Strafgefangene – ein Potenzial zur Verringerung des Fachkräftemangels?

4. März 2011 | Themenbereich: Mecklenburg-Vorp., Strafvollzug | Drucken

Auf gemeinsame Initiative des Justizministeriums und Herrn Lothar Wilken, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern e.V. (VUMV), fand gestern in der Jugendanstalt Neustrelitz die Geschäftsführerkonferenz der VUMV statt.

Die Konferenz warf im Schwerpunktthema die Frage auf: „Strafgefangene – ein Potential zur Verringerung des Fachkräftemangels in Mecklenburg-Vorpommern?“. Ein mit der Jugendanstalt eng kooperierender Unternehmer berichtete aus erster Hand über die Erfahrungen mit der Beschäftigung von Strafgefangenen in seinem externen Bereich.

Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) begrüßt das Treffen und kommentierte die Konferenz: „Alle Beteiligten sprachen von einem gelungenen Einstieg in eine für sie neue Thematik. Es ist ein erster Stein ins Wasser geworfen!“

Lothar Wilken erklärte: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und Arbeitskräftemangels in Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, die Möglichkeiten zur Kooperation zwischen Unternehmen und Justizvollzug und zur Zusammenarbeit bei der Ausbildung auszuloten.“

„Das vom Strafvollzugsgesetz vorgegebene Ziel des Strafvollzugs, die Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft, gilt auch und in besonderem Maße für die Arbeitsbetriebe im Justizvollzug“, so Ministerin Kuder weiter. „Die sinnvolle Beschäftigung der Gefangenen ist für eine erfolgreiche Resozialisierung von zentraler Bedeutung. Die Gefangenen sollen im Vollzug befähigt werden, im Anschluss an ihre Haftzeit ihr Leben künftig in sozialer Verantwortung straffrei zu führen. Das bedeutet, sie müssen in die Lage versetzt werden, ihren Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdienen zu können. Daher ist es mir wichtig, dass zunehmend Unternehmer in unserem Land gewonnen werden, die mit dem Justizvollzug kooperieren. Die Veranstaltung in der Jugendanstalt Neustrelitz hat hier ein wichtiges Zeichen gesetzt, von dem beide Seiten profitieren können: Die Unternehmen und der Justizvollzug!“

1 Kommentar
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  1. Der Ansatz scheint sehr vernünftig.

    Aus einem ähnlichen Gesichtspunkt ist „Leonhard | Unternehmertum für Gefangene“ gegründet worden. Leonhard ist ein gemeinnütziges Unternehmen zur unternehmerischen Qualifizierung von Strafgefangenen. Die Gefangenen werden bei der Integration in die Gesellschaft nach ihrer Entlassung unterstützt, das Programm setzt aber bereits vor der Entlassung an. Das Ziel ist, durch das Programm die Rückfallquote erheblich zu senken.

    Neben den vorhandenen schulischen und beruflichen Bildungsangeboten im Strafvollzug will Leonhard ehemalige Strafgefangene zur Gründung kleiner Dienstleistungsunternehmen befähigen. Dies erfolgt in Verbindung mit der Vermittlung von Sozialkompetenz und Werten als Voraussetzung für eine berufliche Wiedereingliederung.

    Vorbild für Leonhard ist das im Jahr 2004 in Texas/USA gegründete Prison Entrepreneurship Program (PEP). PEP hat in den vergangenen sechs Jahren mit großem Erfolg über 600 Strafgefangene auf dem Weg zurück in die Gesellschaft begleitet. Besonders bemerkenswert ist, dass durch das Programm die Rückfallquote, die in Texas normalerweise bei 50-70 % liegt, bei den Absolventen des Programms auf unter 10% gesenkt wurde.

    http://www.leonhard-ufg.de

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