„Sei schlau, geh“ in den Bau!?“

14. März 2011 | Themenbereich: Mecklenburg-Vorp., Strafvollzug | Drucken

Im Rahmen einer Veranstaltung des Arbeiter-Samariter-Bundes Anklam, an dem neben Schulsozialarbeitern, Jugendliche und ihre Betreuer aus der Region und Mitglieder des Arbeiter-Samariter-Bundes teilnehmen, sagte Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) klar und deutlich: „Jugendvollzug ist kein Hotelbetrieb und kein Wunschkonzert! Wer landet denn im Jugendvollzug? Es sind die Jugendlichen und Heranwachsenden, denen häufig nach einer längeren „kriminellen Karriere“ die Rote Karte gezeigt werden musste. Gemeinnützige Arbeit, Verwarnungen oder Jugendarrest haben diese Jugendlichen nicht beeindruckt. Alle Verantwortlichen im Jugendvollzug, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendanstalt Neustrelitz, arbeiten mit den jugendlichen Gefangenen nun intensiv daran, dass diese oft schwierigen Jugendlichen wieder so auf das Leben vorbereitet werden, keine neuen Straftaten zu begehen.“

Justizministerin Uta-Maria Kuder erläutert: „Ein wichtiger Punkt ist hierbei die Ausbildung: Jugendliche und heranwachsende Gefangene der Jugendanstalt Neustrelitz erhalten grundsätzlich die Möglichkeit, an schulischen und beruflichen Bildungsmaßnahmen teilzunehmen. Dies ist für die Resozialisierung – der Befähigung zu einem straffreien Leben nach dem Vollzug – unentbehrlich! Die jugendlichen Strafgefangenen werden oft erstmals im Rahmen des Vollzugs dazu angeleitet, regelmäßig zu arbeiten und sich in einen geordneten Tagesablauf einzufinden. Die jugendlichen Strafgefangenen sollen nach einem Aufenthalt in der Jugendanstalt wieder zu akzeptierten Mitgliedern unserer Gesellschaft werden. Hierfür geben wir ihnen unsere Unterstützung, um in Freiheit wieder Fuß zu fassen. Sonst geraten sie schnell an den Rand der Gesellschaft und damit vielleicht in die Versuchung, alte kriminelle Gewohnheiten wieder aufzunehmen. Damit ist niemandem gedient – nicht der Gesellschaft und nicht den Entlassenen.“

Justizministerin Uta-Maria Kuder weiter: „Der Jugendvollzug in Neustrelitz hat „Vorzeigecharakter“: Jeder zu einer Straftat verurteilte jugendliche Straftäter durchläuft hier ein umfangreiches Diagnose- und Aufnahmeverfahren. In diesem werden auf der Grundlage festgestellter Defizite und der begangenen Straftaten die Teilnahme an spezifischen Behandlungsmaßnahmen festgelegt.“

„Besonders hervorheben möchte ich die Sozialtherapie“, so Ministerin Kuder. „Dort werden Täter therapiert, bei denen die Straffälligkeit vor allem auf das Fehlen allgemeiner sozialer Fähigkeiten zurückzuführen ist. Sie gelten nicht als psychisch krank, weisen aber Störungen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung auf. In der Sozialtherapie müssen sich die Gefangenen mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und sich ihren Straftaten stellen. Diese Auseinandersetzung ist kein „Zuckerschlecken“ , sondern bedeutet ans „Eingemachte“ zu gehen. Die Jugendlichen müssen verstehen lernen, was sie mit ihrem Verhalten für einen Schaden angerichtet und Menschen an Leid zugefügt haben.“

„Auch sportliche Aktivitäten dienen im Jugendvollzug nicht nur dem Spaß!“, erläutert Ministerin Kuder. „Nehmen wir das Beispiel Fußball: Hier mitzumachen, ist ein wichtiger Schritt in Richtung Toleranz, Offenheit und Verständnis. Auf dem Fußballplatz gelten unabhängig aller Leidenschaft und allem Ehrgeiz die Regeln der Fairness. Erfolgreich kann eine Mannschaft nur sein, die Teamgeist und „Fair Play“ zeigt. „Fair Play“ beschreibt eine Haltung des Sportlers – Achtung und Respekt vor dem sportlichen Gegner. Es gilt, die Würde des Gegners zu achten, selbst im härtesten Spiel. Ich wünsche mir für unsere Strafgefangenen, dass diese menschliche Haltung auch Auswirkungen auf das gesamte soziale Miteinander hat. Sie sollen die Möglichkeit nutzen, „Fair Play“ beim Fußballspiel zu trainieren, um in ihrem weiteren Leben – insbesondere dem Leben nach dem Vollzug – darin geübt zu sein.“

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