Verkehrsunfallstatistik 2010 für Niedersachsen

15. März 2011 | Themenbereich: Niedersachsen, Verkehr | Drucken

„Weniger getötete Menschen, weniger schwer verletzte Menschen“, diese positive Bilanz zog der Innenminister anlässlich der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2010. Die engagierte Arbeit der Polizei und aller weiteren Verantwortlichen zeigt die erhoffte Wirkung. „Wir werden uns auf den guten Ergebnissen aber nicht ausruhen. Denn jedes Opfer von Verkehrsunfällen bedeutet unendliches Leid bei den Betroffenen“, so Schünemann in Hannover.

Mit einer Verkehrsinitiative 2020 soll die Zahl der getöteten Personen und die Zahl der Schwerverletzten um mindestens ein Drittel reduziert werden. „Ein ehrgeiziges Ziel“, so der Minister, „das nur durch eine konzertierte Aktion von Polizei, Verkehrsbehörden und -organisationen erreicht werden kann“. Diese Zusammenarbeit sei aber schon gut geübte Praxis.

In diesem Jahr würden alle präventiven, repressiven und straßenbaulichen Maßnahmen überprüft. Dann sollen die Ergebnisse durch Wissenschaft und Verkehrsexperten analysiert werden. Mit modernsten Methoden will man die Verkehrssicherheit bis zum Jahr 2020 entsprechend kontinuierlich erhöhen. Dabei würden besondere Anstrengungen bei Bundesstraßen notwendig sein.

„Nur eines muss klar sein: Verantwortlich für jeden Unfall ist der Verursacher selber! Regelmäßiges Fahrsicherheitstraining und angemessene Geschwindigkeit mindern das Unfallrisiko erheblich“, appelliert der Minister an alle Verkehrsteilnehmer und ergänzt: „Eine defensive und rücksichtsvolle Fahrweise ist immer wichtig – aber besonders, wenn Kinder im Auto mitfahren. Und die Verwendung altersgerechter Kindersicherungssysteme ist eine unbedingte Mindestvoraussetzung, wenn Kinder im Auto mitgenommen werden.“

Zahl der Unfälle nahezu unverändert

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in Niedersachsen ist mit 201.754 nahezu gleich geblieben (+ 0,33 Prozent). Allerdings sagt dies nur wenig über die Entwicklung des tatsächlichen Unfallgeschehens aus, da der Polizei nur etwa die Hälfte der bei den Haftpflichtversicherern gemeldeten Verkehrsunfälle gemeldet werden. Auch als Indikator für den Verkehrssicherheitsstatus ist die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle nur bedingt geeignet. Bei der überwiegenden Anzahl der Unfälle entstehen lediglich Bagatellschäden.

Die Unfälle mit Personenschaden machen mit einer Zahl von 30.347 ca. 15 Prozent aller gemeldeten Unfälle aus. Maßgeblich für die Verkehrssicherheit sind hierbei insbesondere die Zahlen der schwer verletzten und getöteten Unfallopfer.

Zu den einzelnen Schwerpunkten:

Fast 12 % weniger Menschen werden getötet

Im vergangenen Jahr sind in Niedersachsen 479 Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Das entspricht einem Rückgang in Höhe von 11,62 Prozent gegenüber dem Vorjahr (542). „Das ist die geringste Zahl an Verkehrstoten seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1950. In diesem Jahr hatte es in Niedersachsen bereits 840 Verkehrstote gegeben. Die meisten Getöteten waren im Jahr 1972 mit 3.039 Unfallopfern zu verzeichnen“, zeigte sich Minister Schünemann erfreut über diese Entwicklung.

Gerade die längerfristige Betrachtung zeigt, dass in dem Zeitraum von 2001 bis 2010 beträchtliche Sicherheitsgewinne erzielt werden konnten. Innerhalb dieser zehn Jahre ist ein Gesamtrückgang der Verkehrstoten um 335 Opfer zu verzeichnen. Das entspricht einem Minus von 41,15 Prozent.

Fast 1000 Menschen weniger werden schwer verletzt!

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den schwerverletzten Unfallopfern.

Deren Zahl ist im vergangenen Jahr um 13,93 Prozent von 6.647 auf 5.721 zurückgegangen. Damit konnte die Anzahl der schweren Personenschäden innerhalb des Zeitraums von 2001 bis 2010 um ca. 34,15 Prozent reduziert werden.

Zahl der getöteten Jungen Fahrer sinkt um 12,6 Prozent

Auch bei der besonders gefährdeten Zielgruppe der Jungen Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren konnten deutliche Rückgänge erreicht werden.

Mit 97 getöteten jungen Fahrern wurde die Zahl des Vorjahres mit 111 Fällen um ca. 12,61 Prozent unterschritten.
Im Jahr 2001 hatte die Anzahl der im Straßenverkehr getöteten Jungen Fahrer noch bei 162 gelegen. Insgesamt ist damit seit dem ein Rückgang von mehr als 40 % eingetreten. Auch die Zahl der schwerverletzten Jungen Fahrer ist um ca. 14,30 Prozent von 1280 im Jahr 2009 auf 1097 im vergangenen Jahr deutlich gesunken.

Mobilität der Menschen im Alter von über 65 Jahren wird noch sicherer

Auch die schweren Personenschäden bei den Seniorinnen und Senioren im Alter von über 65 Jahren sind deutlich zurückgegangen. Die Zahl der getöteten Unfallopfer sank in dieser Altersgruppe gegenüber dem Jahr 2009 um 23,28 Prozent von 116 auf 89.

Die Zahl der Schwerverletzten ging hier um 18,04 Prozent von 1.186 auf 972 zurück.

Sicherung von Kindern im Fahrzeug hat hohe Priorität

Im vergangenen Jahr haben bei 17 Verkehrsunfällen 18 Kinder ihr Leben verloren. In den Jahren 2008 und 2009 war diese Zahl bereits einmal auf 15 bzw. 12 zurückgegangen. Bei näherer Betrachtung dieser 17 Verkehrsunfälle aus dem vergangenen Jahr ist festzustellen, dass 13 der 18 getöteten Kinder als Insasse in einem Pkw zu Tode gekommen sind. Lediglich drei dieser Unfälle ereigneten sich innerhalb geschlossener Ortschaften. 14 Unfälle ereigneten sich auf Landstraßen.

Diese Zahlen belegen die wesentliche Rolle von Landstraßenunfällen auch für die Verkehrssicherheit von Kindern und zeigen auf, wie wichtig die richtige Sicherung von Kindern im Auto ist. Dass die Sensibilität erwachsener Autofahrer für die Sicherheit der in ihrer Obhut stehenden Kinder in der Summe noch verbessert werden kann, ergibt sich auch aus einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen. Nach den Untersuchungsergebnissen aus dem Jahr 2009 wurde jedes vierte Kind ab sechs Jahren mit Erwachsenengurten und damit nicht altersgerecht gesichert. Zwei Prozent der Kinder wurden überhaupt nicht angeschnallt.

Straßenverkehrsbehörden, Schulen, Straßenbaulastträger und die Polizei unternehmen erhebliche Anstrengungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit unserer Kinder. Die Zahlen zeigen aber, dass es nicht ohne die Eltern geht. Eine defensive und rücksichtsvolle Fahrweise ist immer wichtig – aber besonders, wenn Kinder im Auto mitfahren. Und die Verwendung altersgerechter Kindersicherungssysteme ist eine unbedingte Mindestvoraussetzung, wenn Kinder im Auto mitgenommen werden. Dass sich demnach die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr insgesamt weiter verbessert, zeigt die Entwicklung der Zahlen schwer verletzter Kinder. Diese haben sich von 431 im Jahr 2009 auf 396 im vergangen Jahr um 8,12 Prozent reduziert.

Baumunfälle

Die rückläufige Entwicklung schwerer Unfallfolgen im Zusammenhang mit Baumunfällen hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Mit 151 Verkehrstoten konnte der deutliche Rückgang des Vorjahres stabilisiert und mit 3,21 Prozent weiter gesenkt werden. Im Jahr 2009 hatte der Rückgang gegenüber dem Vorjahr 30,77 Prozent betragen. Dessen ungeachtet stirbt in Niedersachsen jeder dritte Verkehrstote bei einem Baumunfall.

Verteilung der Getöteten auf Landstraßen, geschlossene Ortschaften und BAB:

Ca. 71,8 Prozent aller Verkehrstoten kommen bei einem Unfall auf Landstraßen – also den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften – ums Leben. Hier wird die Polizei auch weiterhin einen Schwerpunkt ihrer Verkehrssicherheitsarbeit legen müssen.

Demgegenüber stellen die niedersächsischen Autobahnen die vergleichsweise sichersten Straßen dar. Hier waren im vergangenen Jahr 51 Verkehrstote zu verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr stellt dieser Wert einen Rückgang von 5,56 Prozent dar. Die Zahl der Schwerverletzten auf Autobahnen ist sogar um 18,06 Prozent von 504 im Jahr 2009 auf 413 gesunken. Insgesamt sind ca. 10,6 Prozent der getöteten Unfallopfer auf Autobahnen zu verzeichnen.

Strategien erfolgreich: Einfluss von Drogen, Medikamenten und Alkohol geht deutlich zurück

Rückläufig entwickeln sich auch die Zahlen der Alkohol- und Drogenunfälle.

So sind die Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss gegenüber dem Jahr 2009 von 3.963 auf 3.425 um 13,58 Prozent deutlich zurückgegangen. Innerhalb von 10 Jahren konnte die Anzahl der Alkoholunfälle damit um 39,24 Prozent reduziert werden. Diese Entwicklung ist ein deutlicher Beleg für die rückläufige gesellschaftliche Akzeptanz des Fahrens unter Alkoholeinfluss. Dennoch stellt Alkohol am Steuer noch immer eine der Hauptursachen für schwere Verkehrsunfälle dar.

Im Bereich des „Fahrens unter Drogeneinfluss“ hatte es sich die Polizei zum Ziel gesetzt, durch gezielte Aufklärungsmaßnahmen und verstärkte Kontrollaktivitäten dem negativen Trend zu begegnen. Die Polizei hat erfolgreich deutlich gemacht, dass sie drogenbeeinflusste Fahrzeugführer erkennt und den Tatbestand des Führens von Kraftfahrzeugen unter Drogeneinfluss sicher dokumentiert.

Die Unfallzahlen in diesem Deliktsbereich sind von 315 im Jahr 2009 auf 246 im vergangenen Jahr gesunken. Das entspricht einem Rückgang um 21,90 Prozent. Gleichzeitig sind bei Verkehrskontrollen 5.208 Personen unter Drogen- und Medikamenteneinfluss angetroffen worden. Nach dem Höchststand im Jahr 2008 mit 7.113 Taten entspricht dies einem Rückgang von insgesamt 26,78 Prozent.

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