Immer weniger junge Menschen werden straffällig

7. März 2011 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Niedersachsen | Drucken

Die niedersächsische Landesregierung misst der Bekämpfung der Jugendkriminalität insgesamt eine herausragende Bedeutung zu. Hier sind seit der Regierungsübernahme 2003 wichtige, substantielle Weichenstellungen vorgenommen worden. „Wir haben individuell reagiert und im Rahmen der Umorganisation der Polizei Spezialisten in der Jugendsachbearbeitung in besonderen Fachkommissariaten und Arbeitsfeldern der Dienststellen eingesetzt“, erläuterte Minister Schünemann. „Mit dem Wohnortprinzip haben wir zum Beispiel besondere Konzepte für die Zielgruppe minderjähriger Tatverdächtiger entwickelt und die Erkenntnis, dass Jugendliche bei Gewalttaten häufig alkoholisiert sind, als Grundlage für gezielte Programme wie Alkoholkontrollen und Testkäufe genutzt. Diese Rahmenbedingungen ermöglichen es, die Jugendkriminalität konsequent zu bekämpfen. Die Jugendermittlerinnen und -ermittler haben aber auch eine beratende Funktion und das unterstreicht den helfenden Charakter dieser Strategie“, so Minister Schünemann.

„Besonders froh bin ich darüber, dass unser Intensivtäter-Konzept offensichtlich Wirkung erzielt. Die Zahl der jugendlichen Täter, die sehr häufig und besonders schwere Straftaten begehen ist, von 116 im Jahr 2009 auf 91 im Jahr 2010 gesunken“.

Die Zahlen zeigen sich in nahezu allen Bereichen sehr positiv: Im vergangenen Jahr sind weniger minderjährige Tatverdächtige festgestellt worden und auch die Anzahl der Straftaten dieser Personengruppe ist zurück gegangen. Zudem gab es in den letzten 10 Jahren noch nie so wenig nichtdeutsche minderjährige Tatverdächtige. Weniger Jugendliche wurden alkoholisiert angetroffen und die Quote der festgestellten Verstöße bei Alkoholtestkäufen ist auf einem neuen Tiefstand.

Immer weniger junge Menschen werden straffällig 49.054 der aufgeklärten Fälle im Jahr 2010 sind von Kindern und Jugendlichen begangen worden; das sind über 4.600 Fälle (minus 8,60 %) weniger als im Jahr 2009, stellt den niedrigsten Wert der vergangenen 14 Jahre dar und liegt damit fast auf dem Wert von 1996 mit 48.656 Fällen. (2002: 56.484 – 2003: 53.027)

Im Jahr 2010 wurden 37.521 (Vorjahr 42.202) minderjährige Tatverdächtige ermittelt (minus 11,09%) – der niedrigste Wert der vergangenen 14 Jahre – (2002: 43.791 – 2003: 44.352) und erreicht damit fast den Wert von 1996 mit 37.084 minderjährigen Tatverdächtigen.

Die Tatverdächtigenzahlen Minderjähriger haben sich im 10-Jahres-Vergleich 2001 bis 2010 wie folgt verändert:

  • Kinder: -22,60%
  • Jugendliche: – 6,71%
  • Minderjährige gesamt: -12,00%

Tatverdächtigenbelastungszahl sinkt deutlich

Die Anzahl der jugendlichen Tatverdächtigen je 100.000 Einwohner (TVBZ) dieser Altersgruppe ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken und liegt bei 7.455 (2009: 8.318). Bei den tatverdächtigen Kindern liegt der Wert bei 2.069 (2009: 2.217)

Die TVBZ zeigt klar auf, dass die Kinder- und Jugendkriminalität nicht zurückgegangen ist, weil die Bevölkerungszahl von Kindern und Jugendlichen rückläufig ist, sondern weil die Minderjährigen nicht nur absolut, sondern auch in Relation zu ihrer Bevölkerungszahl weniger häufig mit Straftaten aufgefallen sind. Diese erfreuliche Entwicklung war bereits im Jahre 2009 zu erkennen; allerdings nicht in dieser Deutlichkeit zu erwarten.

Viele Maßnahmen der Polizei im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Jugendkriminalität konnten im Zusammenwirken mit anderen Stellen in den vergangenen Jahren in Niedersachsen entwickelt und umsetzt werden.

Die Gewaltdelikte gehen weiter zurück

Im Jahr 2009 wurden insgesamt 71.628 Rohheitsdelikte registriert; davon wurden 2.095 Fälle von Kindern und 8.550 Fälle von Jugendlichen begangen.

Im Jahr 2010 sind diese Zahlen zurück gegangen:

Insgesamt wurden 70.742 Rohheitsdelikte (minus 886 Fälle) registriert; davon wurden 2.045 Fälle von Kindern (minus 50 Fälle) und 7.770 Fälle (minus 780 Fälle). Der bereits in den vergangenen zwei Jahren festgestellte Rückgang der von Minderjährigen verübten gefährlichen und schweren Körperverletzungen auf Straßen, Wegen und Plätzen, also in der Öffentlichkeit, hat sich im vergangenen Jahr fortgesetzt.

Lag die Anzahl dieser Fälle 2007 noch bei 2.081 Fällen, sank sie 2010 bereits auf 1.338 Fälle. Das ist ein Rückgang um etwa 36% dieser Delikte, die das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zudem nachhaltig beeinflussen.

Die Anzahl dieser hierzu ermittelten tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen ist gegenüber dem Höchstwert aus dem Jahr 2007 (3.971 TV) auf 2.698 TV (2009: 3.275 TV) gesunken. Diese Entwicklung ist sicher auch der Präsenzerhöhung der Polizei an Brennpunkten, z. B. im Umfeld von Diskotheken und an Veranstaltungsorten mit gezielten Kontrollmaßnahmen und Präventionsstreifen zuzuschreiben.

Diebstahlsdelikte auf dem tiefsten Stand der letzten 10 Jahre

Im Jahr 2010 wurden 18.306 Diebstahlsdelikte durch Minderjährige begangen; dies stellt gegenüber dem Jahr 2009 einen Rückgang der Fallzahlen um fast 4.000 Fälle (2009 = 22.247) dar. Im vergangenen Jahr haben erneut fast die Hälfte (45%) der unter 18-Jährigen Tatverdächtigen einen Diebstahl begangen. Dieser Deliktsbereich prägt somit trotz der Fall- und TVRückgänge die Jugenddelinquenz. Zu nennen ist hier insbesondere der Diebstahl ohne erschwerende Umstände mit 14.658 minderjährigen TV. Dabei ragt der Ladendiebstahl als klassisches jugendtypisches Delikt heraus.

Diese Entwicklung ist seit Jahren unverändert, unabhängig davon wie sich die Fall- und TVZahlen insgesamt entwickeln. Insgesamt ist bei den Diebstahlsdelikten ein Rückgang auf 16.917 minderjährige Tatverdächtige im Jahr 2010 (2009: 19473) zu verzeichnen; den tiefsten Stand der vergangenen 10 Jahre (2001: 22.897 minderjährige TV).

Kinder- und Jugendkriminalität in Verbindung mit Alkohol sinkt weiter

Das bewusste exzessive Rauschtrinken von Kindern und Jugendlichen ist weiterhin erschreckend und als „Gewaltkatalysator“ von besonderer Bedeutung. Und auch der Blick auf die Zahlen der minderjährigen Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss in der PKS 2010 gibt trotz positiver Entwicklung keinen Grund zur Entwarnung.

Dennoch: Die Anzahl der Fälle, in denen zumindest ein Tatverdächtiger alkoholisiert war, ist insgesamt auf 49.512 Fälle (Vorjahr 51.591 Fälle) gesunken. Im Jahr 2010 standen von den 37.521 minderjährigen Tatverdächtigen 3.122 Kinder und Jugendliche (8,32%) unter Alkoholeinfluss (2009: 3.705 minderjährige TV = minus 8,8%). Für den Bereich der gefährlichen und schweren Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plätzen sind mit 541 Tatverdächtigen gegenüber 634 TV in 2009 und 753 TV in 2008 (2009 Rückgang 15,80%; 2010 Rückgang 14,77%) erneut deutlich weniger Minderjährige unter Alkoholeinfluss registriert worden.

Der Anteil der 16- bis 18-jährigen Jugendlichen daran betrug 86,17%. Alkoholbeeinflussung spielt als Grund für die Begehung von Straftaten bei Kindern (Anteil aller TV bei 0,16%) keine wesentliche Rolle. Hingegen waren Jugendliche mit einem Anteil von 9,35% aller Tatverdächtigen unter Alkoholeinfluss beteiligt. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies aber einen Rückgang von 1,02 Prozentpunkten.

Die Polizei wird hier in ihren Anstrengungen nicht nachlassen, diesen besonders bei Kindern und Jugendlichen erschreckend oft festzustellen Alkoholkonsum entschieden zu begegnen. Dies sowohl im Rahmen von gezielten polizeilichen Alkoholkontrollen bei erkennbar Minderjährigen, wie auch durch weitere Alkoholtestkäufe durch Jugendliche.

Alkoholkontrollen bei Minderjährigen.

Im Jahr 2010 hat die Polizei insgesamt fast 20.000 Kinder und Jugendliche (19.415) kontrolliert, dabei stellte sie bei rund 9.000 Minderjährigen Alkoholeinfluss fest. In über 3.500 Fällen mussten diese Minderjährigen entweder von den Eltern abgeholt oder gebührenpflichtig (953 Gebührenrechnungen) nach Hause gebracht werden. In 280 Fällen mussten Bußgeldverfahren und in 8 Fällen Strafanzeigen nach dem Jugendschutzgesetz gefertigt werden; die Jugendämter erhielten in 1.851 Fällen Kenntnis. Im Jahr 2010 wurden in Niedersachen insgesamt 2.537 Alkoholtestkäufe durch Jugendliche durchgeführt.

Lag die durchschnittliche Quote der dabei festgestellten Verstöße in 2008 noch bei 54,5 %, so verringerte sich diese Quote im Jahr 2009 auf durchschnittlich 44,5% und lag im Jahr 2010 bei 37,6%. Die im Jahre 2010 insgesamt 953 festgestellten Verstöße haben zur Einleitung von 726 Bußgeldverfahren geführt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen aber auch, dass insbesondere die Vor- und Nachbereitung dieser Maßnahmen einen nicht unerheblichen präventiven Effekt haben. So fanden regelmäßige Vorankündigungen von Testkäufen in der örtlichen Presse und intensive Gespräche mit den kontrollierten Verkaufsstellen im direkten Anschluss an die Testkäufe statt.

Netzwerk zwischen Schulen, Polizei und Staatsanwaltschaften verhindert Straftaten

7.498 Straftaten im Schulkontext (Vorjahr 8.133) sind im vergangenen Jahr bekannt geworden. Neben deutlich geringeren Fallzahlen bei der Diebstahlkriminalität – etwa 3.200 Fälle (Vorjahr fast 3.700 Fälle) – wurde eine nahezu gleichbleibende Anzahl von Körperverletzungsdelikten begangen: 2.023 Fälle (Vorjahr 2.015 Fälle). Diese insgesamt seit Jahren positive Entwicklung bei den Straftaten im Schulkontext ist auf die enge Netzwerkarbeit zwischen den Schulen, den Staatsanwaltschaften und der Polizei zurückzuführen und zeigt, dass kein Dunkelfeld an Schulen entsteht. Die Zusammenarbeit von Schule, Polizei und Staatsanwaltschaft basiert auf einem gemeinsamen Erlass von Kultus-, Justiz- und Innenressorts und verpflichtet die Schule und die Polizei sich gegenseitig über bestimmte Straftaten an Schulen (z.B. Raubdelikte, Sachbeschädigung, Körperverletzung) zu informieren, einen ständigen Kontakt untereinander zu halten und auf die umfangreichen und effektiven Präventionsangebote der Polizei zurückzugreifen.

Diese Kooperation hat sich seit vielen Jahren bewährt und ist mittlerweile fester Bestandteil der Bekämpfung der Kinder- und Jugenddelinquenz. Das Netzwerk hat darüber hinaus das gegenseitige Verständnis zwischen den beteiligten Institutionen verbessert und das Zusammenwirken vorangetrieben. Bei dieser guten Zusammenarbeit von Schule und Polizei werden auch die speziell für Kinder und Jugendliche gerichteten Präventionsmaterialien des bundesweiten Programms der Polizeilichen Kriminalprävention (ProPK) eingesetzt

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