegende Teil der gestohlenen Fahrzeuge in das osteuropäische Ausland verschoben werde.

Die Fallzahlen des Tageswohnungseinbruchs folgen weiter dem seit 2007 rückläufigen Trend, erklärte der Minister (2009: 78 Fälle; 2010: 55 Fälle). Er ergänzte allerdings, dass derzeit ein größerer Komplex von Einbrüchen in Einfamilienhäuser in Erfurt bearbeitet werde, zu dem auch Fälle aus dem Jahr 2010 gehörten. Diese würden erst nach Abschluss der Ermittlungen in die Statistik einfließen.

Die Vermögens- und Fälschungsdelikte verzeichnen mit 30.561 erfassten Fällen gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um +1.206 Fälle, stellte der Minister heraus. „Die höheren Fallzahlen ergeben sich unter anderem aus dem Waren- und Warenkreditbetrug (2009: 5.038 Fälle; 2010: 6.004 Fälle), aus dem Beteiligungs- und Kapitalanlagenbetrug (2009: 36 Fälle; 2010: 192 Fälle), aus dem Geldkreditbetrug (2009: 109 Fälle; 2010: 161 Fälle), aus dem Kreditvermittlungsbetrug (2009: 22 Fälle; 2010: 406 Fälle) und aus dem Leistungsbetrug (2009: 376 Fälle; 2010: 514 Fälle)“, berichtete Geibert. Im Jahr 2010 seien zudem 735 Fälle des Computerbetrugs erfasst (2009: 613 Fälle) worden.

Bei den sonstigen Delikten sei festzustellen, dass die Anzahl der Sachbeschädigungen um 2.135 Fälle und die der Straftaten gegen die Umwelt um 37 Fälle abgenommen hätten. Steigerungen habe es dagegen es bei den Beleidigungen (+181 Fälle), bei der Geldwäsche/ Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte (+22 Fälle) und bei der Brandstiftung/Herbeiführen einer Brandgefahr gegeben (+69 Fälle).

Der Innenminister warnte bei der Pressekonferenz deutlich vor den Gefahren des Skimmings und des Phishings, also vor dem Ausspähen und Abfangen von Daten am Geldautomaten oder am Computer. „In diesem Bereich gab es im letzen Jahr eine Zunahme um 140 auf insgesamt 345 Fälle“, hob der Minister hervor. Er forderte die Bürger auf, sich bei der Polizei oder bei den Geldinstituten über mögliche Schutzmaßnahmen zu informieren.

Als wichtig bezeichnete es der Minister, dass auch die Straßenkriminalität weiterhin rückläufig sei. 2010 wurden 1.376 Fälle weniger registriert als noch in 2009 (2008: 23.563 Fälle; 2009:22.270 Fälle; 2010: 20.894 Fälle).

Dass die Rauschgiftkriminalität im Berichtszeitraum erstmals seit 2005 wieder eine höhere Fallzahl als im Vorjahr aufweist (2008: 5.586 Fälle; 2009: 5.579; 2010: 6.810 Fälle), führte der Minister auf die deutlich Steigerung der polizeilichen Kontrolltätigkeit zurück. Er lobte dabei ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Zoll. Der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift sei es im letzten Jahr gelungen, über 404 Kilogramm Khat sicherzustellen.

Als Fazit der PKS 2010 erklärte der Minister, dass die Thüringer Polizei ihr Handwerk offensichtlich sehr gut beherrsche und dass die Innere Sicherheit für die Thüringer Landesregierung einen außerordentlich hohen Stellenwert besitze. Die Landesregierung werde alles tun, um das hohe Sicherheitsniveau in Thüringen zu halten.

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