Auf der sicheren Seite?

16. Februar 2011 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Sachsen-Anhalt | Drucken

Auf der sicheren Seite? Diese Kernaussage des Innenministers auf der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2010 ist zu hinterfragen.  Das sehen übrigens auch aktuell 50 % der Bürger so (Online- Umfrage der MZ zur inneren Sicherheit in Sachsen- Anhalt, Stand 15.02.2011, 18.40 Uhr).

Wieder einmal muss ausschließlich die PKS zur Lageeinschätzung herhalten.

Unstrittig sind die dokumentierten Zahlen ein Ergebnis der fleißigen Arbeit der Polizeibeamten allgemein und der erfolgreichen Ermittlungsergebnisse der Kriminalisten im Besonderen.

Der Zusammenhang in der PKS zwischen gesunkenen Fallzahlen und einer gesteigerten Aufklärungsquote muss immer kritisch hinterfragt werden.

Den Rückgang der Kriminalität auf einen Erfolg der Polizeistrukturreform 2007 zurückzuführen, greift sehr kurz.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht auch Rückgänge in Deliktbereichen wie z.B.

den Diebstahl in/aus Geschäften (den größten Teil bildet der Ladendiebstahl) oder der Rauschgiftkriminalität. Beides in erster Linie Delikte der sogenannten Kontrollkriminalität.

Ohne ausreichendes Personal keine „Kontrolle“ und Bekämpfung mehr!

Bei der Computerkriminalität dafür ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen. Aber auch diese Zahl bremst die Gesamtzahl der angezeigten Fälle, denn z.B. beim Onlinebetrug werden viele angezeigte Fälle in der PKS als ein Fall registriert, weil der Täter wochen/-monatelang die gleiche Masche mit hohem Schaden betrieben hat.

Ziele in der Kriminalitätsbekämpfung werden über Aufklärungsquoten und die Reduzierung von Fallzahlen definiert. Diese zwei wesentlichen politischen Ziele werden bewusst oder unbewusst in die kriminalpolizeiliche Arbeit transportiert und ihre Erfüllung über die Polizeiliche Kriminalstatistik kommuniziert.

Sie ist eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung. Die PKS-Daten passen sich den Wünschen der Politik oder/und der polizeilichen Vorgesetzten (Schnittstellen zur Politik) an und die „erfasste Wahrheit“ hat tendenziell wenig mit der tatsächlichen Kriminalität zu tun.

Mit den veröffentlichten Daten ist keine auf Tatsachen beruhende Sicherheitspolitik zu entwickeln.

Hohe Aufklärungsquoten entsprechen den Erwartungen der Politik.

Diese sieht keine Notwendigkeit, den kontraproduktiven Personalabbau bei der Polizei zu stoppen und suggeriert vielmehr, nicht aufgedeckte Kriminalität mit meist unbekannten Tätern durch zwangsläufig damit verbundenen Fallzahlenrückgang als Erfolg zu verkaufen. Das damit entstandene Ungleichgewicht zugunsten bekannter Verfahren ist letztendlich eine statistische Schönheitskur, die traumhafte Aufklärungsquoten vorgaukelt, die aber nur unter relativer Betrachtung gut sind.

Anstatt Aufklärungsdefizite mit neuen Aus- und Fortbildungsmodellen zu beseitigen oder organisatorische Fehlentscheidungen zu korrigieren, werden mit der PKS-Datenwelt die Kriminalitätsentwicklung und die Aufklärungsquote(n) in rosaroten Farben dargestellt.

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