Landeskriminalamt setzt auf 3D – Laser-Technologie

16. Februar 2011 | Themenbereich: Bayern, Landeskriminalamt, Polizei | Drucken

Mit über 200 Mitarbeitern ist das Kriminaltechnische Institut (KTI) im Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) neben dem Bundeskriminalamt (BKA) eines der größten in Deutschland und Europa. Auch in Europa gibt es nur wenige vergleichbare Einrichtungen. Besonders hervor zu heben ist die Vielfalt von Wissenschaftlern. Sie umfasst Chemiker, Biologen und Physiker ebenso wie Ballistiker, Drucktechniker, Mineralogen, Entomologen, Zoologen, Botaniker, Mathematiker, Informatiker, Geomedieningenieure oder auch Betriebs- und Wirtschaftsprüfer.

Seit 27.September 2010 ist das KTI des Bayerischen Landeskriminalamtes Mitglied beim European Network of Forensic Science Institutes (ENFSI). In dieser privaten Organisation sind 58 forensische und kriminaltechnische Institute aus 33 europäischen Ländern vertreten. Mitglied kann nur werden, wer mehrere wissenschaftliche Bereiche abdeckt und akkreditiert ist.

ENFSI bietet Wissenschaftlern aus Europa eine Plattform, sich über forensische Fragen auszutauschen, neue Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern auch anzustoßen und Forschungen zu betreiben. LKA-Präsident Peter Dathe: „Wir sind stolz, in diesem Gremium itglied zu sein“.

Dathe weiter: „Eine meiner Devisen ist, den rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im KTI den Freiraum zu schaffen, an der wissenschaftlichen Entwicklung nicht nur teilzuhaben, sondern sie auch durch eigene Forschung voran zu treiben. Ein weiteres großes Anliegen ist mir die Zusammenarbeit zwischen der Ermittlungsebene vor Ort in Bayern und dem LKA. Der unmittelbare Austausch zwischen Theorie und Praxis ist unverzichtbar.“

Eine Sonderstellung durch herausragende Einzelleistungen hat das KTI in der Schriftaltersbestimmung und in der Haaranalytik. Ein Chemiker des Sachgebiets Urkunden entwickelte und veröffentlichte als erster eine Methode zur Altersbestimmung von Schriften. Aufgrund der unterschiedlichen Ausdünstung der Lösungsstoffe in Schreibmitteln kann eingegrenzt werden, ob ein Dokument oder eine Unterschrift frisch oder mehrere Wochen oder Monate alt ist.

Letztes Jahr war die internationale „Society of Hair Testing“ zu Gast im LKA. Dieses besitzt mit dem Sachgebiet Chemie eines von weltweit drei Referenzlaboren für die Haaranalytik. Dieser gelingt es, Drogenkonsum anhand der Rückstände in Haaren nachzuweisen. Die Analytik ist so sensibel, dass vergleichsweise die „Verunreinigung“ des Starnberger Sees mit einer Halben Bier problemlos nachweisbar wäre.

LKA-Präsident Dathe: „Wir wollen alles tun, um den national und international anerkannt hohen Standard des KTI im Bayerischen Landeskriminalamt zu erhalten und wo immer es geht, auszubauen.“

Um Ihnen einen kleinen Einblick in den aktuellen Stand der Technik gewähren zu können, die dem KTI des Bayerischen Landeskriminalamtes zur Verfügung steht und auch zum Einsatz kommt, stellen wir im Nachgang drei ausgewählte neue Technologien vor:

3D – Laser Technik

Seit Anfang Juni 2010 setzt das Kriminaltechnische Institut 3D-Laser-Technolologie ein, wenn es darum geht, Tatorte zu vermessen und deren reale Gegebenheiten optisch so „einzufrieren“, wie sie sich dem Ermittler kurz nach der Tat darstellen. In der Forensik sind zur Unfalldokumentation schon seit den 1930er Jahren fotogrammetrische Messsysteme im Einsatz. Damals wurden mit unhandlichen Stereomesskammern Tatorte dreidimensional fotografiert und anschließend in noch größeren Anlagen ausgewertet.

In den 1990er Jahren wurde diese Messtechnik durch die Mehrbildfotogrammetrie abgelöst. Hier kamen kleine, frei in der Hand zu haltende Kameras zum Einsatz, die zusammen mit leistungsfähiger PC-Technologie neue Möglichkeiten der Tatortbearbeitung eröffneten. Seit den 2000er Jahren wird die Fotogrammetrie durch den Einsatz moderner dreidimensionaler Vermessungstechniken abgelöst. Die Entwicklungen stammen vor allem aus dem Bereich Architektur und Bauwesen. Im KTI kommen ein 3DLaserscanner und ein 3D-Streiflichtscanner zum Einsatz.

Der Laserscanner vermisst großflächige Tatorte mit einem Radius von bis zu 80 m innerhalb weniger Minuten mit einer Genauigkeit von wenigen Millimetern. Den einzelnen Messpunkten können auch Farboptionen zugeteilt werden, sodass ein fotorealistisches Bild entsteht. Im Gegensatz zu früheren fotogrammetrischen Aufnahmen oder der so genannten Sphero Cam ist es möglich, den Aufnahmestandpunkt zu verlassen und sich in der virtuellen Punktewolke an jeden 3 Ort des Geschehens zu bewegen. Er ist aus jeder beliebigen Perspektive zu betrachten.

Auch Jahre nach der Tat kann der mit den Originalmaßen „eingefrorene“ Tatort mit allen seinen Details rekonstruiert oder Zeugenaussagen mittels bewegter dreidimensionaler Animationen überprüft werden – und dies auch, wenn der Tatort in der Realität nicht mehr vorhanden ist (fliegende Bauten, Abriss oder Neubau von Gebäuden, landschaftliche Veränderungen, Erosion). Abgesehen von Kriminalfällen kann auch bei Verkehrsunfällen schnell dreidimensional vermessen und in CAD-Programmen weiter gearbeitet werden. Von Aufnahmen aus Überwachungsanlagen von Banken oder des ÖPNV können Körpergrößen von Tätern bestimmt werden.

Neben dem Laserscanner besitzt die Zentrale Fototechnik des KTI noch einen Streiflichtscanner, der Objekte in DIN A4-Format mit sehr hoher Messgenauigkeit (im Submillimeterbereich) erfasst. Hiermit ist es möglich, kleinste Spuren auf passgenaue Übereinstimmung mit möglichen Tatwerkzeugen zu überprüfen. Zu denken ist hier an Schussdefekte, Schuhspuren oder Körperverletzungen. Der Mehrwert der 3D-Technologie besteht hierbei darin, dass nicht mehr zweidimensionale Abbilder von Gegenständen mit einander verglichen werden müssen, sondern alle Gegenstände in ihrer vollen dreidimensionalen Originalität. Der Aussagewert von Gutachten zur Übereinstimmung kann damit deutlich erhöht werden.

Präparation von Einzelschuppen (DNA)

Besonders aufwändig ist das Suchen und Finden einzelner Hautschuppen auf Kleidungsstücken. Dazu werden Kleidungsstücke mit Spurensicherungsbändern abgeklebt. An der Klebefläche bleiben unzählige Mikrospuren haften. Das können Fasern, Haare, Stäube oder auch Hautschuppen sein, die nur unter dem Mikroskop zu erkennen sind. Aus den Folien einer Jacke beispielsweise, können so mehrere hundert einzelne Schuppen heraus präpariert und einzeln analysiert werden. Da diese Methode viel Geduld, eine sehr ruhige Hand und sauberes Arbeiten (Kontaminationsgefahr) erfordert, dauert sie mehrere Tage. Sie ist deshalb auf Kapitaldelikte beschränkt und wird wegen der Zeit- und Kostenintensität in Bayern ausschließlich im LKA durchgeführt.

Der Vorteil besteht darin, dass nur eine einzelne Schuppe analysiert wird und so das eindeutige DNAIdentifizierungsmuster nur einer Person gewonnen werden kann. Wird dagegen von der Folie der Kleber mit all seinen unsichtbaren Inhalten nur abgekratzt, besteht die Gefahr, Mischspuren zu erhalten, die keiner bestimmten Person mehr zuordenbar sind.

Electrical Network Frequency (ENF)

Die Generatoren der Stromerzeuger rotieren in ganz Europa mit einer Frequenz von fünfzig Hertz. Diese unterliegt tagesbedingt leichten Schwankungen. Interessanterweise sind diese Schwankungen im gesamten europäischen Stromnetz vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer völlig gleich. Wenn z.B. am Montag nach dem Wochenende eine portugiesische Fabrik ihre Maschinen hochfährt, ist dies in Bukarest genauso messbar wie in Flensburg oder Palermo.  Diese Frequenz wird als Schwingung bei Ton- oder Filmaufnahmen mit aufgezeichnet. Damit erhält eine Tonaufzeichnung einen einmaligen Zeitstempel. Diese Methode zur Authentifizierung von Aufzeichnungen wird in Deutschland bisher nur vom BLKA angewandt. Sie wurde von einem Kollegen (Ingenieur) aus Rumänien entwickelt.

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