Unfall- und Kontrollbilanz gewerblicher Güterverkehr 2010

2. März 2011 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Verkehr | Drucken

„Der erfreuliche wirtschaftliche Aufschwung hat zu mehr Lkw-Verkehr und damit leider auch zu mehr Unfällen geführt.“ Das sagte Landespolizeipräsident Dr. Wolf Hammann bei der Vorstellung der Unfall- und Kontrollbilanz des Jahres 2010 zum gewerblichen Güterverkehr am Mittwoch, 2. März 2011, an einer Kontrollstelle der Polizei bei der Raststätte Sindelfinger Wald.

Die Polizei habe im vergangenen Jahr 15.938 Unfälle mit Beteiligung von Fahrzeugen des gewerblichen Güterverkehrs registriert (2009: 14.371, + elf Prozent). Dabei seien 117 Personen tödlich (2009: 115, + 1,7 Prozent), 791 schwer (2009: 760, + 4,1 Prozent) und 3.550 leicht (2009: 3.347, + 6,1 Prozent) verletzt worden. Die Analyse der Unfälle mit Lkw-Beteiligung habe auch ergeben, dass bei 10.999 Unfällen 69 Prozent der Fahrer selbst den Unfall verursacht haben. „Lkw-Unfälle haben aufgrund des Gewichts von Fahrzeug und Ladung leider oft schwere Folgen“, sagte der Landespolizeipräsident. Dies sei auch die Erklärung für die hohe Zahl von 117 Verkehrstoten. Darunter seien 20 Lkw-Fahrer. Deshalb müssten Lkw-Fahrer besondere Vorsicht und Umsicht walten lassen. „Wenn andere Verkehrsteilnehmer mit einem Lkw zusammenstoßen, ist das Verletzungsrisiko für sie deutlich höher als für den Lkw-Fahrer. Deshalb tragen die Lkw-Fahrer bei ihrem harten Job täglich eine hohe Verantwortung für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer“, so der Landespolizeipräsident weiter.

Neben zahlreichen Aufklärungsmaßnahmen, beispielsweise die von der Polizei durchgeführten „Trucker-Treffs“, seien Kontrollen ein wichtiger Baustein für mehr Sicherheit im Transportgewerbe. „Lkw-Kontrollen sorgen für einen gerechten Wettbewerb der Unternehmer, schützen die Fahrer vor zu hoher Arbeitsbelastung und dienen letztendlich der Verkehrssicherheit“, sagte Hammann. Deshalb werde in diesem Jahr nochmals ein Schwerpunkt bei der Vermögensabschöpfung gesetzt. Damit wolle man erreichen, dass Gewinne, die beispielsweise durch Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten sowie Überladung von den „Schwarzen Schafen“ einbehalten werden könnten. So seien im Jahr 2010 gegen Spediteure 554 sogenannte Verfallsverfahren eingeleitet und abgeschlossen worden. Die zuständigen Bußgeldstellen hätten Bescheide in Höhe von über 1,5 Millionen Euro ausgesprochen. „Ich habe Verständnis für den hohen Konkurrenzdruck unter teilweise schwierigen Rahmenbedingungen im Speditionsgewerbe. Dies ist jedoch keine Entschuldigung für gesetzwidriges Verhalten“, sagte der Landespolizeipräsident.

Die Polizei habe im Jahr 2010 zwar weniger Lkw kontrolliert (2010: 173.883, 2009: 191.547, – 9,2 Prozent), aber dennoch 69.761 (2009: 68.991) und damit mehr als 2009 beanstanden (Beanstandungsquote 40,1 Prozent) müssen. „Dies zeigt, dass Kontrollen dringend erforderlich sind. Die Polizei setzt dabei Spezialisten ein, um spezifische Verstöße aufdecken zu können“, sagte Hammann. Diese Kontrollen würden mit modernster Kontrolltechnik durchgeführt. Es seien beispielsweise neue Netbooks beschafft worden, mit denen die Lenk- und Ruhezeiten ausgelesen und sofort analysiert werden könnten. „Wir erkennen Verstöße sofort und können eine Anzeige vor Ort fertigen. Für die kommenden Jahre streben wir an, die Anzeigen noch von der Kontrollstelle aus digital an die zuständigen Bußgeldstellen zu übertragen“, kündigte der Landespolizeipräsident an. Dies erspare bürokratischen Aufwand und ermögliche damit zusätzliche Kontrollkapazitäten. Angesichts der prognostizierten Zunahme des gewerblichen Güterverkehrs seien diese zwingend erforderlich. „Wir wollen auch künftig dazu beitragen, dass der Lkw-Verkehr sicher ist, möglichst wenige Lkw-Unfälle geschehen und dass es einen fairen Wettbewerb mit guten Arbeitsbedingungen für die Lkw-Fahrer geben kann“, sagte der Landespolizeipräsident.

Weitere Informationen:

Die Polizei stellte 80.430 Verstöße gegen arbeitszeitrechtliche Verstöße fest. Diese waren in 1.358 Fällen so gravierend, dass die Weiterfahrt untersagt werden musste.

Außerdem wurden bei der Überprüfung des technischen Zustands der Fahrzeuge 16.941 teilweise erhebliche Mängel festgestellt. 3.262 Mal wurde deshalb die Weiterfahrt des Fahrzeuges an Ort und Stelle unterbunden.

Bei den Kontrollen wurden 53.657 Fahrzeuge beanstandet, die in der Bundesrepublik zugelassen waren. Weitere 12.815 stammten aus EU-Staaten und 1.878 hatten ihren Firmensitz außerhalb der EU. Diese Verteilung entspricht ungefähr dem Anteil ausländischer Lkw am Gesamtverkehrsaufkommen in Baden-Württemberg.

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