Task Force Internet

2. März 2011 | Themenbereich: Kriminalität, Nordrhein Westfalen | Drucken

Die Ermittler der Zentralen Internetrecherche (ZIR) im Landeskriminalamt NRW deckten im Internet bisher mehr als 3.000 Straftaten auf. „Die Erfolge in den vergangenen drei Jahren sind beeindruckend. In jedem einzelnen Fall ist es den Experten gelungen, den Täter aus der scheinbaren Anonymität des Internets heraus zu holen“, sagte Innenminister Ralf Jäger heute (1. März) in Düsseldorf.

Die zehn Spezialisten der Task Force gehen täglich systematisch Streife in Tauschbörsen, Blogs, Kommunikationsforen, Videoplattformen und Sozialen Netzwerken. „Neben selbstentwickelten, automatisierten Recherchetools verfügen die Ermittler über langjährige Erfahrung und kriminalistisches Gespür“, hob Jäger hervor.

Zu den von der ZIR aufgeklärten Fällen gehören der Tausch und Verkauf von kinderpornografischen Bildern sowie Fälle von Kindesmissbrauch, illegaler Handel mit Anabolika, Potenzmitteln und gefälschten Medikamenten ebenso wie politisch motivierte Straftaten von gewaltbereiten Extremisten. „Die Schäden, die durch solche Straftaten im Internet verursacht werden, sind keineswegs virtuell, sondern sehr real – finanziell wie psychisch“, sagte Jäger. „Sie haben für die Opfer teils immense Folgen und verursachen nicht selten irreparable psychische Schäden.“

Im vergangenen Jahr hat die ZIR in NRW unter anderem 67 Fälle von Kindesmissbrauch, 77 Fälle von illegalem Arzneimittelhandel, 277 Fälle politisch motivierter Straftaten und 717 Fälle mit Kinderpornografie aufgedeckt.

„Jeder einzelne Fall zeugt von großer krimineller Energie der Täter, die sich durch die Anonymität des Internets scheinbar gedeckt sahen“, hob Ralf Jäger hervor. Wie beispielsweise der Beziehungstäter – ein Mann, der sich über Partnerbörse und Foren mit arglosen Frauen verabredete, um sie dann als reisender Täter beim Besuch in ihrer Privatwohnung zu bestehlen. Als ihm die Task Force aus Düsseldorf auf die Schliche kam, dauerte es gerade mal zwei Stunden, seinen Aufenthaltsort zu ermitteln und ihn festzunehmen.

„Besonders erschreckend und abstoßend sind Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Kinderpornografie“, machte der Innenminister deutlich. Wie bei dem 47-jährigen Täter aus NRW, dem die Internet-Kriminalisten durch ihre Recherchen 250 Missbrauchsfälle an einem 16-jährigen Mädchen nachweisen konnten. Das Martyrium des Mädchens hatte bereits vier lange Jahre gedauert.

Ganz ähnlich wie das Mädchen, das mit Duldung seiner Stiefmutter, über fünf Jahre missbraucht wurde und für pornografische Fotos herhalten musste. Der 34-jährige Täter flog auf, als die ZIR einem Tauschring für Kinderpornografie auf die Spur kam.

22 Monate Gefängnis bekam ein Täter, der von Deutschland aus einen schwunghaften illegalen Handel mit Arzneimittel betrieben hatte. In seinem Internet-Shop, der eigentlich nur Eingeweihten zugänglich war, bot er zum Teil selbst hergestellte Muskelaufbaupräparate und Potenzmittel an. Mitarbeiter der ZIR waren auf den Shop gestoßen und hatten mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft sogenannte Beweiskäufe gemacht, mit denen der Kriminelle überführt wurde.

Die Spezialdienststelle arbeitet bereits heute hocheffizient. „Sie könnte allerdings noch wirkungsvoller sein“, sagte Jäger. „Der Wegfall der Mindestspeicherfrist für Telekommunikationsdaten hat zu einer gravierenden Schutzlücke in unserem Rechtssystem geführt.“ Allein im vergangenen Jahr konnten wegen dieser fehlenden Daten bei 139 Delikten aus dem Bereich der Kinderpornografie die Täter durch die ZIR nicht aufgespürt werden. „Wenn wir heute solche Kriminellen erfolgreich ermitteln wollen, brauchen wir eine verfassungskonforme Grundlage für die Mindestdatenspeicherung“, forderte der NRW-Innenminister.

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