Kabinett berät über Rechtsextremismus im Sport

16. März 2011 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Rechtsextremismus, Sachsen-Anhalt | Drucken

Im Rahmen der regelmäßigen Berichterstattung über die Entwicklung des Rechtsextremismus hat sich die Landesregierung in ihrer heutigen Sitzung mit rechtsextremistischen Erscheinungsformen im Sport befasst. Dabei wurde deutlich, dass es zwar keine systematische Unterwanderung von Sportvereinen durch rechtsextremistische Organisationen gibt, dass aber im Einzelfall Neonazis eine Funktion im Sport nutzen, um ein „bürgerliches“ Erscheinungsbild zu pflegen und um für ihre Weltanschauung zu werben. Gleichzeitig gibt es Berührungspunkte zwischen gewalttätigen „Fans“ und rechtsextremer Szene.

Dazu erklärte Innenminister Holger Hövelmann: „Der Sport hat alle Chancen, jungen Menschen ein positives Gegenbild für menschenverachtende Ideologien zu bieten. Fair Play, Teamgeist und Zusammenhalt, das Einhalten von Regeln – das sind Elemente, die auch die demokratische Gesellschaft auszeichnen. Wenn Sportverbände und -vereine mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen an einem Strang ziehen, kann der Sport kräftig mithelfen, Jugendliche gegen Rechtsextremismus und Ausländerhass zu immunisieren.“

Statistische Angaben über rechtsextremistische Vorfälle gibt es für den Fußball, weil der Landesfußballverband Sachsen-Anhalt 2007 ein Sofortmeldesystem für solche Ereignisse einführte. Für die Spieljahre 2008/09 und 2009/10 liegen folgende Daten aus:

  • Anzahl der Spiele insgesamt: 32.340
  • Spiele mit gewalttätigen
  • und rechtsextremistischen Vorkommnissen 68 (0,21 %)
  • Spiele mit gewalttätigen Vorkommnissen 50 (0,15 %)
  • Spiele mit rechtsextremistischen Vorkommnissen 18 (0,06 %)

Vermutet wird jedoch eine hohe Dunkelziffer. In dem Bericht an die Landesregierung werden z. B. Vorfälle bei den Spielen HFC gegen FC Carl Zeiss Jena (August 2008), Kemberg gegen ASG Vorwärts Dessau (Oktober 2009) und Naumburger BC gegen VfB Nessa aufgeführt. Hier gab es Beschimpfungen wie „Juden Jena“, „Juden Kemberg“ oder „Slawenpack“.

Die Landesregierung begrüßte, dass von den Sportverbänden klar Standpunkt gegen rechtsextremistische Tendenzen bezogen worden sei. Insbesondere hat der Landessportbund im September 2010 seine Satzung so geändert, dass die Mitgliedschaft im LSB bei einem groben Verstoß gegen die Interessen des LSB, insbesondere durch die Kundgabe und Duldung extremistischer, neonazistischer, rassistischer, antisemitischer, fremdenfeindlicher, sexistischer und homophober Gesinnung im Verein beendet werden kann. Der Ausschluss des Vereins aus dem LSB hat unter anderem auch zur Folge, dass der Verein keinerlei Mittel aus der Sportförderung des Landes erhält.

Seit Februar 2011 führt der Landessportbund das Projekt „MuT – Menschlichkeit und Toleranz im Sport“ durch, das von Bund und Land mit insgesamt 410.000 Euro gefördert wird. Hauptinhalte des Projekts sind unter anderem der Aufbau eines sportinternen Beratungs- und Coachingteams, Bildungs- und Beratungsangebote innerhalb des LSB und eine interkulturelle Öffnung der Vereine.

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