Kinder mit einem inhaftierten Elternteil

24. Februar 2011 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Strafvollzug | Drucken

Der gemeinnützige Verein Projekt Chance e. V. unter dem Vorsitz von Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) hat ein bundesweit einzigartiges Projekt zur Betreuung von Kindern inhaftierter Mütter oder Väter gestartet. Ziel des Projekts sei es, den Inhaftierungsschock zu mildern, eine lange Trennung während des Vollzuges zu überbrücken und die Rückkehr des Vaters oder der Mutter in die Familie nach der Entlassung zu erleichtern, sagte Goll am Donnerstag (24. Februar) in Stuttgart: „Kindern, deren Mutter oder Vater ins Gefängnis muss, soll eine Betreuung im Einzelfall zur Verfügung gestellt werden, die ihnen hilft, mit der Situation besser umzugehen“.

Dabei könne es um Besuche in der Familie gehen, aber auch Vermittlung in Krisensituationen, so der Minister. „Genauso schwierig ist es häufig für die ganze Familie, wenn die Mutter oder der Vater später aus der Haft zurückkommt“, sagte Goll. Auch hier solle geholfen werden, zum Beispiel durch Gespräche mit den Familienmitgliedern, so Goll. „Mit diesem Projekt können wir Kindern, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, in kritischen Lebenssituationen wirksam helfen“, betonte der Minister.

Projekt Chance e.V. werde das Vorhaben als Träger zusammen mit dem Netzwerk Straffälligenhilfe durchführen, zu dem der Badische Landesverband für soziale Rechtspflege, der Verband für Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg e. V. und der Paritätische Landesverband Württemberg e. V. gehörten, so Goll. Die Baden-Württemberg Stiftung habe für das Projekt insgesamt 500.000 € zur Verfügung gestellt, sagte der Minister. „Gerade bei diesem Projekt ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Justizvollzug, freien Verbänden und der Jugendhilfe entscheidend. Ich freue mich, dass wir in Baden-Württemberg dafür so geeignete und gut funktionierende Strukturen haben“, so der Minister.

Eine zwischen November 2010 und Januar 2011 durchgeführte Erhebung habe ergeben, dass etwa 400 weibliche und männliche Gefangene in Baden-Württemberg Kinder unter 18 Jahren hätten und an Hilfe interessiert seien, so der Minister. „Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass der praktische Bedarf für ein Eltern-Kinder-Projekt sehr hoch ist. Es ist richtig und wichtig, Familien zu helfen, die in eine schwierige Lage kommen, weil ein Elternteil in Haft muss“, kommentierte Goll das Ergebnis.

Zum Ablauf des Projekts erklärte Goll, dass Anfang Februar 2011 die Planungsgruppe des Projekts ein Qualitätskonzept beschlossen habe, das unterschiedliche Bausteine für die Betreuung vorsehe. Das Klinikum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm unter Leitung von Prof. Dr. Jörg Fegert habe ein Schulungsprogramm für die Helferinnen und Helfer vorgelegt, das im März und im Mai 2011 durchgeführt werden solle. Die Ulmer Kinderpsychiatrie werde auch die Evaluation des Projekts übernehmen, so der Minister. Die eigentliche Betreuung der Kinder, die mit dem Landesjugendamt im Kommunalverband für Jugend und Soziales eng abgestimmt sei, werde im Juli 2011 beginnen, sagte Goll.

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.