Neue Dienstzeiten bei der Polizei

11. März 2011 | Themenbereich: Berlin, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Innensenator Körting (SPD) verwies in der Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin am 17.02.2011 im Zusammenhang mit den neuen Arbeitszeiten im rund um die Uhr zu gewährleistenden Schichtdienst der Berliner Polizei auf die Verpflichtung des Landes Berlin, „die Ressourcen sinnvoll, möglichst effektiv und kostensparend einzusetzen“.

Damit wird erstmalig deutlich, welchem Grundgedanken die seit Januar 2011 praktizierte Veränderung tatsächlich entspringt!

Bisher waren gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stets familienfreundlichere und gesündere Dienste gemäß EU-rechtlicher bzw. bundesrechtlicher Vorgaben als Grund für die Umstellung genannt worden. Offenbar sind familienpolitische oder gesundheitliche Aspekte jedoch nicht die wahren Gründe, wie den Ausführungen von Innensenator Körting zu entnehmen ist. Die ausschließlich statistisch hinterlegte Argumentation (Anzahl von Dienstantritten) des Innensenators sowie die angebliche, jedoch in der Sache verkürzte Darstellung neuer Flexibilität bei den Arbeitszeiten, lassen nachdenklich werden.

Gerade die Arbeitszeiten in den betroffenen Bereichen der Kriminalpolizei sind nach wie vor nicht flexibel. Eine hochwertige kriminalpolizeiliche Sofortbearbeitung zu jeder Zeit, 24 Stunden an sieben Tagen der Woche, zu gewährleisten, ist Aufgabe des Kriminaldauerdienstes. Dessen Einsatzlage lässt sich, ähnlich wie bei der Feuerwehr, nur eingeschränkt prognostizieren und daher wird aufgrund der neuen Dienstzeiten auch keine Reduzierung bei den erforderlichen Personalstärken eintreten.

Es steht vielmehr zu erwarten, dass die Belastung durch die neuen Arbeitszeiten zu dauerhaft höheren Krankenständen und damit zu einem höheren Personalbedarf in diesem Bereich führen wird!

Die (Kriminal)Polizei lebt vom Engagement und einer positiven Berufseinstellung gesunder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – das macht die Qualität der Dienstleistung am Bürger ganz wesentlich aus! Die Entbehrungen im Familienleben und die körperliche und psychische Überlastung, die die neuen Arbeitszeiten insbesondere für den Kriminaldauerdienst mit sich bringen, sind für die Kolleginnen und Kollegen untragbar geworden!

Bei nur fünf dienstfreien Tagen im Monat werden die gesundheitlichen Herausforderungen des Schichtdienstes nicht ausreichend ausgeglichen. Auch die mentale Anspannung bei der täglichen Bearbeitung von Leichensachen, Vergewaltigungen oder Raubtaten und anderen belastenden Sachverhalten ist nicht zu unterschätzen.

Hierzu ausreichenden Abstand zu gewinnen ist wesentliche Voraussetzung für den Umgang mit derartigen Ereignissen, deren Verarbeitung und damit der Gesunderhaltung aller Mitarbeiter!

Als Konsequenz der bisherigen Erfahrungen des Probelaufs sowie im Hinblick auf die noch zu erwartenden Folgen der Beibehaltung des derzeit praktizierten Schichtdienstes ist aus Sicht des BDK Berlin die Rückkehr zu dem bewährten, familienfreundlicheren und gesünderen 12,5h- Dienst zwingend und vor allem zeitnah erforderlich!

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.